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Analyse: Wie fit sind die Hochdorfer Parteien für die Online-Welt?

  • 27. Mai
  • 8 Min. Lesezeit

Politische Parteien spielen nach wie vor eine Rolle in einer Gemeinde, vor allem bei der Besetzung des Gemeinderates und der Kommissionen, obwohl dort viele Parteilose sitzen müssten, sind doch längst nicht alle Einwohnerinnen und Einwohner von Hochdorf Mitglied einer Partei. Doch wie bringen sich die Parteien ein, wie beziehen sie Stellung? HochdorfR hat sich im Netz um- und die Präsenz der Hochdorfer Parteien online angesehen.

 

Die Parteien sind online - aber vergessen zum Teil, dass sie es sind. Foto KI
Die Parteien sind online - aber vergessen zum Teil, dass sie es sind. Foto KI

Mit über 10'000 Einwohnenden kennt längst nicht mehr jeder jeden, das ist schon lange vorbei. Will man sich also informieren, gehen die meisten online, auch wenn es um politische Themen geht. Was schreiben die Hochdorfer Parteien auf ihren Homepages? Werden aktuelle Themen von Hochdorf aufgegriffen? Beziehen sie klar Positionen oder gibt es nur politische Floskeln? HochdorfR hat zunächst alle Homepages analysiert und sich dann noch die Präsenz auf Facebook und Instagram angeschaut. Ein erstes Fazit: Bei einigen Parteien wäre es wohl besser, sie würden ihre Accounts löschen.



Die Homepages der Hochdorfer Parteien (Stand 23.5.2026)


 Screenshots Homepages der Hochdorfer Parteien.


Die Mitte

Auf ihrer Homepage wirbt Die Mitte für neue Mitglieder, ohne diesen aber zu sagen, warum sie Mitglied werden sollten, wie sie davon profitieren werden. In der Rubrik «Aktuelle Medienmitteilungen» findet sich eine Parteiversammlung. Dieser Post wurde am 20. Mai 2026 hochgeladen. Die nächsten Einträge in derselben Rubrik stammen dann aber vom 14. November 2025 sowie vom 9. September 2025. Die Rubrik «Termine» ist leer, ebenso jene mit dem Titel «Events». Die Werte betreffen die Schweizer Politik der Mitte, es gibt keine Hochdorfer Themen, sowieso keine aktuellen. Nichts zur Südi und deren aktuellen Auflage, nichts zur Umzonung, zu den Finanzen, zur Schule und so weiter. Möchte eine neu zugezogene Person wissen, was die Mitte zur aktuellen Situation Hochdorfs denkt, findet sie hier absolut nichts. Immerhin sind alle Personen der Parteileitung mit Foto abgebildet, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist. Scheinbar ist dies aber für andere Parteien eine nicht zu meisternde Herausforderung, wie wir noch sehen werden.

 

FDP.Die Liberalen

Die Homepage der Liberalen startet vielversprechend mit einem Artikel unter dem Titel «Das liberale Verständnis von konstruktivem Mitwirken», welcher Hochdorf betrifft. Leider stammt der aber vom 12. April 2024 – richtig gelesen, 2024! Noch schlimmer sieht es beim «Newsletter Archiv» aus. Der letzte Eintrag hier stammt aus dem Jahr 2020. Dann sind auf der Startseite noch zwei Fotos zu sehen mit der Beschreibung: «Reto Anderhub tritt wieder an» und «Die FDP Hochdorf nominiert..», Karin Jung-Riedweg übrigens. Auch das ist Jahre her und so geht es auch weiter. Unter «Aktuell» der schon besprochene Artikel aus dem Jahr 2024, weitere folgen aus den Jahren 2023 und 2022. Zwar kann man im Archiv 2025 anwählen, dann kommen aber kantonale Meldungen. Aktuell sind auch die nicht, die Agenda ist zudem leer. Unter "Themen" präsentiert die Partei schliesslich ihre Inhalte für Hochdorf. Sie will ein starkes Zentrum, vielseitige Mobilität und eine blaue Ökologie. Wenige Sätze konkretisieren jeweils diese Themenfelder. Unter Mobilität schreibt die Partei zum Beispiel: "Wir bringen innovative Ideen ins Spiel." Wie sie das tut, welche innovativen Ideen sie konkret einbringt, kann man nicht nachlesen. Spannend ist, dass die Partei sich für Parkplätze einsetzt, was sie bei den Themen auf einer Seitenliste noch betont: «Ein attraktives Zentrum braucht Parkmöglichkeiten – ggf. unter dem Boden.» Weiter wird dann noch die Südumfahrung aufgeführt, die ja schon längst Geschichte ist, aber auch andere Themen wie eine Begrünung im Zentrum. Konkrete aktuelle Themen findet man auf der Homepage nicht. Immerhin auch hier: Der Parteivorstand wird mit Fotos präsentiert.


SVP

Zunächst fällt hier sofort das veraltete, textlastige Design auf. Das wird konsequent durchgezogen, zum Beispiel bei einem fast unleserlichen Kalender. Ob dort die Nennung einer Retraite des Vorstands für die Leserinnen und Leser spannend ist, sollen diese entscheiden. Immerhin führt die Partei ihre Schwerpunkte für Hochdorf direkt auf der Startseite auf. Die SVP setzt sich gemäss diesem Text ein für eine Gemeinde, die sich auf das Kerngeschäft fokussiert und effizient im Dienste der Bevölkerung arbeitet; für tiefe Steuern und Gebühren sowie einen sorgfältigen und haushälterischen Umgang mit Steuergeldern; für eine weitsichtige, das Zentrum entlastende Verkehrspolitik (Umfahrung) und mehr. Wie sich die SVP dafür einsetzt, schreibt sie nicht, die Themen sind zumindest relativ konkret und fassbar. Unter "Aktuell" wird die Durchmischung der Schulklassen thematisiert, danach ist mit der Aktualität oder auch mit Aussagen zur aktuellen Situation von Hochdorf aber Schluss. Der nächste Eintrag betrifft die Abstimmung vom 30. November 2025, gefolgt von der Kandidatur von Mario Bucher für den Gemeinderat. Die Parteileitung stellt sich mit zwei Fotos und drei schwarzen Figuren vor, fast schon eine Karikatur der bekannten SVP-Plakate und alles andere als benutzerfreundlich. Zudem muss hier noch die verwirrende und unlogische Menüführung erwähnt werden. Es gibt nämlich deren zwei. Die gut sichtbare führt zur Kantonalpartei, die weniger gut sicht- und lesbare zu den Themen der Ortspartei.

 

SP

Prominent stellt die Partei die Parolen zur Abstimmung vom 14.06.2026 vor. Es folgt eine Agenda mit Einträgen für kommende Anlässe. Unter "Aktuelles" finden sich Einträge vom 2. Mai, 30. sowie 6. Januar 2026 und dann bereits vom 1. November 2025 und 28. Oktober 2025. Die Rubrik sieht frisch aus, meist mit Fotos und einem Bericht zu den Anlässen. Die Partei setzt sich gemäss ihrer Homepage in Hochdorf für ein durchdachtes Verkehrskonzept ein, welches den Langsam-Verkehr fördert, zu Aufenthaltsqualität im Dorfzentrum führt und Schulwege und Wohnquartiere sicherer macht; für gute Schulen mit ausreichend Sporthallen und einem familienfreundlichen Kinderbetreuungsangebot; ein vielfältiges Kulturangebot im Dorf; so viele Klimaschutzmassnahmen wie möglich und mehr. Obwohl auch hier dies relativ greifbare und konkrete Themen sind, wird nicht geschrieben, wie man das erreichen möchte und wie man die Situation aktuell von Hochdorf mit dem Jahrhundertprojekt sowie Themen wie Finanzen, Schulen und mehr sieht oder einschätzt. Der Vorstand stellt sich mit grauen Kästen vor, die man besser löschen sollte. Wieso die Partei hier graue Kästen platziert, bleibt ein Rätsel. Schön ist das nicht, benutzerfreundlich sowieso nicht.

 

VAH / Grüne

Auf der Startseite finden sich gut sichtbar, aktuelle Meldungen, so das Konzept der Seite. Der erste Eintrag stammt vom 2. März 2026, weiter geht es aber mit Meldungen vom 7. November 2025 und 7. September 2025, Letztere mit der Bekanntgabe der Unterstützung der Kandidatur von Fabian Britschgi. Dabei hat im April 2026 die beliebte Velobörse stattgefunden, aktuelleres gäbe es also. Ein Text mit Foto dazu findet man dann unter einem eigenen Menüpunkt. Unter "Agenda" werden Daten von sogenannten "Runden" publiziert. Was das ist, wird nicht beschrieben, dass muss scheinbar allen klar sein. Unter "Sonstiges" gibt es keinen Eintrag. Ausser der Beschreibung der Vereinsgeschichte gibt es keine Schwerpunkte oder Hochdorfer Themen mit der Haltung der Partei, des Vereins. Der einzige konkrete Eintrag einer Aktion stammt aus dem Jahre 2024, damals wurden zwei Parkplätze in einen öffentlichen Lebensraum verwandelt. Der Vorstand stellt sich auch hier mit einem Foto vor.

 

GLP

Hier erfährt man, so der Einleitungstext, mehr zu "Aktuelles, Veranstaltungen, Themenschwerpunkte und Menschen". Bei Letzterem wir der Vorstand mit Fotos vorgestellt. Interessant ist, das eine Person, wohnhaft in Eschenbach, das Co-Präsidium einer Hochdorfer Partei innehat. Übrigens sollte man auch bei dieser Page die Menüführung oben auf der Seite ignorieren, die führt zur Kantonalpartei. Unter "Aktuelles" wird auf kantonale Themen hingewiesen, will man mehr erfahren und klickt auf den Button, geht es nur mit einer Anmeldung für einen Newsletter weiter. Mit einer eigenen Rubrik wird auf kommende Veranstaltungen in Hochdorf hingewiesen, zum Beispiel auf eine offene Vorstandssitzung. Bei "Schwerpunkte" verspricht die Partei: «Wir machen Politik mit Weitblick – für ein Hochdorf, das stark, fair und zukunftstauglich ist.» Klickt man hier weiter, kann man nachlesen, wofür sich die Partei in Hochdorf einsetzt: Zum Beispiel, "dass Hochdorf eine nachhaltige Raumplanung umsetzt, die auf massvolle Verdichtung setzt." Oder weiter, dass "Hochdorf eine Verkehrsstrategie verfolgt, die auf intelligente Lösungen statt auf kostspielige Strassenbauten setzt." Und auch dafür, dass "Hochdorf sich als nachhaltiger und innovativer Wirtschaftsstandort positioniert." Weiter wird der regionale Klimaschutz, klimafreundliche Mobilität, die Biodiversität sowie gesunde Gemeindefinanzen thematisiert. Aber auch hier sagt die Partei nicht, wie sie das alles umsetzen möchte, welche konkreten Vorschläge sie macht und sie bezieht auch nicht Stellung zu aktuellen Themen der Gemeinde Hochdorf.

 

 

Social-Media der Hochdorfer Parteien (Stand 23.5.2026)

 

HochdorfR hat den jeweiligen Facebook- sowie Instagram-Account der Parteien angeschaut. Hier ging es vor allem um das Thema Aktualität sowie die Präsenz, also die Häufigkeit von Posts, sprich Einträgen. Nicht betrachtet wurden die LinkdIn-Accounts.

 


Bei Facebook sieht es so aus, dass die SVP ein leeres Profil ohne Einträge anbietet; die SP zuletzt am 23. Mai 2024 etwas gepostet hat und das Titelbild Gaby Oberson zur Wahl in den Gemeinderat propagiert; die GLP mit einem Eintrag am 22. April 2026 für die Sammlung von Unterschriften für die Familieninitiative wirbt; die FDP mit einem Post vom 11. September 2025 für ein Mare-Ja wirbt, wobei das Bild dazu nicht mehr geladen wird und Die Mitte das alles mit einem Eintrag aus dem Jahr 2023 noch toppt, wobei VAH/Grüne auf Facebook gar nicht erst präsent sind. Zusammengefasst: Facebook kann man bei den Hochdorfer Parteien vergessen. Dafür scheint niemand zuständig zu sein. Die "aktuellste" Partei ist die GLP mit ihrem Post vom April dieses Jahres. Sehr aktiv ist auch sie nicht, in diesem Jahr erfolgten ganze drei Einträge, kein einziger für ein Hochdorfer Thema, obwohl die Partei auf ihrer Webseite schreibt: "Auf Facebook, Instagram und LinkedIn informieren wir regelmässig über aktuelle Themen, Veranstaltungen und Einblicke in unsere politische Arbeit."


Übrigens ist die Zielgruppe von Facebook in der Schweiz eigentlich interessant für Parteien, oder müsste es zumindest sein. Gemäss OnlineKarma, bilden die 35- bis 44-Jährigen die grösste Altersgruppe auf Facebook. Auf Platz zwei folgen die 25- bis 34-Jährigen, gefolgt von den 45- bis 54-Jährigen.

 

Auf Instagram hat Die Mitte Hochdorf dieses Jahr sieben Einträge hochgeladen, wobei dieser Account scheinbar für den Wahlkreis steht. Fotos und Videos, zum Beispiel mit Rückschauen auf die Kantonsratssessionen, wechseln sich dabei ab. Fünf Einträge sind es bei der GLP Hochdorf. Auch hier keine Beiträge, die explizit Hochdorf betreffen. Die SP hat es dieses Jahr noch nicht geschafft, einen Beitrag zu posten, die SVP hat zwar einen Account, einen Beitrag sucht man aber vergeblich. Die FDP Hochdorf sowie VAH/Grüne sucht man vergebens bei Instagram, ein Kanal der ja vor allem Junge anspricht. Fazit: Aktuelle Hochdorfer Themen, totale Fehlanzeige, wenig bis gar keine Posts, entsprechend tief sind die Followerzahlen, was mit der Anzahl Einträge, der Pflege der Accounts zu tun hat. Ob Parolen für schweizweite Initiativen zudem für die Userinnen und User so spannend sind, dass sie die Ortsparteien auf den Social-Media-Kanälen folgen, ist eher fragwürdig.



Sind die Parteien fit für die Online-Welt? Das Fazit:

Es gibt ein Wort, das die aktuelle Situation umschreibt: Ernüchternd. Die Parteien setzen offenbar lieber auf eine kleine Spalte im Hochdorfer Mail, auf ihre Parolen-Referate bei den Orientierungsversammlungen, die immer gleich ablaufen und dafür genützt werden, die eigenen Gemeinderäte zu loben sowie auf Standaktionen. Eine klare Online-Strategie erkennt man bei keiner Partei, diese Welt scheint allen eher fremd zu sein. Die Folge: Keine Statements zu aktuellen Themen, keine Stellungnahmen die für alle einsehbar sind, keine Positionierungen für Themen, welche diese Gemeinde betreffen. Damit ist auch klar, dass die Parteien wenig Menschen erreichen, viel weniger als möglich wäre, und online nicht erkennbar sind. Dabei ist die Bedeutung von Social Media sowie Homepages mittlerweile bekannt. Man gewinnt damit Wahlkämpfe und Abstimmungen, kann viele Menschen schnell und günstig erreichen, auch mit Inhalten. Aber nur, wenn man aktiv sowie regelmässig postet, aktuell und erkennbar. Austauschbare Sätze aus dem politischen Vokabular erreichen mittlerweile niemanden mehr, Begeisterung wird so nicht generiert. Dabei hätte die Gemeinde Hochdorf es nötig, dass die Parteien sich äussern, positionieren, Klarheit schaffen und dies auch online, weil dort Informationen gesucht werden. Wie viele das Hochdorfer Mail und die Spalten der Parteien tatsächlich lesen ist unbekannt und an den Orientierungsversammlungen ist nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung anwesend. Es scheint fast so, also ob alle Parteien in altem Fahrwasser festhängen, was schade ist und eine verpasste Chance darstellt. Hochdorf würde aktuell das Gegenteil benötigen: Klare, erkennbare, griffige und konkrete Aussagen zu aktuellen Themen, welche die Menschen hier beschäftigen. Und davon gibt es genügend.


| HochdorfR


Nachtrag: HochdorfR wird sich bemühen, mit allen Parteien ein Interview zu aktuellen Themen von Hochdorf zu führen. Die Einladung dazu erfolgt gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieses Artikels.


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