top of page

Der ewige Traum einer längst fälligen Turnhalle

  • 5. Juni
  • 6 Min. Lesezeit

2013 stand die Sanierung der Turnhallen Zentral an. Gegen das Projekt wehrte sich damals ein Sportanlageplaner. Er wies darauf hin, dass Hochdorf generell zu wenig Turnhallen habe und stellte fest, dass bereits damals rund 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht die vorgeschriebenen drei Lektionen Sportunterricht absolvieren konnten. Die Gemeinde wiegelte ab und betonte, es gebe keine Probleme. Heute, 13 Jahre später, ist die Notwendigkeit für zusätzlichen Sportraum zwar unbestritten, eine neue Turnhalle rückt aber aktuell gerade wieder in weite Ferne.


Die Turnhallen Zentral - 2013 saniert. Damals betonte die Gemeinde, bis 2023 reiche der Bestand an Turnhallen für die Schule. Foto cb
Die Turnhallen Zentral - 2013 saniert. Damals betonte die Gemeinde, bis 2023 reiche der Bestand an Turnhallen für die Schule. Foto cb

Im Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2025 bis 2030 der Gemeinde Hochdorf steht: «Notwendigen Sportraum für Schule bereitstellen. Vereine erhalten mehr Platz. Aktuelles Planungsprojekt Sporthalle Arena. Abstimmung Sonderkredit 2026. Umsetzung realistischerweise 2027/2028.“ Demnach sollte noch dieses Jahr eine Abstimmung anstehen für ein Sonderkredit und bereits nächstes Jahr umgesetzt werden. Bisher war aber davon nie die Rede und die Abstimmungstermine stehen fest. Mittlerweile läuft die Vernehmlassung eines neuen Aufgaben- und Finanzplans für die Jahre 2027 bis 2032. Darin schreibt die Gemeinde: „Notwendigen Sportraum für Schule bereitstellen. Vereine erhalten mehr Platz. Aktuelles Planungsprojekt Sporthalle Arena. Abstimmung Sonderkredit 2026. Abklärungen Synergien pendent. Machbarkeitsstudie am Laufen, Zahlen noch unklar.» Immerhin stellt die Gemeinde wieder fest, dass der Sportraum notwendig sei und immer noch wird eine Abstimmung 2026 erwähnt. Wie es tatsächlich weitergeht, findet man schliesslich in der aktuellen Detailbotschaft zur Jahresrechnung, über die am 14. Juni abgestimmt wird. Dort steht unter dem Titel "Aufgaben- und Finanzplan 2025 - 2030 Gemeinde Hochdorf Rechenschaftsbericht 2025": "Aktuelles Planungsprojekt Sporthalle Arena. Strategische Neuausrichtigung des Projekts mit anschliessender Auslösung Machbarkeitsstudie Sporthalle, Eishalle, Schwinghalle an einem Standort. Abstimmung Sonderkredit 2026 verschiebt sich zeitlich voraussichtlich nach 2029. Ausführung voraussichtlich 2029/2030." Demnach verschiebt sich die Abstimmung auf mindestens 2029, dass dann eine Ausführung unmittelbar folgt, ist eher Wunschdenken oder Beruhigungsstrategie für all jene, die seit vielen Jahren mindestens eine zusätzliche Turnhalle fordern.


Immerhin scheinen nun die Zahlen realistischer zu sein. Im AFP bis 2030 war noch von 9.4 Millionen Franken die Rede, im AFP bis 2032 stehen über 15.4 Millionen Franken. Auch das wird für eine Lösung mit Eis- und Schwing- und Turnhalle bei weitem nicht reichen und wie das Ganze bezahlt werden soll, weiss wohl niemand zurzeit. Am 11. Mai wurden die Vereinspräsidien informiert und zumindest jene, die einen Sportverein präsidieren, hat dies sicherlich brennend interessiert. Im Juli / August dieses Jahres werde demnach der Gemeinderat über eine Machbarkeitsstudie beschliessen, zudem gebe es folgende parallele Schritte: «Vorprüfung Erschliessung/Verkehrssituation; Vorprüfung Finanzierungsmöglichkeit; Projekt Gemeindesportanlagenkonzept (GESAK); Präsentation MB-Studie an öffentlicher Informationsveranstaltung“, das Datum dazu folge. Warum aber bis heute kein Gemeindesportanlagenkonzept vorliegt, ist wirklich mehr als erstaunlich, kündigte doch die Gemeinde bereits 2022 den Bau einer Doppelturnhalle in der Arena an, die gemäss NAU dann auf das Schuljahr 2025/26 bezugsbereit sein solle. Die Planung einer Sporthalle Arena ist übrigens auch im Jahresbericht 2022 der Sportkommission unter "laufende Projekte" zu finden, Dieses Schuljahr ist nun aber bald vorbei und weder steht eine neue Halle, noch gibt es dieses Jahr eine Abstimmung und offenbar wurde bisher nicht einmal ein Gemeindesportanlagenkonzept erarbeitet, welches bereits seit Jahren in irgendeiner Schublade liegen müsste. Die Abstimmung über einen Sonderkredit wurde soeben still und leise um mindestens ganze drei Jahre verschoben. Das Thema generell ist aber definitiv nicht neu. Im Hochdorfer Mail vom Februar 2013, schrieb die damalige Gemeinderätin, zuständig für Bildung: „Bis ins Jahr 2023 reicht der Hallenbestand für die Schule aus. Für die Zukunft nach 2023 ist aus heutiger Schulsicht die Schaffung von neuem Hallenraum vorzusehen.» Wie sich gezeigt hat, eine Fehleinschätzung. Für die vorgeschriebenen Lektionen (dazu später mehr) reichen die vorhandenen Hallen seit Jahren nicht.


Die Gemeinde spricht nun von einer Sporthalle Arena, mit einer Eis- und Schwing- und Turnhalle. Ob das machbar ist und wie das finanziert werden soll, ist zurzeit nicht klar. Foto cb
Die Gemeinde spricht nun von einer Sporthalle Arena, mit einer Eis- und Schwing- und Turnhalle. Ob das machbar ist und wie das finanziert werden soll, ist zurzeit nicht klar. Foto cb

Im Kommentar zur Jahresrechnung 2025, zu finden in der Detailbotschaft zur Abstimmung vom 14. Juni, ist noch eine interessante Bemerkung zu lesen: «Die Budgetüberschreitung ist hauptsächlich auf ausserplanmässige Abschreibungen im Verwaltungsvermögen in Höhe von CHF 174'480.53 zurückzuführen. Diese betreffen die Abschreibungen der Rundbahn und des Handballfelds bei der Sportanlage Arena sowie die bisher angefallenen Planungskosten für den Neubau der Turnhallen.» Planungskosten schreibt man ab, wenn die Planungen nicht mehr benötigt werden, das Thema also vom Tisch ist. Es gab also Pläne für einen Neubau und natürlich damit verbunden auch Kosten. Was ist damit geschehen? Warum wurden diese Pläne nicht umgesetzt?


 «Zeitlich gibt es einen gewissen Handlungsdruck», erläuterte Karin Jung-Riedweg gegenüber dem Seetaler Bote in der Ausgabe vom 5. Februar 2026. Die für das Ressort Sport zuständige Gemeinderätin hatte und hat damit wohl sicher recht, nur ist das schon seit vielen Jahren so, also auch während ihrer ganzen, bisherigen Amtszeit. Es geht gemäss der Gemeinde darum, wie es im Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2025 bis 2030 steht, den notwendigen Sportraum für Schule bereitzustellen, also jener Sportraum, der notwendig, nicht nur wünschenswert ist. Das Sportförderungsgesetz des Bundes gibt dazu vor, dass die Kantone im Rahmen des schulischen Unterrichts die täglichen Sport- und Bewegungsmöglichkeiten fördern, in der obligatorischen Schule sind aber mindestens drei Lektionen Sportunterricht pro Woche obligatorisch. Drei Lektionen Sportunterricht wären demnach die Vorgabe, für viele Schülerinnen und Schüler in Hochdorf sind es aber deren zwei. Die dritte heisst „Turnen im Freien“, ist eher eine Bewegungsmöglichkeit und das wird seit vielen Jahren so umgesetzt. Spielen und bewegen ist nicht verkehrt, aber nicht im Sinne der Sache, wie eine Nachfrage beim Bundesamt für Sport ergab. Sportlektionen bedingen Gerätschaften, die richtige Umgebung, sprich Halle oder Leichtathletikanlage, zudem adäquate Sportkleidung sowie eine ausgebildete Fachlehrperson. Natürlich kann das bei schönem Wetter auch bedeuten, draussen einen Lauf oder Kugelstossen zu trainieren, zu schwimmen, aber es wäre Sport und nicht Ringelreihen oder Fangis, man würde sich umziehen, hätte die Möglichkeit danach zu duschen und so weiter. HochdorfR hat mehrere Eltern angefragt, ob und wie „Turnen im Freien“ in Hochdorf heute noch umgesetzt wird. Dabei kam heraus, dass „Turnen im Freien“ vor allem bei den unteren Klassen zur Anwendung kommt, dort aber zum Teil bei Regen ausfällt, zum Teil die Klassenlehrperson diese Lektion abhalten muss und bei einzelnen Klassen diese Bewegungsstunde selten, vor allem aber unregelmässig durchgeführt wird. „Turnen im Freien“ ersetzt also nicht die dritte, obligatorische Sportlektion, die bei jedem Wetter stattfinden müsste und zwar unter geeigneten Bedingungen. Wächst nun die Gemeinde weiter, und mit der Südi ist dieses Szenario schliesslich das erklärte Ziel, dann fehlen noch mehr Sporträume, natürlich auch für die Sportvereine, die sehr viel für die Gemeinschaft und die Volksgesundheit tun. Mindestens vier Jahre müssen sie noch warten, aber es kann, wenn es so weitergeht wie bisher, noch sehr viel länger dauern. Vor allem dann, wenn das Geld fehlen wird – ein nicht nur unrealistisches Szenario.


Nicht nur für die Schule, sondern auch für Sportvereine ist Sportraum sehr wichtig. KI Bild
Nicht nur für die Schule, sondern auch für Sportvereine ist Sportraum sehr wichtig. KI Bild

In der bereits erwähnten Ausgabe des Seetaler Bote war auch zu lesen, dass eine Hallenproblematik bestehe, die Rede war deshalb von einer Dreifachturnhalle. Dass nun mit diesem Zeitdruck als erster Schritt die Abstimmung um drei Jahre nach hinten verschoben wird, ergibt wenig Sinn. Und natürlich wurden auch die Kosten in besagtem Artikel der Lokalzeitung angesprochen. Der Seetaler Bote schrieb: «Es wäre eine grössere Investition auf einmal, lässt Jung-Riedweg verstehen. Und hier stellt sich dann auch die Finanzierungsfrage.» Schaut man sich die enormen Investitionen an, die anstehen, nur schon in die Infrastruktur der Südi oder die Pflege der bestehenden Infrastruktur, darunter marode Häuser an der Hauptstrasse (HochdorfR wird darüber berichten), darf man sich zurecht Sorgen machen, ob eine Turn-, Eis- und Schwinghalle jemals umgesetzt wird, vor allem aber, wie ein solches Mammutprojekt finanziert werden soll. Für die Schule sowie die Sportvereine ist ein weiteres Vertagen dieser uralten Forderung wohl ein Schlag ins Gesicht. Bewegung und Sport kann nicht genügend hoch gewichtet werden. Es geht um die Gesundheit, daher auch um Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen, um eine Investition in die Zukunft, der Kinder, der Jugendlichen sowie der Erwachsenen, die etwas tun für ihre Beweglichkeit, aber auch um Integration in eine Gemeinschaft, um die Pflege von sozialen Kontakten. Wenn Hochdorf nun tatsächlich mehr als ein Zentrum sein möchte, ist das Zurverfügungstellen der notwendigen Infrastruktur das Mindeste und nicht ein Luxus. Und wenn für dieses Zurverfügungstellen der notwendigen Infrastruktur das Geld fehlt, müsste man vielleicht da mal genauer hinschauen und ansetzen. Eine Konsequente Aufgaben- und Finanzreform würde dazu vielleicht Anhaltspunkte liefern. Aber: «Das Projekt Finanzreform wurde wegen mangelnder personeller Ressourcen im Bereich Finanzen und Wirtschaft verschoben.» (Detailbotschaft zur Abstimmung vom 14. Juni 2026, Rechenschaftsbericht 2025).


| HochdorfR


Klarstellung: Gerne hätte HochdorfR dem Gemeinderat sowie der zuständigen Gemeinderätin Fragen gestellt. Die Gemeinde hat aber gegenüber dem Berufsverband der Journalisten und auch an der Orientierungsversammlung vom 1. Juni 2026 klargestellt, dass rechtliche Abklärungen laufen und daher keine Fragen beantwortet werden. HochdorfR hat vor diesem Hintergrund auf Fragen an den Gemeinderat verzichtet.

Kommentare


bottom of page