Kommentar: Das teuerste Eigenlob in Hochdorfs Geschichte
- 5. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Auf Facebook fragte ein User: "Gibt es auch Dinge, welche die Gemeinde Hochdorf gut macht?", und "liesse sich dafür auf HochdorfR eine Rubrik einführen?" Berechtigte Fragen. Die Antwort lautet eigentlich, dass HochdorfR bewusst einen kritischen Blick auf die Tätigkeiten dieser Gemeinde wirft, weil das viele nicht tun. Kürzlich aber kam dann die perfekte, neue und unerwartete Antwort, direkt ins Haus: Die Südi News. 28 Seiten im Format A3, vollgestopft mit Eigenlob, wenig News und viel Werbung für die kommende Abstimmung. Damit ist klar: Was gut läuft, sagt die Gemeinde gleich selber und verschickt dies in alle Haushalte sowie weit darüber hinaus, damit es ja alle glauben.

Hinter den Südi News stehen Reto Anderhub, der gleich zu Beginn auf zwei Seiten zu sehen ist, sowie seine "bunte Truppe unterschiedlicher Persönlichkeiten, die ein Ziel vereint: Hochdorf im Zentrum nachhaltig zu verschönern." Spannend wäre, die Definition von "verschönern" dieser "bunten Truppe" zu kennen, wir werden aber das eh irgendwann sehen, wie schön die Südi, dieses neue Zentrum wird. Bis es soweit ist, stellen die Südi News klar: Alles läuft super, wie gewünscht, koordiniert, alles im Griff und alle stehen dahinter, stützen dieses Projekt, auch wenn es in der Realität nur wenige hundert Menschen sind. "Gemeinsam" wird oft betont, man habe gemeinsam geplant, mit einem partizipativen Ansatz, ausser man hatte Fragen, vielleicht sogar Kritik. Dann, ja dann, war Ende Fahnenstange. Kritik lässt die "bunte Truppe" und deren Leiter nicht zu und so betonen sie derweil in den News, zum x. Mal, dass beim Bushof Ost, der schon im Hochdorfer Mail mehrmals Seiten füllte, die Planung die Anforderungen der Anstösser berücksichtigt habe, was einfach nicht stimmt, aber behaupten kann man es ja, es sind schliesslich die Südi News.
Gestaltet wurden diese Südi News von einem Grafiker aus Zürich, was langsam bei der Südi zur Norm wird, also das mit Zürich. Was genau den zuständigen Gemeinderat und Projektleiter, der in seiner Doppelrolle als Finanzchef und Chef des teuersten Projekts der Gemeinde viele Zügel in der Hand hält, die vielleicht besser nicht in einer Hand wären, mit Zürich verbindet, wäre langsam ein interessantes Thema für eine kritische Plattform. Architekten kommen aus Zürich, Planer und jetzt auch Grafiker, Gestalter. Und auch die Sito Development AG, welche die Wirtschaftlichkeit prüft, die selbstverständlich ausser Frage steht, wirtschaftet in Zürich. Nur Zürich scheint dem Projektleiter gut genug für das Dorf Hochdorf zu sein. Diese Städter wissen anscheinend was hier gut ist und nicht ansässige Architekten, Planer oder im Fall der Südi News auch Grafiker, die es in Hochdorf durchaus gibt (siehe dazu ein passender Artikel).
Ein weiteres Muster, welches diese Südi News offenlegen: Nichts ist zu teuer, wenn es um die Südi geht. 28 Seiten auf dickem A3 Papier und dies alles als Eigenlobwerbung im Überformat – kein Problem. Bezahlen tut dies eh nicht die "bunte Truppe", sondern die Steuerzahler, die nun wissen, wie man gefälligst im September abzustimmen hat, bei einem so perfekten Projekt. Geld spielt, zumindest für Werbung, Eröffnungsfeste, Planer, Berater oder einer Bar für Vereine, und mehr, keine Rolle. Dies alles bezahlen die Steuerzahlerinnen und -zahler, scheint aber erstaunlich wenige zu beschäftigen, vor allem nicht die Parteien. Es gab Zeiten, in denen der Finanzchef auch öffentlich gehörig auf den Tisch klopfte und einen haushälterischen Umgang mit Steuergeldern forderte, aber diese Zeiten sind vorbei und vor allem war der Finanzchef damals nicht gleichzeitig Leiter des teuersten Projekts der Gemeinde.

Die Südi ist der "bunten Truppe" aber nicht genug, wie sie bereits beim Brauiplatz bewiesen hat, der nun wirklich absolut gar nichts mit der Südi zu tun hat. Nun ist der historische Ortskern dran, mit dem Projektleiter Reto Anderhub. Warum dieser sich nun auch um den historischen Ortskern kümmern sollte, als Finanzchef, versteht wahrscheinlich nicht einmal der Gemeinderat mehr, hiess es doch mal, Anderhubs Pensum würde für die Südi aufgestockt. Ist er nun neben Finanzchef auch Städtebauplaner oder Entwicklungschef von Hochdorf? Wann wird dies denn bekanntgegeben, denn offiziell ist das definitiv nicht. Aber, und das ist ein geschickter Schachzug des FDP-Mannes, so macht man sich unersetzbar, was eine gute Ausganslage für eine Wiederwahl ist. Einen so erfahrenen und wichtigen Mann kann man doch nicht abwählen, oder? Nicht, so lange das Südiprojekt, was auch immer dazu gehört, läuft und die Südi News halten auf Seite 25 fest, das wird noch Jahrzehnte dauern. Ressorts aber gibt es eigentlich noch in dieser Gemeinde, nachzulesen auf deren Homepage, und eines dieser Ressorts heisst tatsächlich "Bau Verkehr und Umwelt." Bauen und Verkehr wären also in einem Ressort angesiedelt, ist der "bunten Truppe" oder deren Leitung aber egal. Mit der Südi wird einfach mal kurzerhand alles über Bord geworfen, sogar Zuständigkeiten die nicht ohne Grund getrennt sind, was auch bei den Finanzen und einer Projektleitung mehr als Sinn ergeben würde. Übrigens erarbeitet ein Büro aus Luzern die Machbarkeitsstudie für den historischen Ortskern, weil, so die Südi News, dieses Büro Hochdorf gut kennt. Noch besser würden aber in Hochdorf ansässige Unternehmen diesen Ort kennen, viel besser sogar, weil sie hier arbeiten, Steuern bezahlen, mitgestalten, bauen. Aber Hochdorf scheint nicht genug, wenn es um die Vergabe von Aufträgen geht.

18'500 Exemplare wurden von diesen Südi News gedruckt, durch wen wird im Impressum nicht verraten. Wenn man alle Haushalte in Hochdorf bedienen möchte, benötigt man aber nur rund 5'000 Exemplare. Im Impressum steht denn auch: "Postwurf im Seetal." Hochdorf ist also nicht genug, obwohl nur die Hochdorferinnen und Hochdorfer abstimmen sowie mitreden können. Man muss sich das mal vorstellen. Jetzt erhalten Franz Muster aus Hitzkirch und Vreni Musterin aus Ballwil die Südi News, voll mit alten News über ein Projekt, das mit ihnen nichts zu tun hat und über das sie nicht mitreden können. Es geht ja nicht um eine echte Eröffnung nach Abschluss jahrzehnterlanger Arbeiten oder einem Seetaler Fest, nein, um News, die keine sind und ein Projekt, welches zurzeit nur Hochdorf betrifft, weil ja das Gelände noch nicht einmal umgezont worden ist. Eigenwerbung, gepaart mit Eigenlob muss offensichtlich breit gestreut werden, damit es ja alle wissen, egal was das kostet – und kosten wird das einiges, soviel ist sicher, nur allein schon der "Postwurf im Seetal". Warum der Gemeinderat eine solche Aktion nicht gestoppt hat, ist wirklich mehr als befremdlich, warum der Finanzchef nicht dagegen war hingegen offensichtlich.

Auf der letzten, achtundzwanzigsten A3-Seite der Südi News dann das, worum es wirklich geht: Die Abstimmung, "voraussichtlich Ende September". Auch hier wird die gemeinsam erarbeitete Planung betont, tönt gut, stimmt aber nicht. Die Pläne hat nicht ein Trupp aus Mitwirkenden gezeichnet, auch nicht die vielen hundert Seiten Reglemente und Vorgaben geschrieben oder gar gelesen. Die vielgepriesenen Mitwirkungen waren Infoveranstaltungen oder Onlineaufrufe mit hunderten von Dokumenten, und wenn jemand die tatsächlich alle durchgearbeitet und 90 Seiten zurückgemeldet hat, wie zum Beispiel eine IG, dann zeigte sich, was Mitwirkung tatsächlich bedeutet: Zustimmung willkommen, Fragen und Kritik nicht.
HochdorfR könnte nun aber auch, das muss man hier fairerweise zugeben, eigene HochdorfR-News drucken, gestaltet von einem Zürcher Grafiker, gedruckt auf A3 mit Postwurf im Seetal. Es gibt dabei nur zwei Probleme. Erstens darf HochdorfR sich leider, im Gegensatz zur "bunten Truppe," nicht bei den Steuergeldern bedienen um Eigenwerbung zu machen und zweitens gehört der Autor dieses Kommentars mittlerweile zur älteren Generation und die kann sich noch gut an einen Satz erinnern, den wir als Kinder immer wieder hören mussten: Eigenlob stinkt. Daher schaut HochdorfR weiterhin kritisch hin, weil dies bitternötig ist, wie diese Südi News eindrucksvoll beweisen. Getreu dem Leitsatz: "Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun." (Zitat von Stewart Alsop (1914-74), amerik. Journalist)
Claudio Brentini | Herausgeber HochdorfR





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