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"Eine klare Investition in den Standort Hochdorf"

1. Okt.
4 Min. Lesezeit

Bezüglich dem Standort geht mit dem Wegzug des Seetaler Bote eine Ära zu Ende. Für den Raum an der Hauptstrasse 42 wurde ein Nachmieter gesucht. Die neuen Büros der Lokalzeitung befinden sich ganz in der Nähe, in der Südi. Dies lässt aufhorchen. HochdorfR hat darum beim Seetaler Bote nachgefragt.


Die neue Heimat des Seetaler Bote an der Hauptstrasse 25a in Hochdorf. Foto zvg
Die neue Heimat des Seetaler Bote an der Hauptstrasse 25a in Hochdorf. Foto zvg

David Koller, der Publizistische Leiter der SWS Medien, erklärt zum Umzug: "Das geschah ausschliesslich zur Verbesserung der Arbeitsplatzqualität. Am alten Standort waren die Verhältnisse besonders in den Sommermonaten sehr schwierig. Die neuen Büros sind klimatisiert und mit neuen Büromöbeln ausgerüstet. Zudem sind sie grösser." Zudem betont er: "Der Umzug hat nichts mit einer möglichen Kostenersparnis zu tun und ist auch nicht der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Im Gegenteil, er ist eine klare Investition in den Standort Hochdorf und ins Seetal."


Dass der Umzug nichts mit einer möglichen Kostenersparnis zu tun habe, ist indes schwer nachzuvollziehen. Vor Jahren schon hat die Redaktion einen Teil der Büros abgeben müssen, um durch einen Mieter, damals ein Computerfachgeschäf, Einnahmen zu generieren, sprich Miete zu sparen. Ein Blick in die aktuelle Situation der Lokazeitung zeigt zudem, dass Kosten sehr wohl ein Thema sein werden. Auf die Frage nämlich, wie es um den Seetaler Bote generelle stehe, schreibt David Koller: "Es geht ihm so wie allen Lokalzeitungen. Auch er kämpft mit zurückgehenden Abozahlen und Werbeeinnahmen. Die aktuelle Auflage ist im Impressum ersichtlich." Konkret beträgt die Auflage zurzeit demnach 3553 Exemplare und dies ist ein markanter Rückgang, waren es doch vor rund sieben Jahren noch 5000 Exemplare. Die Lokalzeitung nähert sich also leider einer kritischen Grenze, wo sich ein Printprodukt kaum mehr rechnen lässt, auch wenn Koller festhält: "Die SWS Medien AG als Herausgeberin glaubt an die Zukunft des Seetaler Boten. Die SWS Medien AG ist ein gesundes Unternehmen." Zur SWS Medien AG gehört auch der Willisauer Bote mit einer Auflage von immerhin 7'499 Exemplaren, Präsident des Verwaltungsrates ist übrigens der Hochdorfer Adrian Nussbaum, Co-Präsident Die Mitte Hochdorf.


Der alte Standort war eine lange Zeit Heimat für den Seetaler Bote. Foto cb
Der alte Standort war eine lange Zeit Heimat für den Seetaler Bote. Foto cb

Dass der Seetaler Bote neue Büroräume in der Südi bezogen hat, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz, stellt sich doch die Frage, ob dies einen Einfluss auf die Berichterstattung über die Gemeinde, die ja Vermieterin der Büros ist, hat. Der Seetaler Bote-Chefredaktor André Widmer verneint diese Frage und stellt klar: "Es handelt sich um ein gewöhnliches Mietverhältnis, das keinerlei Einfluss auf die redaktionelle Arbeit hat. Die journalistische Unabhängigkeit des Seetaler Boten bleibt uneingeschränkt gewährleistet. Die Redaktion wird das politische und gesellschaftliche Geschehen in Hochdorf weiterhin sachlich, kritisch und ausgewogen begleiten – genauso wie in allen anderen Gemeinden des Seetals. Dies entspricht unserem journalistischen Auftrag und unserem Selbstverständnis als unabhängiges Regionalmedium." Genau diese kritische Sicht auf das politische Geschehen in Hochdorf vermissen aber viele und man kann nur hoffen, dass die Reaktion diesbezüglich zum Beispiel offizielle Medienmitteilungen in Zukunft mehr hinterfragt und in einen grösseren Zusammenhang setzt.


"Der alte und der neue Redaktionsstandort liegen sehr nahe beieinander. Die neuen Büros sind ebenso «prominent» gelegen und genauso gut erreichbar", schreibt David Koller, was definitiv stimmt. Die neuen Büro befinden sich an der Hauptstrasse 25a, eigentlich genau gegenüber dem "alten" Standort. Dennoch geht eine Ära zu Ende, wobei das Haus bereits vor rund 20 Jahren durch die SWS Medien verkauft worden war. Der Seetaler Bote war also ebenfalls Mieter im Gebäude. Es ist dennoch anzunehmen, dass die neuen Büros nicht mehr kosten als die bisherigen, das würde in der Situation der Lokalzeitung keinen Sinn ergeben. So oder so ist der Standort Hochdorf ein wichtiger, genauso wie es wichtig ist, dass es den Seetaler Bote weiterhin gibt. Die Auflagezahl erlaubt sicher nicht mehr viel Spielraum nach unten, was bedenklich und Grund zur Sorge gibt. Dennoch ist eine Lokalzeitung für das Seetal wichtig, weil sie über das Geschehen im ganzen Tal berichtet und so mithilft, diesem Tal eine Identität zu verleihen. Dass niemand der Redaktoren im Seetal wohnt, ist indes eines der grossen Themen des Seetaler Boten. Eine Lokalzeitung muss nah am Puls des Lebens im Ort, im Tal sein. Der Grossbrand in Urswil hat das deutlich gezeigt. HochdorfR bekam um Mitternacht mehrere Anrufe und konnte sofort los, um Fotos und Videos zu erstellen. So konnte HochdorfR noch in der Nacht darüber berichten, mit exklusivem Bildmaterial, welches einige andere Medien benutzt haben. Die Lokalzeitung Seetaler Bote berichtete spät über dieses Ereignis, lange nach Medien wie Blick, 20Minuten, Zentralplus und das zu einem Ereignis im eigenen Abogebiet. Doch genau dies wäre die grosse Chance für Lokalzeitungen, schneller über das zu berichten, was im Gebiet der Zeitung passiert, weil man informiert ist und weiss, was hier in diesem Tal geschieht, was die Menschen beschäftigt, wo der Schuh drückt. Ohne Netzwerk, ohne Personen, die hier leben, ist das kaum möglich. Das ist sicher eine der viele Herausforderungen, denen sich der Seetaler Bote stellen muss und man kann nur hoffen, das dies gelingt. Alles andere wäre ein herber Verlust für das Seetal.


| HochdorfR | Claudio Brentini


PS: Claudio Brentini hat fast 10 Jahre für den Seetaler Bote gearbeitet, zuletzt als Stellvertretender Chefredaktor, bevor er selber Chefredaktor und publizistischer Leiter der Magazine SEESICHT, Schweizer Hundemagazin, Schweizer Katzenmagazin sowie JASS wurde. Mittlerweile arbeitet er als Selbstständigerwerbenderfür mehrere Magazine und Unternehmen, als Filmemacher sowie als Herausgeber von HochdorfR.






 

1 Kommentar


sven72
02. Okt.

Eine Nachfrage zur Textstelle, in der die Aussage von David Koller, der Umzug habe nichts mit Kostenersparnis zu tun, als "schwer nachzuvollziehen" bezeichnet wird: Worauf stützt sich diese Einschätzung konkret? Der Text nennt dafür nur einen Einzelfall aus der Vergangenheit. Falls es darüber hinaus aktuelle Hinweise gibt – interne Quellen, Zahlen, Aussagen Dritter –, wäre es im Sinne von Richtlinie 3.1 der "Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten" hilfreich, diese offenzulegen oder wenigstens zu umschreiben. Ohne das bleibt für die Leserschaft unklar, ob es sich um eine begründete Einschätzung oder um eine Vermutung handelt.

Auch die Datenbasis ist unvollständig: Als Beleg für die "kritische Grenze" dient einzig die gedruckte Auflage. Online-Abos, E-Paper- und App-Nutzung bleiben unerwähnt –…

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