top of page

Bushof Ost – wenig Platz und viele Herausforderungen

vor 4 Tagen
5 Min. Lesezeit

Dass Hochdorf einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs benötigt, darüber sind sich alle einig. Beim Bushof Ost aber gehen die Meinungen dennoch auseinander, vor allem bei einem Thema. Denn eines ist sicher: Viel Platz hat es nicht, um Busse, Anlieferungen, Zubringer sowie Fussgängerinnen und Fussgänger unterzubringen.


Diese Visualisierung aus der Abstimmungsbotschaft, Seite 22, stimmt nicht mit den in der selben Botschaft abgedruckten Plänen überein. Sie wurde gemäss dem zuständigen Gemeinderat "aus Kostengründen und im Sinne der Verhältnismässigkeit nicht mehr angepasst".  Screenshot PDF HochdorfR
Diese Visualisierung aus der Abstimmungsbotschaft, Seite 22, stimmt nicht mit den in der selben Botschaft abgedruckten Plänen überein. Sie wurde gemäss dem zuständigen Gemeinderat "aus Kostengründen und im Sinne der Verhältnismässigkeit nicht mehr angepasst". Screenshot PDF HochdorfR

Geplant sind drei Bushaltekanten, also Plattformen für Bushaltestellen, eine für einen sogenannten Solobus, die anderen zwei für Gelenkbusse, also Fahrzeuge, die bis zu 19 Meter lang sind. Ob solche jemals im Einsatz sein werden, ist im Zusammenhang mit vielen kaum gefüllten Bussen eine berechtigte Frage, die Vorgaben indessen verlangen Haltestellen für solche Kombinationen. Die Busse sind aber nur das eine, viele weitere Fahrzeuge werden dort halten oder durchfahren, auch wenn die Zufahrt nur für Zubringer gestattet sein wird. Allein schon die Lieferanten sowie Kunden der Geschäfte wie Sidler Motos, Gisler AG, der Post, der beiden Restaurants, des Kiosks, vom Take Away und vielleicht dereinst eines dritten Restaurants sorgen für einen täglichen Zubringer-Verkehr von LKWs, Liefer- und Personenwagen. Hinzu kommen Blaulichtorganisationen, die immer eine freie Durchfahrt benötigen, sowie die Lastwagen für die Kehricht-, Grünabfuhr sowie Kartonsammlung. Das Pikante an dieser Situation: All diese Fahrzeuge, inklusive der Busse, fahren auf Wegen, auf denen sich auch die Fussgängerinnen und Fussgänger bewegen. Die haben zwar, weil es eine 20er-Zone, eine sogenannte Begegnungszone wird, Vortritt, das macht die Sache aber nicht einfacher, im Gegenteil


Heute gibt es Trottoirs auf denen sich die Fussgängerinnen und Fussgänger geschützt bewegen können. Trottoirs fallen aber in einer Begegnungszone weg. Ob dann unter Zeitdruck stehende Busfahrerinnen und Busfahrer an Familien mit Kindern, die auf der Fahrbahn laufen, Freude haben, wenn sie warten müssen, bis diese den Weg frei machen, darf an dieser Stelle bezweifelt werden. Die Fussgängerinnen und Fussgänger haben aber keine Chance auszuweichen. Sie bewegen sich praktisch immer auf den Fahrbahnen für den gesamten, zulässigen Verkehr. Dass dies auch ein Sicherheitsrisiko sein soll, sieht der Gemeinderat Reto Anderhub anders. Er schreibt:  «Beim Bushof Ost erhalten Fussgängerinnen und Fussgänger dank der Begegnungszone und Tempo 20 Vortritt, während heute Tempo 50 gilt. Anlieferung und Umschlag werden mit gekennzeichneten Flächen gelenkt und geregelt, wo heute teilweise ungeordnet parkiert und angeliefert wird. Der Durchgangsverkehr wird abnehmen. Hinzu kommen eine klare Verkehrsführung und eine verbesserte Beleuchtung, insbesondere unter dem Parkdeck. Damit wird die heutige Situation sowohl hinsichtlich der Verkehrssicherheit als auch des Sicherheitsempfindens deutlich verbessert.» Sicher ist aber: Der gesamte Verkehr, der dort durchfahren und anhalten darf, fährt auf Strecken, auf denen Fussgängerinnen und Fussgänger zwar Vortritt haben, in die Quere kommen sich diese beiden Anspruchsgruppen aber dennoch und wir reden hier von grossen Bussen, LKWs und Lieferwagen, die keinen Platz zum Ausweichen haben werden. Zudem werden LKWs be- und entladen, ebenfalls auf den Fahrwegen, die gleichzeitig Gehwege sind, was die Situation für alle noch mehr belastet.


Auszug aus der Abstimmungsbotschaft, Seite 23. Plan des Bushofes Ost. Man erkennt die Verkehrsführung in der 20er-Zone. Screenshot PDF HochdorfR
Auszug aus der Abstimmungsbotschaft, Seite 23. Plan des Bushofes Ost. Man erkennt die Verkehrsführung in der 20er-Zone. Screenshot PDF HochdorfR

Egal wie man den Sicherheitsaspekt einschätzt: Es wird eng, sehr eng. Denn auch Parkplätze kommen hinzu und, so zumindest suggeriert es ein Plan, welcher die SBB vorgelegt haben, dereinst auch eine Aus- sowie Einfahrt eines geplanten Parkhauses im Landigebäude, was noch mehr Verkehr generieren wird. Auf den Vorschlag der «IG unser Hochdorf – unsere Zukunft», zumindest eine Kante auf das Südigelände zu verschieben, was die ganze Situation entspannt hätte, gingen die Verantwortlichen der Gemeinde nicht ein und auch die Parteien scheinen sich an ihre Forderungen nach einer Mobilitätszentrale auf dem Südigelände, die, so die FDP am 17.3. 2022 im Seetaler Bote, «unbestritten» sei, nicht mehr zu erinnern.


Eng wird es auch während der Bauphase. Wie diese ablaufen soll, sprich, wie die Anlieferungen zu den Geschäften aufrechterhalten werden soll, ist zurzeit gemäss Aussagen der Anwohnenden für sie nicht klar. Für Geschäfte wird es aber keine Option sein, monatelang auf Anlieferungen oder Abholungen sowie auf Kunden zu verzichten. Ebenso unklar ist zurzeit, wo die Container für Kehricht, Grüngut und Karton stehen werden. Und was dereinst sein wird, wenn an der Bahnhofstrasse ein Gebäude saniert oder gar abgerissen werden soll, ist ein weiteres Thema, welches mit dem Platz zu tun hat. Gemäss der Verkehrsführung und den Schleppkurven, welche die Busse benötigen, wird es eine enorme Herausforderung sein, an einem der Gebäude nur schon ein Gerüst aufzubauen, geschweige denn mit grossem Gerät aufzufahren. Geplant sind ja zudem noch eine Personenunterführung Mitte sowie eine Passerelle, welche das Südigelände mit dem Bushof Ost und dem Bahnhof verbinden soll, also wiederum Bauarbeiten, die nicht mit Schaufel und Pickel, sondern mit Lastwagen, Kränen und anderem Gerät gebaut werden müssen. Wie dies bei den engen Verhältnissen machbar sein soll, ist zurzeit alles andere als klar.


Übrigens kann die Bahnhofstrasse auch in Zukunft als Umfahrung genutzt werden, wenn die Hauptstrasse gesperrt ist. Diese Möglichkeit werde je nach Anlass im Zusammenhang mit einem Gesuch geprüft und mit Auflagen bewilligt, erklärt Thomas Kathriner von der Luzerner Polizei. «Das entscheidet sich situativ», also je nach Anlass und Situation. Neben Markt oder Fasnacht sowie sonstige Umzügen könnten auch Unfälle zur Sperrung der Hauptstrasse führen, dann entscheide die Einsatzleitung vor Ort. «Die Regeln für die 20er Zone gelten auch dann, wenn der Verkehr über die Bahnhofstrasse umgeleitet wird», so Kathriner weiter. Heisst also: Fussgängerinnen und Fussgänger haben auch dann Vortritt.   


Plan aus der Abstimmungsbotschaft Seiten 26/27. Screenshot PDF HochdorfR
Plan aus der Abstimmungsbotschaft Seiten 26/27. Screenshot PDF HochdorfR

Wie lange die abschliessenden Planungsarbeiten bis zur öffentlichen Auflage nun dauern werden, ist nicht bekannt, auch, weil noch einiges nachjustiert werden muss. René Sidler von Sidler Motos ist zusammen mit seinem Vermieter, der Landi, im Gespräch mit der Gemeinde bezüglich Anlieferung und Parkierung. Sidler betont, die Verantwortlichen hätten das Thema erkannt und er sei zuversichtlich, dass man eine Lösung finden werde. Auch die Gisler AG erwartet nach wie vor Lösungen, die aus ihrer Sicht noch nicht umgesetzt worden sind und an der OV von 14.9. bestätigte Reto Anderhub auf eine Frage aus dem Publikum, dass noch Details für die Zufahrt von Kiss&Ride sowie allgemein die Einfahrt in den Kreisel erarbeitet werden müssten. Der Terminplan der Gemeinde sieht bei einem JA am Wochenende nach dem Baubewilligungsverfahren, der Detailplanung inklusive Baustellenkonzept sowie der Ausführung, die Inbetriebnahme des Bushofes Ost bereits im 2028 vor. Ein ambitionierter Fahrplan. Vielleicht würde es Sinn machen, sich jetzt Zeit zu lassen, mit allen Anwohnenden alle Fragen in Ruhe zu klären, so auch den Zugang während der Bauzeit, bevor Bagger auffahren. Die Wohnungen in der Südi sind noch nicht gebaut, der Verkauf von Parzellen beginnt gemäss dem Gemeinderat frühestens 2028, es eilt also nicht. Bis dann könnte auch geklärt werden, wie ein Bau einer Personenunterführung bei einem fertig gebauten Bushof ausgeführt werden kann, ohne dass man wieder Teile davon abbauen oder man Beschädigungen riskieren muss. Das Thema Bushof Ost etwas zu entspannen, wäre sicherlich nicht verkehrt und nach einem JA am 27. September hätte die Gemeinde die Chance dazu. Bleibt zu hoffen, dass sie diese Chance packt.

 

| HochdorfR


Klarstellung

Der Herausgeber von HochdorfR berät die Firma Gisler AG in Kommunikationsfragen. Dieser Artikel betrifft aber ein in Hochdorf breit diskutiertes Thema, welches alle Anwohnenden der Bahnhofstrasse sowie alle zukünftigen Benützerinnen und Benützer des geplanten Bushofes Ost betrifft, sei es Fussgängerinnen und Fussgänger, Busschauffeure, LKW-Fahrerinnen, Zulieferer, Blaulichtorganisationen und mehr. Zudem spricht HochdorfR keinerlei Wahlempfehlung für die Abstimmung am 27. September aus.

Kommentare


bottom of page