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Aus dem «Mare» wird «S24»: Vereine sollen «Hofderer Bar» führen

  • vor 1 Tag
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Am 28. März 2026 veröffentlichte die Gemeinde die Mitteilung, sie befinde sich mit einem konkreten Interessenten "in den finalen Vertragsverhandlungen". Nun ist Anfang Juni, ein neuer Pächter ist nicht bekannt, die "finalen Vertragsverhandlungen" dauern oder, und das ist die wahrscheinlichere Variante, sind vom Tisch. Denn nun sollen die Vereine in die Bresche springen. Die Gemeinde verspricht eine gute Ertragsmöglichkeit und lässt dabei offen, wie lange diese "Übergangsphase" dauern wird.


Die neue Hofderer Sommerbar S24.
Die neue Hofderer Sommerbar S24.

In der Mitteilung vom 28. März 2026 schrieb die Gemeinde: "In den vergangenen Monaten hat die Gemeinde Gespräche mit interessierten Betreibern geführt. Vorgesehen ist, das Restaurant und die Bar möglichst bald wieder in Betrieb zu nehmen und damit einen wichtigen Treffpunkt im Ort zurückzubringen. Das Ressort Finanzen und Wirtschaft befindet sich mit einem konkreten Interessenten in den finalen Vertragsverhandlungen." Am 30. Mai, also zwei Monate später, erhielten die Hochdorfer Vereine, unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine Mail vom Gemeinderat Reto Anderhub, zuständig für das eben erwähnte Ressort. "Die Gemeinde Hochdorf arbeitet derzeit an einer langfristigen gastronomischen Nachfolgelösung für die Liegenschaft an der Sempachstrasse 24 (ehemaliges Restaurant Mare). Bis zur Wiedereröffnung unter neuem Konzept bietet sich die Chance, den Standort Pop-up-mässig zwischenzunutzen." Die Rede ist von einem "coolen Treffpunkt" und vom Ziel, "der Bevölkerung während der Sommermonate einen unkomplizierten Begegnungsort anzubieten." Konkret gemeint ist damit, dass die Vereine die Bar jeweils freitags und allenfalls Samstag führen. Der «coole Treffpunkt» ist also eine Bar, an der unter anderem, oder eher vor allem, alkoholische Getränke ausgegeben werden. Für die Vereine eine "gute Ertragsmöglichkeit bei geringem Aufwand", so die Gemeinde. Was mit den "finalen Vertragsverhandlungen" geschehen ist, kein Wort, kein Hinweis. Die Gemeinde schreibt von einer Übergangsphase, die bis zur Wiedereröffnung unter neuem Konzept dauere, sprich "voraussichtlich von Ende Juni bis Ende September“. Das tönt nach einer bereits feststehenden Wiedereröffnung, einem konkreten Start der "langfristigen gastronomischen Nachfolgelösung“ nach dem Sommerbetrieb, also Ende September. Ein Satz im selben Merkblatt stellt aber klar, dass diese Annahme nicht korrekt ist.

 

"Wenn Interesse und Potential vorhanden ist, kann das Angebot in den Herbst verlängert werden.“ Gemeint ist das Angebot mit den Vereinen und der Bar. Das wäre allerdings nicht möglich, wäre schon ein Vertrag mit einem neuen Pächter, mit einer neuen Pächterin unter Dach und Fach. Klar ist also, es gibt zurzeit keine Nachfolgelösung und die Mitteilung vom 28. März, war entweder eine Falschmeldung oder die Verhandlungen sind vom Tisch. Wenn Letzteres zutrifft, wäre es natürlich sehr interessant zu erfahren, warum die "finalen Vertragsverhandlungen“ nicht abgeschlossen werden konnten, was mit dem "konkreten Interessenten“ geschehen ist. Wenn dieser abgesprungen ist, hatte er ja vielleicht gute Gründe. Und wenn doch abgeschlossen werden konnte, wäre es an der Zeit, dies ebenfalls mitzuteilen. Die äusserst kurzfristige Aktion mit den Vereinen und vor allem die Möglichkeit, diese zu verlängern deutet eher darauf hin, dass die Gemeinde keine Lösung gefunden hat. Der Satz vom 28. März, "vorgesehen ist, das Restaurant und die Bar möglichst bald wieder in Betrieb zu nehmen und damit einen wichtigen Treffpunkt im Ort zurückzubringen», wirkt über zwei Monate danach nicht mehr glaubwürdig. Denn nun ist klar: "möglichst bald" bedeutet mindestens Ende September, vielleicht sogar Herbst, wenn überhaupt.

 

Das ehemalige "Mare" wird zur Hofderer Bar, bis mindestens Ende September.
Das ehemalige "Mare" wird zur Hofderer Bar, bis mindestens Ende September.

"S24“ heisst übrigens der neue, "coole Treffpunkt“, mit dem Untertitel: "Hofderer Bar.“ S24 wegen der Adresse, also Sempachstrasse 24. Den Vereinen werden die Infrastruktur sowie die Getränke, die dann abgerechnet werden, zur Verfügung gestellt. "Die Gemeinde Hochdorf übernimmt die Koordination des Gesamtprojekts sowie die übergeordnete Kommunikation und Bewerbung der «S24 Sommerbar»“, schreibt Reto Anderhub in seiner Mail an die Vereine. Wer dafür in der Gemeinde Zeit hat, oder ob eventuell Werbung sowie Kommunikation die Agentur des zuständigen Gemeinderates übernimmt, deren Kunde die Gemeinde Hochdorf gemäss Homepage der Agentur ist, wird nicht mitgeteilt. Sicher ist: Kommunikation und Bewerbung einer Bar gehören eher nicht in das Ressort Finanzen und Wirtschaft,


Die Vereine können sich nun in einer Liste eintragen, wobei erste Vereine gemäss der Mail bereits zugesagt haben. Wann und wie die angefragt wurden, welche Vereine das sind und damit bevorzugt behandelt worden sind, ist nicht ersichtlich. Aber klar, einfache Einnahmen, wer lässt sich dies gerne entgehen? Ob wirklich eine Bar ein «cooler Treffpunkt» sowie ein unkomplizierter Begegnungsort für die Bevölkerung ist, sei mal dahingestellt. Das Vorgehen wirft Fragen auf und wieder betreffen diese das ehemalige «Mare»-Gebäude, welches die Gemeinde unbedingt erstehen wollte. Die laufenden Kosten (Zinsen, Abschreibung usw), welche nun die Steuerzahlenden bezahlen, werden zumindest bis in den Herbst hinein nicht durch eine Pacht gedeckt, so wie das die Gemeinde versprochen hat. Pro Monat sind das gemäss Aussagen des zuständigen Gemeinderates an der Orientierungsversammlung zur Mare-Abstimmung immerhin rund 4500 Franken pro Monat, Abschreibungen nicht mit eingerechnet. Zudem schafft die Gemeinde neue, zusätzliche Verwaltungskosten durch die Koordination des Gesamtprojekts sowie die übergeordnete Kommunikation und Bewerbung der Sommerbar und die Frage muss erlaubt sein, ob dies wirklich die Aufgabe einer Gemeindeverwaltung ist.

 

Wieder einmal erfährt die Bevölkerung trotz transparenter Kommunikation der Gemeinde wenig bis nichts über mögliche oder auch gescheiterte Verhandlungen. Wir erinnern uns: Die erste potentielle Pächterin, die in der Botschaft zum Kauf des Grundstücks genannt worden ist, meldete mit dem «Mühleholz» Konkurs an und was mit dem «konkreten Interessenten» und den «finalen Vertragsverhandlungen» geschehen ist, wird nun einfach mit der «S24 Sommerbar» überdeckt. Das «Mare» entwickelt sich langsam aber sicher zu einer ewigen Geschichte und man darf gespannt sein, ob, wie und vor allem mit wem es dort weitergeht.


| HochdorfR


Klarstellung: Gerne hätte HochdorfR den zuständigen Gemeinderat Fragen gestellt, zum Beispiel, ob die Vertragsverhandlungen abgeschlossen werden konnten und wann genau mit einer Pacht zu rechnen ist. Die Gemeinde hat aber gegenüber dem Berufsverband der Journalisten und auch an der Orientierungsversammlung vom 1. Juni 2026 klargestellt, dass rechtliche Abklärungen laufen und daher keine Fragen beantwortet werden. HochdorfR hat vor diesem Hintergrund auf Fragen an den Gemeinderat Reto Anderhub verzichtet.



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