Ein Defizit und "bedeutende Unsicherheiten
Die Gemeinde hat Ihr Budget sowie den Aufgaben- und Finanzplan 2027 bis 2032 präsentiert. Beides ist geprägt von hohen Investitionen. Nicht nur die Controlling-Kommission mahnt zur Vorsicht, auch die Parteien thematisieren die Finanzen. Die Rettung soll die Südi sein – wenn alles gut geht.

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Hochdorfs Budget 2027 weist ein Defizit von rund 442’000 Franken aus. Die Finanzkennzahlen können über mehrere Jahre nicht eingehalten werden, die Verschuldung steigt. Eine Aufwertung des Südiareals um rund 43 Millionen Franken verbessert zwar die Buchhaltung, bringt aber kein zusätzliches Geld in die Kasse. Die Gemeinde setzt grosse Hoffnungen auf die Entwicklung der Südi, doch die Controlling-Kommission warnt gleich mehrfach vor «bedeutenden Unsicherheiten» und fordert, Investitionen konsequent nach Nutzen und Dringlichkeit zu priorisieren. Gleichzeitig stehen wichtige Vorhaben wie die Sanierung von Seebad und Lunapark sowie dringend benötigter Sportraum an. Auch die Parteien beurteilen zum Teil die Finanzlage kritisch und setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ob die erwarteten Einnahmen aus der Südi die hohen Investitionen und Folgekosten langfristig auffangen können, bleibt offen. Die Risiken tragen letztendlich die Steuerzahlenden.
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"Für die Erfolgsrechnung resultiert im Budget 2027 ein Aufwandüberschuss von CHF 442’091.00", so schreibt es die Gemeinde in ihrer Botschaft für die Abstimmung vom 29. November 2026. "Aufwandüberschuss" tönt besser als Defizit, was es eigentlich ist. Bedenklich ist dieser Betrag nicht, schon öfters verwandelte sich ein budgetierter Verlust in einen Gewinn. Aber, und das ist ein grosses Aber, die Investitionen dominieren die Botschaft sowie die Rückmeldungen dazu. Die Kennzahlen können, so die Botschaft weiter, nicht mehr eingehalten werden, so die Grenzwerte zum Beispiel des Selbstfinanzierungsgrades, des Selbstfinanzierungsanteils, der Nettoschuld pro Einwohner und zwar im Budget 2027 sowie in sämtlichen Planjahren 2028 bis 2030. Zur Erklärung: Der Kanton gibt Finanzkennzahlen als Steuerungs- und Kontrollinstrumente vor. Können diese nicht eingehalten werden, ist der Gemeinderat gemäss FHGV (Verordnung zum Gesetz über den Finanzhaushalt der Gemeinden) verpflichtet, dies zu analysieren und Gegenmassnahmen einzuleiten. Richten tun diese Situation nun nicht etwa Sparpakete oder Mehreinnahmen, sondern Buchgewinne, sprich eine Aufwertung des Finanzvermögens um rund 43 Millionen Franken. Dies ist möglich nach dem Ja zur Umzonung des Südiareals, welches dadurch mehr wert ist, beziehungsweise höher bewertet werden kann. Es sind aber keine Realeinnahmen, kein realisierter Gewinn, kein Geld, mit dem man auch nur ein Brötchen kaufen könnte, aber die Buchhaltung sieht besser aus. Für die realen, geplanten, hohen Investitionen verändert dies relativ wenig.
Ein Überblick über die kommenden Jahre bietet nicht das Budget 2027, sondern der Finanz- und Aufgabenplan 2027 bis 2032. Ein genauer Blick in denselben lohnt sich, denn dort kann man sehen, worin investiert wird. In eine kombinierte Sporthalle Arena mit Eis- und Turnhalle, einem Schwingkeller und mehr, wie das Projekt den Vereinspräsidien am 11. Mai dieses Jahres vorgestellt wurde, schon mal nicht. Ganze 15.45 Millionen sind eingesetzt, das reicht nur für eine Turnhalle, nicht für ein Grossprojekt. Im Aufgaben- und Finanzplan steht nach wie vor (HochdorfR hat bereits darüber berichtet): «Abstimmung Sonderkredit 2026.» Diese wird schon mal sicher nicht 2026 stattfinden und viel Mut hat die zuständige Gemeinderätin an der Orientierungsversammlung vom 14. September den Anwesenden nicht gemacht. Auf ihrer Folie zu dem Thema stand lediglich, dass die Sportraumplanung eine "vielschichtige und komplexe Thematik" sei, dass «die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorhanden» seien, eine "vertiefte Prüfung durch Gemeinderat notwendig" sei und die Bevölkerung informiert werde, "sobald Planung klar ist". Gemäss Budget kostet eben diese Planung ganze 450'000 Franken und das sind nicht die ersten Planungskosten. Solche hat man gemäss Kommentar zur Jahresrechnung 2025, zu finden in der Detailbotschaft zur Abstimmung vom 14. Juni 26, bereits abgeschrieben. Zudem liegt noch immer kein Gemeindesportanlagenkonzept (GESAK) vor und man fragt sich, was genau in den vergangenen Jahren zu diesem Thema getan wurde. Wie HochdorfR bereits aufgezeigt hat, ist das Thema Turnhalle mittlerweile seit 13 Jahren aktuell und der Druck von Schule und Vereinen steigt. Immerhin hat die Gemeinde nun 10'000 Franken für die Erstellung eines solchen GESAK ins Budget aufgenommen, für ein Konzept, das längst eigentlich schon vorhanden sein müsste.
Vorstudien werden auch für die Gesamtsanierung des Seebades Baldegg sowie für die Umgestaltung des Lunaparkes erstellt, Kosten insgesamt 200'000 Franken im Budget 2027. Erarbeitet werden auch eine Immobilienstrategie sowie ein Alterskonzept, Kosten 70'000 Franken. Und auch die Braui benötigt wieder mal Geld: 150'000 für die Erneuerung der Küche, 120'000 für einen Ersatz der Veranstaltungstechnik sowie 120'000 für den Ersatz der noch bestehenden FL-Leuchten sowie der Erneuerung der Elektro-Unterverteilungen. Die ganz grossen Investitionen finden sich dann beim Thema Hochdorf Areal West, also der Südi, Einnahmen durch verkaufte Parzellen sind dort ja erst ab 2028 zu erwarten.
Was der Aufgaben- und Finanzplan deutlich zeigt: Eine Gemeinde zu erhalten sowie am Laufen zu halten kostet und Projekte wie die Sanierung Badi und Lunapark müssen angegangen werden, gehören sie doch zu den Besucherhotspots der Gemeinde. Die Folgekosten des Wachstums durch die Südi und andere Bauprojekte sind gar noch nicht erfasst, also zum Beispiel mehr Schulraum. Irgendwann kann man keine Wertberichtigungen mehr in der Buchhaltung vornehmen und Buchgewinne können sich auch negativ auf den Finanzausgleich auswirken. Die Controlling-Kommission stellt denn auch fest, «dass die Gemeinde trotz der Verbesserung gegenüber dem Vorjahr weiterhin vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht.» Es bestünden zudem weiterhin bedeutende Unsicherheiten, insbesondere bezüglich der Entwicklung einzelner Ertragsquellen und der anstehenden Investitionsvorhaben. Das sind klare Worte und erstmals fühlen sich wohl warnende Stimmen ernstgenommen.
Die Nettoinvestitionen bleiben gemäss dem Bericht der Kommission «auf einem hohen Niveau und die Verschuldung wird gemäss Aufgaben- und Finanzplan weiter ansteigen. Verschiedene finanzielle Leitplanken und Kennzahlen können über mehrere Jahre hinweg nicht eingehalten werden» und es bestünde "Handlungsbedarf." Vor diesem Hintergrund erachte es die Kommission als wichtig, "Investitionen konsequent nach ihrem Nutzen und ihrer strategischen Bedeutung zu priorisieren sowie die Aufwandentwicklung weiterhin kritisch zu überprüfen." Das kann durchaus bedeuten, dass Projekte in Zukunft nicht umgesetzt werden und erfahrungsemäss werden dann eigentlich wichtige Themen wie Lunapark und Seebadi als erste einer kritischen Prüfung zum Opfer fallen, denn Geld fliesst vor allem in ein Projekt und das ist die Südi. Dieser komme für die mittelfristige Entwicklung der Gemeinde eine besondere Bedeutung zu, schreibt die Controlling-Komisssion weiter. Die mit der Ortsplanungsrevision verbundene Entwicklung biete das Potenzial, die finanzielle Position der Gemeinde langfristig deutlich zu stärken. Die Kommission betont aber auch: «Mögliche Ertrags-, Bewertungs- und Entwicklungseffekte sind jedoch naturgemäss mit bedeutenden Unsicherheiten verbunden und lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend quantifizieren.» Das sind neue Töne, solche, die aufhorchen lassen, wenn eine Kommission zwei Mal Unsicherheiten als "bedeutend" einstuft.
Die Parteien freuen sich, dass «mit dem Seebad Baldegg, dem Lunapark und den Sportan-lagen Vorhaben konkretisiert werden“ (Die Mitte), die FDP habe sich da sogar „für eine raschere Umsetzung eingesetzt.“ VAH & Grüne schreiben, dass die hohen Investitionen finanziell anspruchsvoll seien. „Deshalb sollen die Projekte nach Dringlichkeit, Klima- und Sozialwirkung priorisiert, etappiert und mit belastbaren Betriebs- und Folgekosten ausgewiesen werden. Klimaverträgliche Investitionen dürfen nicht aufgeschoben werden, da spätere Sanierungen meist höhere Kosten verursachen.“ Die GLP ihrerseits erklärt, dass für sie nicht entscheidend sei, „möglichst wenig zu investieren, sondern in das Richtige: in gute Schulen, nachhaltige Mobilität, attraktive Freizeitangebote und eine Infrastruktur, die auch morgen funktioniert.“ Die SVP analysiert die Zahlen und kommt zum Schluss, dass der Personalaufwand der Gemeinde Hochdorf im Budgetjahr 2027 erstmals die Grenze von Fr. 30 Mio durchbreche. „Seit 2020 ist der Personalaufwand damit um 40% gewachsen. Die Verwaltung wächst damit 10 Mal schneller, als die Bevölkerung“, so die Partei. Sie schreibt weiter, das prognostizierte Defizit sei vermeidbar und weist darauf hin, dass die Liegenschaften im Finanzvermögen einen Verlust von 550‘000 Franken generieren und die Gemeinde allein für Berater und Gutachter rund 725‘000 Franken ausgebe. Sie kommt zum Schluss: „Auffallend ist auch, wie sich auch im Budget, alles um die Südi dreht. Das Budget müsste den Fokus aber auf den Kernaufgaben der Gemeinde haben. Das Kerngeschäft muss Priorität geniessen.“
Ob dieses Budget sowie der Aufgaben- und Finanzplan Vertrauen schaffen, darf an dieser Stelle in Frage gestellt werden. Warnzeichen sind da, die Controlling-Kommission spricht von «erheblichen finanziellen Herausforderungen.» Man wird bald sehen, ob Gelder wirklich in andere Projekte fliessen. Mittlerweile sollte allen klar sein, dass eine Gemeinde nicht nur aus einem grossen Projekt besteht, sondern aus vielen Aufgaben, die gemeistert werden müssen. Allein das Oberdorf mit baufälligen Häusern im Besitz der Gemeinde verlangt nach Aufmerksamkeit, genauso wie die gesamte Infrastruktur, wie der Aufgaben- und Finanzplan zeigt. Ob der Verkauf von Parzellen dereinst alles wieder geradebiegt, bleibt abzuwarten und ist eher fraglich, denn Überraschungen darf es bei all den Berechnungen keine geben. Die Gemeinde vermeidet solche Gedanken und spricht nie von Risiken. Das kann sich noch rächen, vor allem für die Steuerzahlenden.
| HochdorfR





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