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Kritischer Journalismus ist positiv – für die Öffentlichkeit

vor 4 Tagen
4 Min. Lesezeit

KOMMENTAR An der Orientierungsversammlung vom 14. September hat der Gemeindepräsident zu Beginn betont, dass es in Hochdorf viel Positives zu berichten gebe. Er erwähnte Vereine, Menschen, die sich engagieren, sprach über eine lebendige Gemeinschaft, Kultur, Gewerbe und Tradition. Er sagte auch, dass er gerne die Anwesenden ermutigen möchte, sich nicht ausschliesslich von negativer Berichterstattung tragen zu lassen, um das wieder mal zu betonen. Nun, grundsätzlich hat er vollkommen recht.


Alles positiv? Eher ein Traumbild als Realität, auch wenn tatsächlich vieles positiv ist. KI Bild
Alles positiv? Eher ein Traumbild als Realität, auch wenn tatsächlich vieles positiv ist. KI Bild

Eine Gemeinde ist nicht die Gemeindeverwaltung, nicht der Gemeinderat, eine Gemeinde ist auch eine Gemeinschaft von Menschen und diese wird durch ehrenamtliches Engagement getragen. Vieles davon sieht man nicht, wenn eine Nachbarin zum Beispiel ihrem kranken Nachbarn eine Suppe bringt, wenn Menschen anderen helfen, sie unterstützen, im Stillen, einfach weil sie das wollen, weil sie so leben. Das sind viele, sehr viele kleine, aber wichtige Leistungen, welche diese Gemeinschaft stützen, erhalten. Und ja, da sind die vielen Vereine, die unermüdlich diese Gemeinschaft mittragen, gestalten, den Menschen eine Heimat geben, integrieren, das Soziale fördern und so auch etwas aktiv gegen die Vereinsamung tun. Vereine die etwas für den Geist sowie auch den Körper bieten und so zur Volksgesundheit beitragen, weil auch das soziale Zusammenleben gesund macht. All dies ist positiv, das stimmt. Übrigens tun diese Menschen dies nicht, weil es einen Gemeinderat gibt, oder eine Verwaltung. Sie tun, was sie tun, so oder so, es ist also keine Leistung der Verwaltung, falls dies jemand denken würde.


Das Missverständnis ist nun, dass HochdorfR auf seiner Homepage einen kritischen Blick verspricht, weil eine Gemeinde mit über 10'200 Einwohnenden dies auch verdient. Zu sehr wird von links bis rechts betont, wie alles toll und grossartig sei, eine andere Sichtweise gibt es nicht, ja, wird sogar aktiv bekämpft, von links bis rechts. Der Gemeinderat könnte sich aber fragen, warum denn so viel berichtet werden kann, kritisch, wenn doch alles so perfekt läuft, reibungs- und fehlerlos? Weil es eben nicht so läuft. Das ist an und für sich kein Problem, denn bei einer so grossen Gemeinde passieren auch Fehler, das geht nicht anders und auch das Grossprojekt Südi kann nicht «perfekt» laufen, so etwas gibt es nicht bei einem Projektmanagement in dieser Grösse. Wenn aber Hinschauen nicht mehr erlaubt sein soll, dann stimmt was Grundsätzliches nicht. Dann wäre es an der Zeit, mal nach innen zu schauen anstatt nach aussen. Rita Süssmuth, ehemalige Deutsche Bundestagspräsidentin, sagte es treffend: «Öffentliche Kontrolle und gegebenenfalls Kritik an Politiker in der Demokratie ist nicht nur berechtigt, sondern unerlässlich.» Ein gutes Beispiel dafür ist der HochdorfR-Artikel über die Brauitreppe, die nicht den Sicherheitsvorgaben und den Normen für die Hindernisfreiheit entspricht. Das war ein positiver Artikel, zumindest für die Öffentlichkeit, die mit diesem Artikel überhaupt davon erfahren hat und HochdorfR hätte darüber nicht berichten können sowie müssen, wenn alles richtig gelaufen wäre. Hinschauen ist der Job der vierten Gewalt und dies ist positiv – für die Öffentlichkeit! Dass Politikerinnen und Politiker das nicht mögen, ist eine uralte Geschichte. Wie man aber in Hochdorf damit umgeht ist, sagen wir es mal schön brav und vorsichtig: speziell.


Genau hinschauen kann sich lohnen, auch für eine Gemeinde. KI Bild
Genau hinschauen kann sich lohnen, auch für eine Gemeinde. KI Bild

In einer Zeit, in der jede Frage in Hochdorf als Kritik ausgelegt, in der Kritik verteufelt wird, in der Diskussionen unterdrückt und viele, welche diese Gemeinschaft auch mittragen, darunter viele Gewerbler aus Hochdorf, nicht beachtet, nicht berücksichtigt werden, in einer solchen Zeit braucht es Medien, braucht es diese vierte Gewalt, die hinschaut. Dass dies nicht allen passt, liegt in der Natur der Sache. Absurd wird es aber, wenn Gemeinderäte Fragen nicht beantworten und so sogar einen positiven Artikel verhindern. Wie gesagt: speziell. Aber vielleicht erinnern sich die Gemeinderäte und die Gemeinderätin mal an die aktuelle Organisationsverordnung der Gemeinde. Dort steht unter Artikel 13: «Recherchierende Medienschaffende sind in ihrer Arbeit zu unterstützen.» Dann können diese vielleicht sogar Positives schreiben. Und wenn es viel Negatives, oder Kritisches zu berichten gibt, liegt das nicht an den Journalisten. Diese sind nur jemandem gegenüber verpflichtet: Der Öffentlichkeit. Und vielleicht kommt ja der Tag, an dem es HochdorfR nicht mehr geben muss, das wäre wirklich toll und begrüssenswert. Zurzeit sieht es so aus, dass dieser Tag nicht bald zu erwarten ist. Zu viele Themen stehen leider noch an.


Übrigens: Über das Positive, also die Vereine, die Helferinnen und Helfer, die Unterstützenden, Organisatoren und mehr, könnte ja der Kommunikationschef der Gemeindeverwaltung berichten und der Gemeinderat könnte noch viel mehr tun als das. Zum Beispiel das viele Geld, welches die Südi-News verschlungen hat, an die Vereine verteilen, oder jedes Jahr eine Hofderer Vereine-News verschicken, in alle Haushalte des Seetals, mit vielen guten Beispielen, oder der Feuerwehr öffentlich für ihren Einsatz beim Brand in Ligschwil danken. Der Rat könnte in dem Gemeindenewsletter eine neue Rubrik einführen sowie einen Ehrenpreis für ehrenamtliches Engagement vergeben, dafür sorgen, dass nicht Basler und Zürcher Büros Aufträge erhalten, sondern Unternehmen in Hochdorf, also das lokale Gewerbe, welches in der Eröffnungsrede der OV erwähnt wurde. Die Gemeinde könnte Kultur finanziell besser unterstützen und damit breiter fördern, endlich die lange versprochene und dringend benötigte Turnhalle bauen und so die Sportvereine wertschätzen, die so viel für die Integration von Menschen leisten. So viel Positives könnte getan werden und dann könnte man auch darüber reden, dafür braucht die Gemeinde die Medien nicht. In der Zwischenzeit machen wir Medienschaffende unseren Job, schauen genau hin, weil das notwendig ist. «Journalismus ist etwas zu veröffentlichen, was andere nicht wollen, dass es veröffentlicht wird. Alles andere ist Propaganda.» (Unbekannt)


| Claudio Brentini, Herausgeber HochdorfR



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