Montessori-Schule muss schliessen
- 20. Mai
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2002 gründeten engagierte Eltern die Genossenschaft Montessori Schule Seetal, seither bot sowohl das Kinderhaus wie auch die Primarschule Kindern eine Möglichkeit, gemäss der Montessori-Pädagogik die Schule zu absolvieren. Nun muss der Betrieb, kaum ein Jahr nach dem Bezug des neuen Standortes am Ziegeleihof, im Sommer eingestellt werden. Grund: Die angespannte, finanzielle Lage.

Nein, einfach sei dieser Schritt definitiv nicht, betont der Präsident der Genossenschaft, Andrea Livio Rosati in einem Gespräch. Er ist erst seit Kurzem in Amt und muss nun die Geschichte der Montessori Schule in Hochdorf abschliessen. «Es ist leider die einzige Option.» In einem Brief an die Genossenschafter betont er, dass sich die finanzielle Lage trotz aller Bemühungen nicht verbessert habe und die erforderlichen Neueintritte nicht erfolgt seien. «Wir haben in den letzten Monaten intensiv nach Lösungen gesucht und müssen ehrlich festhalten: Wir sehen keinen tragfähigen Weg, die Schule im bestehenden Umfang und unter der heutigen Genossenschaft weiterzuführen», so Rosati im erwähnten Schreiben an die Genossenschafter.
Damit geht eine lange Geschichte, die mit dem Montessori-Kinderhaus der Baldeggerschwestern begann, zu Ende. Viele Jahre war die Schule im Pfarreiheim Hochdorf untergebracht, erst während der Fasnachtsferien 2025 wurde der neue Standort am Ziegeleihof bezogen. War dies der berühmte letzte Tropfen? Im Genossenschafts-Brief ist dazu zu lesen: «Der Standort belastet uns mit hohen Kosten.» War der Umzug demnach ein Fehler? Andrea Livio Rosati: «Damals wurde mit der Verwaltung in Absprache mit den Genossenschaftern eine Wachstumsstrategie gewählt und eine solche wäre mit den damaligen Räumlichkeiten nicht umsetzbar gewesen. Interne Entwicklungen, zum Beispiel der Abgang einer langjährigen Schulleiterin, der mehrere Austritte zur Folge hatte, haben diese Strategie zurückgeworfen.» Man müsse heute leider mit der Realität leben, betont der Genossenschaftspräsident. Es ist auch eine harte Realität für jene, die ebenfalls im 2025 weiteres Geld eingebracht und dieses nun wohl abschreiben müssen, so wie auch der Wert der Anteile bei einer Betriebsauflösung gemäss Gesetz und Statuten vollständig erlöschen wird. Viel wichtiger ist aber wohl: Die Kinder verlieren ihre pädagogische Heimat und müssen nun in die Volks- oder in eine andere Privatschule wechseln. In der näheren Umgebung ist die Auswahl an Privatschulen aber gering.

Die Montessori-Privatschule wurde in der Vergangenheit auch von der Gemeinde Hochdorf unterstützt. Auf Anfrage schreibt dazu der zuständige Gemeinderat, Stefan Kaeslin: «Der Gemeinderat hat letztes Jahr entschieden, die jahrelange Unterstützung der Montessorischule einzustellen, da wir der Meinung sind, alle Privatschulen gleich zu behandeln.» Falsch ist in diesem Zusammenhang die Annahme, dass die Gemeinde auch für Schülerinnen und Schüler, welche eine Privatschule besuchen, einen Beitrag vom Kanton erhalte, wie Martina Krieg, Leiterin der Dienststelle Volksschulbildung klarstellt: «Der Kanton bezahlt seinen Beitrag an die Gemeinden ausschliesslich für Lernende, welche die Volksschule in der Gemeinde besuchen. Die Gemeinden erhalten nur einen Pro-Kopf-Beitrag für die Lernenden, die ihre Schule besuchen. Für Lernende der Regelschulung, welche eine Privatschule besuchen, entrichtet der Kanton keinen Pro-Kopf-Beitrag.» Sie hält zudem fest: «Die Gemeinden beteiligen sich im Allgemeinen nicht an den Kosten von Privatschulen, welche von Lernenden ihrer Gemeinde besucht werden. Wenn, dann wäre dies eine freiwillige Leistung der Gemeinde.» Aus Sicht von Andrea Livio Rosati sei es dennoch wichtig, dass es ein Angebot neben der Volksschule gebe. Dabei wehrt er sich aber klar gegen den Ruf, dass eine Privatschule quasi ein Auffangbecken für «Problemfälle» sei. «Die Montessori Pädagogik ist weltweit anerkannt und hat bewiesen, wie gut sie funktioniert. Es geht nicht um Problemfälle, es geht um einen anderen, pädagogisch wertvollen Ansatz.»
«Jedes Bildungsangebot, welches nicht mehr stattfinden kann, aus welchem Grund auch immer, wird der Bildungslandschaft fehlen», betont der für die Bildung zuständige Gemeinderat Stefan Kaeslin. Und er ergänzt: «Die Schule Hochdorf ist bemüht, ein schulisches Angebot für alle Schülerinnen und Schüler zu bieten, das allen gerecht werden kann.» Dies ist sicher der richtige Ansatz, dennoch unterscheidet sich die Montessori-Pädagogik stark von der Methodik und Didaktik einer Volksschule, ohne diesbezüglich werten zu wollen. Die Frage ist also genereller Natur: Sollen die Eltern die Möglichkeit haben, zu entscheiden, wo und wie ihr Kind schulisch ausgebildet wird? Hier gehen naturgemäss die Meinungen auseinander und die Volksschule hat immerhin ihr System immer wieder auch angepasst: Mehr Gruppenarbeiten, mehr Projekte, Basisstufen und mehr. Oder auch das Thema Hausaufgaben, welches zurzeit diskutiert wird. Die Schule möchte diese abschaffen, was Experten schon seit vielen Jahren raten. Eine Änderung, die nicht überall Freude auslöst. Aber wenn Privatschulen die Bildungslandschaft bereichern, muss irgendwann auch das Thema der generellen Pro-Kopf- Finanzierung vom Kanton auf den Tisch, schliesslich profitiert die ganze Gesellschaft von gut ausgebildeten Schülerinnen und Schüler und alle bezahlen Steuern, also auch Eltern, deren Kinder eine Privatschule besuchen. «Das betrifft halt die Politik», so Andrea Livio Rosati. Letztendlich betrifft es aber die Kinder und deren Eltern.

Die gute Nachricht zum Schluss: «Wir planen zurzeit eine neue Schule zu eröffnen, nach den Sommerferien», verkündet Andrea Livio Rosati. Ob diese wieder Montessori heissen werde, sei offen, sicherlich werde man sich weiterhin an deren Pädagogik orientieren, aber auch das Angebot reduzieren. «Es geht um das bereits jetzt sehr gut funktionierende Kinderhaus sowie ein Angebot für die ersten zwei Primarstufen», erklärt Rosati. Der jetzige Standort sei dabei kein Thema mehr, «wir überlegen zurzeit, zurück ins Pfarreiheim zu ziehen. Mit weniger Klassen wäre dies vom Platz her gut möglich.» Eine enge Zusammenarbeit zur Volksschule wäre für Rosati in Zukunft wünschenswert. Diesbezüglich habe er sich über die Kontaktaufnahme durch den Rektor der Schulen Hochdorf sehr gefreut. Das sei ein guter Anfang. Für die Bildungslandschaft wäre ein neues Angebot sicherlich wichtig, sowieso für eine Gemeinde, die mittlerweile Einwohneranzahlmässig eigentlich eine Stadt ist. Eine Unterstützung durch die Gemeinde wäre dabei mehr als hilfreich. Vielleicht bringt die Politik das Thema mit der Neugründung wieder auf den Tisch und hinterfragt das bestehende System. Schliesslich ist und war Montessori noch nie eine Konkurrenz zur Volksschule, sondern eine sinnvolle Ergänzung, von der die Volksschule auch einiges übernommen hat. Und es trägt definitiv zur Standortattraktivität bei, wenn im Gemeindegebiet auch eine Privatschule existiert. Dass Montessori-Schülerinnen und -Schüler gut ausgebildet sind, problemlos in die Oberstufe oder in die Kanti wechseln und dort bestehen können, hat die Montessori-Schule Hochdorf mittlerweile eindeutig bewiesen.
BOX: Bewilligungspflicht Privatschulen und Privatunterricht
Martina Krieg, Leiterin der Dienststelle Volksschulbildung, erklärt: «Privatschulen und Privatunterricht sind im Kanton Luzern bewilligungspflichtig. Die Schulaufsicht der Dienststelle Volksschulbildung prüft, ob die eingereichten Gesuche den kantonalen Bestimmungen entsprechen und bereitet die Bewilligungen zur Genehmigung oder Ablehnung durch den zuständigen Regierungsrat vor. Die Schulaufsicht beaufsichtigt die Privatschulen und kontrolliert, ob die kantonalen Vorgaben eingehalten sind. Bei Missachtung kantonaler Vorgaben kann die Bewilligung entzogen und die Einweisung der Lernenden in eine öffentliche Schule verfügt werden.»
| HochdorfR





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