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Hausgärten: Zu viel Dünger schadet

28. Apr.
5 Min. Lesezeit

Es ist Frühling, eine wichtige Zeit für Gartenfreunde. Ein Thema ist dabei leider nach wie vor aktuell: vier von fünf Hausgärten sind überdüngt, so die Einschätzung von Fachstellen

und Experten. Das schadet der Umwelt. Dabei braucht es gar nicht viel, um die Situation zu verbessern: ein wenig Kenntnisse über Pflanzen und ihren Bedarf an Nährstoffen sowie der Verzicht auf mineralische Dünger. Denn es gibt eine einfache, umweltschonende und auch günstigere Lösung.


Die Gartensiedlung Moos in Hochdorf. Hier sind viele Hobby- und Profigärtnerinnen und -gärtner am Werk. Foto cb
Die Gartensiedlung Moos in Hochdorf. Hier sind viele Hobby- und Profigärtnerinnen und -gärtner am Werk. Foto cb

Das Angebot an mineralischen Düngern in den Fachmärkten ist riesig. Ein klares Indiz dafür, dass diese Produkte fleissig gekauft und benützt werden. Das Problem dabei ist, dass viel

zu viel gedüngt wird. Die meisten Gartenfreunde wissen nicht, wie viel Dünger, sprich Nährstoffe, es braucht. Die Antwort ist einfach: Wenig, sehr wenig sogar, wie auch

die Umweltberatung Luzern auf ihrer Homepage bestätigt: «Pflanzen sind sehr bescheiden. Damit sie gedeihen, brauchen sie nur Wasser, Licht, Luft und geringe Mengen an Nährstoffen. Die Nährstoffe können in Form von Dünger künstlich zugeführt werden, um ein schnelles Wachstum der Pflanze zu fördern. Allerdings wird meist viel zu stark gedüngt, was sich negativ auf die Pflanzen selbst, aber vor allem auf die Böden und das Ökosystem auswirkt.» Darum empfehlen Fachstellen und Experten, auf organische Dünger zu setzen. Der Topstar unter diesen

ist Kompost und der steht, sofern man ­ alles richtig macht, für Hobbygärtner kostenlos zur Verfügung. Doch Achtung: Auch mit Komposterde kann man den Garten überdüngen.


Welche Pflanze braucht wie viele Nährstoffe? Das ist die Grundlage um Dünger richtig einzusetzen. Foto cb
Welche Pflanze braucht wie viele Nährstoffe? Das ist die Grundlage um Dünger richtig einzusetzen. Foto cb

Es gibt viele gute Gründe, auf organischen Dünger in Form von Komposterde zu setzen. Zum einen wird bei der Herstellung von mineralischem Dünger sehr viel Energie verbraucht, zum anderen greifen mineralische Dünger in den natürlichen Kreislauf ein, führen zu einer schleichenden Überdüngung vieler Lebensräume und damit zum Aussterben von Pflanzenarten, die auf nährstoffarme Standorte angewiesen sind. Mit organischen Düngern hingegen wird kein neuer Stickstoff hergestellt, sondern nur jener eingebracht, welcher schon in der Natur vorhanden ist. Es entsteht ein geschlossener Nährstoff- und Stickstoffkreislauf. Die Hauptbestandteile von Dünger sind übrigens Stickstoff, zuständig für das Wachstum der Pflanze; Phosphor, damit die Pflanze blühen kann, und Kalium, welches für die Gesundheit der Pflanze zuständig ist. Vor allem Phosphor kennt man im Seetal gut, er sorgt zum Beispiel für überdüngte Seen. Handelsübliche Dünger enthalten reichlich davon. Der überschüssige Phosphor kann von den Pflanzen aber nicht aufgenommen werden und wird mit dem nächsten Regen weggeschwemmt. Auf diesem Weg gelangt er schliesslich in Gewässer und kann das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.


Die Lösung ist, die richtige Menge Nährstoffe in den Boden zu bringen. Dazu muss man wissen, wie viel Nährstoffe die Pflanzen brauchen und dann den organischen Dünger in der richtigen Menge gezielt einsetzen. Der Bedarf der Pflanzen ist also entscheidend. Dafür werden sie in drei Kategorien eingeteilt: Starkzehrer, wie Blumenkohl oder Broccoli; Mittelzehrer, wie Endivien oder Fenchel und Schwachzehrer, zum Beispiel Nüsslisalat und Zwiebeln. Tipp: Tabellen und Listen, die Auskunft darüber geben, welche Pflanzen in welche Kategorie gehören, kann man kostenlos im Internet herunterladen.


Starkzehrer brauchen rund sechs Liter Komposterde pro Quadratmeter. Damit ist notabene die Jahresmenge gemeint. Walter Käppeli, Kompostberater in Hochdorf, bringt den Kompost beim Aufbereiten des Beetes im Frühling in die Erde. Beim Pflanzen setzt er zudem auf Mischkultur, ein Konzept, welches von Mutter Natur abgekupfert worden ist und viele Vorteile bringt. Er setzt also Stark- und Mittelzehrer nebeneinander ins Beet. Nach der Ernte, zum Beispiel eines Blumenkohls, setzt der ehemalige Gartenbaulehrer einen Schwachzehrer, in diesem Fall Nüsslisalat, und der braucht keinen zusätzlichen Dünger mehr. «Der Boden enthält noch

genügend Nährstoffe.»


Stark- oder Schwachzehrer? Im Internet findet man Listen, welche jede Pflanze bestimmen. Foto cb
Stark- oder Schwachzehrer? Im Internet findet man Listen, welche jede Pflanze bestimmen. Foto cb

Einen Vorteil haben mineralische Dünger: Die ­ Nährstoffe sind sofort für die Pflanze verfügbar, während die organischen Dünger zunächst umgewandelt werden müssen und es darum eine gewisse Zeit braucht, bis die Nährstoffe zur Verfügung stehen. Unbenötigte Nährstoffe werden aber weggeschwemmt und genau dies ist das Grundproblem – auch hier zeigen sich die Vorteile der organischen Dünger: die Nährstoffe werden nämlich im Boden gebunden und stehen den Pflanzen länger zur Verfügung.


«Der beste Dünger ist guter Kompost», schreibt die Umweltberatung Luzern. Der gut gereifte Kompost besteht aus zersetzten Pflanzenteilen, in denen die Nährstoffelemente im gleichen Verhältnis vorliegen, wie in der lebenden Pflanze. «Also genau in dem Verhältnis wie es von der Pflanze gebraucht wird. Ausserdem gibt es im Kompost besonders viele Bodenlebewesen, die für eine gute Bodenstruktur sorgen.» Und wenn man diesen in der richtigen Menge einsetzt,

steht einer guten Ernte mit gesunden Böden nichts mehr im Wege.


Die Gemeinde Hochdorf beschäftigt keinen offiziellen Kompostberater, wie das Ressort Umwelt auf Anfrage mitteilt. "Der Gartencoach der Albert Köchlin Stiftung, Urs Bühler, kann Fragen zu Kompost im Zusammenhang mit dem Garten beantworten", so der zuständige Gemeinderat Mario Bucher. Auf privater Basis biete aber auch Walter Käppeli aus Hochdorf Beratungen und Kurse an, was dieser auf Anfrage bestätigt.


Weiter erklärt Mario Bucher: "Die Gemeinde wendet auf ihren Grünflächen eigentlich gar keinen Dünger an. Ausnahme sind Sportplätze Arena und Seefeld, und einige Buchshecken bei Bedarf.

Auf allen weiteren Grünflächen ist das Ziel die Standorte eher mager zu halten um die Diversität zu fördern. Bei einigen Standorten wird Schnittgut liegen gelassen oder Ast- und Laubhaufen erstellt. Da entsteht der Kompost dann vor Ort." Im Rahmen des Tag des Offenen Garten (14. Juni 2026) werde zudem ein Quartierkompost an der Moosstrasse eröffnet. Walter Käppeli werde als Experte vor Ort sein. "Er hat diesen damals initiiert in einem Projekt für Quartierkompostanlagen. Es gab mehrere davon, viele haben die Arbeit aber nicht weitergeführt."



Aus Rüstabfällen und Schnittgut entsteht perfekte und reichhaltige Komposterde als Basis für gesunde Pflanzen und gut für die Umwelt. Fotos cb


Richtig kompostieren

Kompost sollte immer Kontakt mit der Erde haben, nur so können Würmer und andere Bodenlebewesen einwandern. Damit der Kompost nicht ausgeschwemmt wird oder austrocknet, wird er je nach Variante des Kompostbehälters mit einem Vlies oder Plastik geschützt. Zudem gehört ein Deckel drauf, damit man die Feuchtigkeit selber steuern kann.

Das Sammelgut muss zerkleinert werden (auf Fingerlänge), damit die unzähligen Lebewesen

ihre Zersetzungsarbeit besser verrichten können. Diese brauchen ein vielseitiges, zerkleinertes,

gut gemischtes organisches Material und eine mittlere Feuchtigkeit. Ist das Sammelgut

zu trocken, wird es mit Wasser oder Pflanzenjauche übergossen. Das Sammelgut wird

einmal die Woche aufgelockert und durchmischt. Am einfachsten und fast ohne Kraftaufwand geht das mit einem Compostick, einfach zu finden bei verschiedenen Anbietern im Internet.


Das gehört in den Kompost:

Rüstabfälle, Kaffeesatz, Zitrusfrüchte, Blumen, Balkon- und Zimmerpflanzen, Lauf, Rasen, Gartenabraum, Eierschalen, Tiermist in geringen Mengen und nur von Natur aus vegetarischen Tieren (Hühnermist gehört also nicht in den Kompost).


Das gehört nicht in den Kompost:

Gekochte Essensreste, Fleisch, Käse, Verfaultes, Katzenstreu, Asche (enthält oft Schwermetalle),

alle Arten von Fetten.

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