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"Dieses Projekt ist überdimensioniert"

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

Während alle Parteien 3xJa für die Abstimmung vom 27. September propagieren

und eine anonyme Gruppe dafür online wirbt, hat eine einzelne Person mit einem Leserbrief verkündet, er werde 3xNein einlegen. HochdorfR hat sich mit ihm getroffen. Er ist kein Unbekannter, hat er doch fast im Alleingang 2015 eine viel beachtete Wachstumsinitiative durchgebracht: Der ehemalige Kantonsrat und Arzt Beat Meister.


Beat Meister wehr sich gegen die Verstädterung der Landgemeinden. Foto cb
Beat Meister wehr sich gegen die Verstädterung der Landgemeinden. Foto cb

Beat Meister, warum werden Sie am 27. September mit Nein beim Thema Südi stimmen?

Für mich ist dieses Projekt überdimensioniert. Hochdorf ist eine Gemeinde auf dem Land. Das Projekt ist ein Städtebauprojekt.


Die Verstädterung ist ja ein Thema in vielen Gemeinden. Man sieht das gut, wenn man Ebikon, Rotkreuz, Zug und Umgebung anschaut, was dann passiert. Ich war kürzlich dort wandern, habe dazu eine alte Wanderkarte Rotkreuz mit einer neuen verglichen und bin wirklich erschrocken, wie sich das Gebiet verändert hat. Wollen wir das wirklich auch im Seetal?


Aber es herrscht eine grosse Euphorie beim Projekt Südi, zumindest wenn man die massive Ja-Werbemaschine anschaut. Täuschen die sich denn alle?

Ich kann diese Euphorie bis zu einem gewissen Grad sogar verstehen. Immer wenn man was anpackt, freut man sich, weil man etwas Konkretes tut, umsetzt. Aber muss man wirklich immer alles machen, was auch möglich ist? Ich denke nicht.


Warum nicht?

Verzichten oder auch etwas bescheidener angehen ist nicht verkehrt, ich glaube sogar das wird immer wichtiger. Eine Erfahrung hat mich und mein Denken geprägt.


Welche?

Ich habe viele Jahre am Zürichsee gelebt und gesehen, wie Gemeinden zugebaut

wurden und auch letztendlich verschwunden sind, weil alles zusammengewachsen ist. Fast jede Grünfläche wurde überbaut, innert 30 Jahren waren in der Gemeinde Freienbach alle grossen Grünflächen, die nicht dem Kloster Einsiedeln gehörten, verbaut. Wenn wir nicht aufpassen, geschieht das überall, auch hier in Hochdorf und im Seetal. Das möchte ich nicht.


Aber viele haben Ja gesagt damals zum Kauf des Südiareals.

Ich habe das damals in Frage gestellt. Nun musste die Gemeinde als Unternehmerin agieren, was ich nicht unterstützte. Ich sehe das Projekt auch stärker im Rahmen des kantonalen Richtplans.


Was heisst dies konkret?

Hochdorf ist eine Zentrumsgemeinde, aber sie ist auf dem Land. Ein Zentrum auf dem Lande, wie es im Richtplan heisst. Wollen wir städtische Verhältnisse wie im Gebiet Zug, Rotkreuz? Wollen wir eine solche Gemeinde, Stadt werden? Das geht mir zu weit. Wir sollten lernen, auch mal Nein zu sagen, sonst verlieren wir bald alles, was dieses Gebiet, dieses Dorf, dieses Tal so lebenswert macht.


"Man will einfach zu hoch hinaus", sagt Beat Meister. Screenshot Geoportal Luzern
"Man will einfach zu hoch hinaus", sagt Beat Meister. Screenshot Geoportal Luzern

Das ist ja nicht nur ein Hochdorfer Thema, oder?

Absolut und so betrachte ich es auch. Der kantonale Richtplan von 2016 wird mit den neu vom Kanton verkündeten Wachstumszahlen bereits überholt und zum Papiertiger, das ist nicht richtig. Dieses enorme Streben nach Wachstum und immer grösseren Bauprojekten auch auf dem Land entspricht nach meinem Dafürhalten nicht dem Leitgedanken des Richtplans. Im Richtplan ist das Seetal eine Nebenentwicklungsachse.


Sie haben auch angekündigt, Nein zum Bushof Ost zu sagen. Warum?

Aus Solidarität zur Firma Gisler AG. Ich finde, man sollte hier gemeinsam eine Lösung finden, zu der wirklich beide Parteien Ja sagen können, was scheinbar zurzeit nicht der Fall ist. Wenn ein Bürger, eine solche Traditionsfirma sagt, das funktioniert nicht, dann kann ich das nicht übergehen.


Eigentlich schliesst sich mit Ihrer Haltung zur Südi der Kreis zu Ihrer

Wachstumsinitiative.

Das kann man schon so sehen. Schon damals ging es mir um ein moderates, verkraftbares Wachstum. Nun spricht man von über 500 Wohnungen und dies in einem einzigen Quartier, daneben wird weitergebaut, zum Beispiel im Hofderer Märt. Man will einfach zu hoch hinaus.


| Interview HochdorfR

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