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Aus dem ehemaligen "Mare" wird eine "Esserei"

  • vor 6 Tagen
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"Die Gemeinde Hochdorf hat für die Nutzung der Liegenschaft an der Sempachstrasse eine Wunschlösung gefunden", schreibt diese am 15. Juli auf ihrer Homepage. Ab dem 7. September 2026 überehme die Gourmet Star AG aus Sursee den Betrieb und eröffne zunächst ein Mittagsrestaurant. Dieses werde dann "ab dem 2. Oktober 2026 mit einem Barbetrieb ergänzt, der vorerst jeweils am Freitag und Samstag seine Tore öffnen wird."


Die neue "Esserei Hochdorf". Es wird dauern, bis sich dieser Name durchgesetzt hat. Im Volksmund wird nach wie vor der Name des Vorgängerbetriebes verwendet. Foto cb
Die neue "Esserei Hochdorf". Es wird dauern, bis sich dieser Name durchgesetzt hat. Im Volksmund wird nach wie vor der Name des Vorgängerbetriebes verwendet. Foto cb

Die Gourmet Star AG, ein Unternehmen der Willimann Metzg, habe sich in der Region Sursee und darüber hinaus mit seinem erfolgreichen Konzept etabliert, schreibt die Gemeinde. Gegründet wurde die Gourmet Star AG 1988 als Restaurations AG, für die gastgewerbliche Führung der Stadthalle Surse. 2006 erfolgte die Namensänderung zur Gourmet Star AG, 2009 wurde das Unternhmen durch die Willimann Metzg aus Dagmersellen übernommen. Heute beschreibt die Gourmet Star AG ihr Tätigkeitsfeld folgendermassen: "Catering – Bereitstellung von Speisen und Getränken. Die Grössenordnung reicht dabei vom Partyservice bis zur Versorgung von Grossveranstaltungen oder dem Betrieb von Kantinen. Der Umfang der Leistung erstreckt sich von der reinen Anlieferung des Essens bis zur kompletten Bereitstellung von Personal und Infrastruktur eines Gastronomiebetriebs. Produktion von Speisen und Traiteurprodukten."


Das neue Mittagsangebot im ehemaligen "Mare" soll nun "Esserei Hochdorf" heissen. Es ist die zweite "Esserei" des Unternehmens, welches bereits in Sursee ein Angebot unter diesem Namen führt (siehe https://esserei.ch). Dort bietet die Gourmet Star AG Mittagessen ohne lange Wartezeiten an, täglich mehrere Menüs, zu, wie sie schreibt, "einem fairen Preis", die Menüs können auch als Take-away bezogen werden. Dies alles spricht sicherlich die Zielgruppe an, die gemäss der Mitteilung der Gemeinde insbesondere Berufstätige sein sollen, neben "Gäste, die Wert auf eine qualitativ hochwertige, frische und gleichzeitig preiswerte Mittagsverpflegung legen." Interessant ist hierbei, dass der damalige Besitzer des Restaurant "Mare" mehrfach betont hatte, dass kaum ein Mittagsgeschäft möglich sei, weil einerseits die Arbeitnehmenden sehr kurze Mittagaspausen beziehen würden, um früher ohne Stau in den Feierabend fahren zu können und andererseits die Konkurrenz durch Tankstellen, Detailhandel und Bäckereien sowie der sogenannten Handelsgastromie, also gastronomische Angebote (Speisen/Getränke), die direkt im oder am Einzelhandel (z. B. Supermärkte, Kaufhäuser, Baumärkte) verzehrt werden, gross sei.


Es wird spannend zu sehen, wie die "Esserei Hochdorf" bestehen und sich eine neue Klientel im Gewerbegebiet Hochdorf aufbauen kann. Die Konkurrenz besteht auch durch die Strada Fooda auf dem Südigelände (HochdorfR hat darüber berichtet), und durch Angebote im Dorf. Das Haus Sonnmatt bietet unschlagbar günstige Menüs am Mittag an, quersubventioniert auch von der Gemeinde, da die Grossküche des Sonnmatt einfach ein paar Menüs mehr schicken kann. Dieses Angebot wird gerne von Arbeitnehmenden genutzt, wie man sich vor Ort selber überzeugen kann. Und was die "Esserei Hochdorf" für das weitere Restaurant im Gemeindebesitz, die Braui bedeutet, wird sich auch noch zeigen. Wie gesagt: Um das Mittagsgeschäft kämpfen viele und nicht nur Gastronimiebetriebe.


Für Tino Gebauer, Co-Geschäftsführer der Gourmet Star AG, der die operative Leitung der Esserei Hochdorf übernimmt, war von Anfang an klar, dass in Hochdorf quasi die "Esserei 2" umgesetzt werden soll. Das Selbstbedienungskonzept funktioniert in Sursee bestens, wie Wachstumszahlen belegen. In der Tat sollen Qualität, Preis und Tempo auch in Hochdorf überzeugen. "Alle Speisen können auch mitgenommen werden mit unserem biologisch abbaubaren Geschirr, oder auch mit mitgebrachten Gefässen", erklärt Gebauer. Lange Wartezeiten gebe es in der Esserei nicht, ein wichtiges Kriterium für Arbeitnehmende. "Aufgrund der Erfahrungen in Sursee sind wir guten Mutes für Hochdorf. Wir profitieren von einem bewährten Konzept, welches sich in Sursee ebenfalls trotz grosser Konkurrenz in einem Gewerbegebiet etablieren konnte", so Tino Gebauer. Das Seetal kennt er übrigens bestens, war er doch während zwölf Jahren Küchenchef der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch. Dank "Copy Paste" soll also die "Esserei Hochdorf" als "Esserei 2" ebenfalls Kundinnen und Kunden überzeugen. Mit der Bar will Gebauer noch Erfahrungen sammeln und schauen, wie dieses Angebot ankommen wird. Auf jeden Fall bringt das "Esserei"-Konzept als Selbstbedienungsrestaurant alle Voraussetzungen mit, in Hochdorf gastronomisch Fuss fassen zu können - zumindest für das Mittagsgeschäft.


Gähnende Leere bei der "Strada Fooda". Sommerpause bis August. Bis wann genau, erfahren Interessierte nicht, auch nicht auf der Homepage. Dort steht lediglich: "Wir sind in den Sommerferien ab 3. Juli 2026." Foto cb
Gähnende Leere bei der "Strada Fooda". Sommerpause bis August. Bis wann genau, erfahren Interessierte nicht, auch nicht auf der Homepage. Dort steht lediglich: "Wir sind in den Sommerferien ab 3. Juli 2026." Foto cb

Die S24 Sommerbar bleibt bis am 19. September wie geplant bestehen, schreibt die Gemeinde weiter und lobt sich in gewohnter Manier gleich selber: "Gemeinsam mit den Hochdorfer Vereinen ist es gelungen, die Liegenschaft während der Sommermonate zu beleben und der Bevölkerung einen Begegnungsort anzubieten." Dass diese Belebung die Steuerzahlenden finanzieren, darüber schweigt die Gemeinde natürlich. Die Vereine hats indes gefreut, sie konnten richtig Geld verdienen, mit einem "Begegnungsort", sprich einer Bar. Dort können sich bekanntermassen nur jene begegnen, welche Geld ausgeben können und ob ein Konsumationsbetrieb wirklich als ein Begegnungsort für eine Gemeinde propagiert werden sollte, kann jeder und jede für sich entscheiden. Unterdessen ist ja der neue Lieblingsort der Gemeinde fertig, der Brauiplatz. Dass dieser ein neuer Lieblingsort sein soll, hat sich indessen noch nicht herumgersprochen.


Kein Restaurant im eigentlichen Sinne, keine Bedienung, kein Abendgeschäft. Das haben sich einige anders vorgestellt. Foto cb
Kein Restaurant im eigentlichen Sinne, keine Bedienung, kein Abendgeschäft. Das haben sich einige anders vorgestellt. Foto cb

Abends aber, und das ist nicht unwichtig für Hochdorf, wird die "Esserei" nur für Firmenanlässe öffnen. Ein Restaurant, welches ja gemäss der Gemeinde so wichtig wäre, gewinnt Hochdorf nicht, zumindest am Abend nicht. Immerhin kann der Alkohol weiter fliessen, die Bar wird freitags und samstags, weitergeführt, mit neuem Konzept, wie die Gemeinde schreibt. Es geht also weiter, aber wohl nicht so, wie von vielen erwartet. Die Controlling Kommission schrieb damals in der Kurzbotschaft zur Abstimmung vom 28. September 2026: "Die Gastronomie in Hochdorf ist rückläufig, deshalb wird eine erfolgreiche Weiterführung des Betriebs erwartet. Der Gemeinderat soll sich nicht primär in der Gastronomie engagieren, will aber eine Weiterführung des bestehenden Betriebs sicherstellen." Nun, der bestehende Betrieb war auch abends geöffnet, mit einem vollwertigen Restaurationsbetrieb. Das ist also schon mal nicht gelungen und die Suche nach einer Nachfolge gestaltete sich nach dem Fiasko mit der ehemaligen Mühleholz-Wirtin, die Konkurs anmelden musste, schwieriger als gedacht.


Die Schuld für die lange Suche nach einer Nachfolgelösung weist die Gemeinde in einem ergänzenden Text zur Medienmitteilung einer Stimmrechtsbeschwerde sowie der folgenden Verwaltungsrechtsbeschwerde zu, welche das Geschäft "um Monate" verzögert haben soll. Was die Gemeinde aber verschweigt: Das ganze Verfahen mit Stimmrechstbeschwerde und dem Weiterzug ans Kantonsgericht dauerte bis zum Urteil des Kantonsgericht am 13. Januar 2026. Danach musste die Gemeinde eine Frist von 30 Tagen abwarten, in der das Urteil hätte weitergezogen werden können. Am 28. März schrieb die Gemeinde aber: "In den vergangenen Monaten hat die Gemeinde Gespräche mit interessierten Betreibern geführt." Bedeutet: Seit Monaten also hatten schon Gespräche stattgefunden, mit interessierten Betreibern. Keine Spur von Verzögerung also. Und weiter schrieb die Gemeinde im März: "Das Ressort Finanzen und Wirtschaft befindet sich mit einem konkreten Interessenten in den finalen Vertragsverhandlungen." Dies wurde dann mit der Verkündigung der neuen S24 Bar revidiert, sprich, man hatte noch keine Nachfolgelösung. Klar ist aber, geeignete Interessenten um das Restaurant zu führen standen nicht Schlange. Brisant aber ist ein weiteres Detail, welches die Gemeinde nie publik gemacht hat. Sie kaufte das Grundstück, noch während die Beschwerdefrist für die Stimmrechstbeschwerde lief und behauptete mehrmals in den Medien, das sei alles rechtens, man habe eine Frist für eine neue Beschwerde abgewartet. Um eine neue ging es aber nie und genau dies bestätigte das Kantonsgericht schliesslich. Heisst: Die Gemeinde hätte damals das Mare-Grundstück nicht kaufen dürfen, da das Gericht sogar eine superprovisorische Verfügung ausgesprochen hatte. Die Aussage der Gemeinde, "der Vollzug des Geschäfts verzögerte sich durch die Beschwerde um mehrere Monate", ist also beweisbar falsch, weil die Gemeinde das Geschäft bereits zu einem Zeitpunkt abschloss, in der sie das gar nicht hätte tun dürfen, zudem fand sie einfach keine geeignete Betreiberschaft für das Restaurant, trotz Gespräche während Montaten und finalen Verhandlungen im März 2026.


Ob auch das Schiff verkauft wird beim "nostalgischen Rampenverkauf" im August? Altes muss weg, schreibt die Gemeinde. Foto cb
Ob auch das Schiff verkauft wird beim "nostalgischen Rampenverkauf" im August? Altes muss weg, schreibt die Gemeinde. Foto cb

Die "erfolgreiche Nutzung", wie die Gemeinde die Führung der S24-Bar bezeichnet, kann "nun nahtlos weitergeführt werden." Das Mittagsrestaurant «Esserei» und der Barbetrieb würden die gastronomische Nutzung des Standorts für die kommenden Jahre sichern, so die Gemeinde weiter. Das ist zwar Glaskugellesen, denn sicher ist nichts, vor allem nicht in der Gastronmiebranche, aber versprechen kann man ja was man möchte. "Ziel der Gemeinde ist es, die Liegenschaft bis zur langfristigen Entwicklung des Südiareals während rund zehn Jahren als Gastronomiestandort zu erhalten." Das sind schon mal ein paar Jahre mehr als in der Kurzbotschaft zur Abstimmung verkündet, was zeigt, dass die Südi noch Jahrzente verschlingen wird, wie auch die "Südi News" klargemacht haben. Ob die Pacht, wie versprochen, nun alle Kosten decken wird, muss an dieser Stelle angezweifelt werden. Natürlich erfährt die Leserschaft der Gemeindehomepage dies nicht. Auch nicht, wie viel die Belebung durch die S24 gekostet die Steuerzahlenden hat. Mit der Umzonung im Herbst werden aber über drei Millionen fliessen, an Buchgewinnen, wie die Gemeinde damals bei der Abstimmung immer wieder betont hatte, zum Beispiel mit einer Mitteilung am 5. September 2025: "Auch beim ehemaligen Restaurant Mare könnte ein Buchgewinn entstehen. Ein allfälliger Kauf und die spätere Umzonung in eine Mischzone brächten zusätzliche rund 3.1 Millionen Franken." Mit Buchgewinnen kann die Gemeinde zwar nicht mal ein Joghurt kaufen, weil dies ein rein rechnerischer, noch nicht realisierter Gewinn ist, eine buchhalterische Politur, wenn man so will. Aber Gewinne tönen immer gut. Man wird sehen, was dies alles bringen wird, denn die Gemeinde steht bereits heute und nicht erst in 10 Jahren vor grossen, ja sehr grossen Aufgaben, wie Turnhallen, Badi, Lunapark, marode Gebäude an der Hauptstrasse, fehlende Unterrichtsräume, Instandhaltung Infrastruktur, neuer Bushof, Anschlüsse Südi und vieles mehr. Buchgewinne und Südi werden dies alles nicht finanzieren. Denn bis die Südi steht, das Projekt abgeschlossen ist, gehen noch Jahrzehnte ins Land, verkündeten die "Südi News" und das bedeutet: Noch Jahrzehnte muss in dieses Projekt investiert werden. Die Pacht für die "Esserei Hochdorf" ist dabei tatsächlich nur noch ein Tropfen auf den heissen Stein.


|HochdorfR







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