Das Tischlein bleibt gedeckt
- 1. Mai
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Am 26. Januar 2010 hatte die Nonprofit-Organisation «Tischlein deck dich», welche Lebensmittel an Menschen, die unter dem Existenzminimum leben abgibt, in Hochdorf die 70. Lebensmittel-Abgabestelle eröffnet. Seither engagieren sich Freiwillige jede Woche und bieten einwandfreie Lebensmittel an. Dieses Angebot stand nun kurz vor dem Aus.

Zunächst die gute Nachricht. Ab Juni kann der Verein Selea mit dem "Tischlein deck Dich"-Angebot weiterhin gerettete und einwandfreie Lebensmittel für den symbolischen Beitrag von einem Franken an Bedürftige verteilen. Anspruch auf das Angebot hat, wer am oder unter dem Existenzminimum lebt. Für den Lebensmittelbezug wird eine Karte benötigt, die unter anderem vom Sozialberatungszentrum Hochdorf sowie der Pro Senectute in Emmenbrücke ausgestellt wird und ein Jahr lang gültig ist. In den ersten 15 Jahren wurden so rund 280 Tonnen Lebensmittel gerettet und verteilt, im Wert von rund 1.675 Millionen Franken – und dies allein in Hochdorf. Eine durchwegs gute Sache also, auch weil rund 30 Freiwillige die Lebensmittel einordnen, verteilen und sich ehrenamtlich engagieren, mit vielen Arbeitsstunden, Woche für Woche. 2024 wurde der Verein schliesslich informiert, dass die Abgabestelle beim Hofderer Märt wegen einer neuen Überbauung weichen müsse. "16 Jahre durften wir kostenlos dort die Abgabestelle führen, wir sind der Familie Bachmann sehr dankbar für diese Zeit und die grosszügige Unterstützung." Die Kündigung war aber der Beginn einer wahren Odyssee für den Verein sowie deren Präsidentin, Edith Theiler-Zemp.

"Ich war kurz davor, aufzugeben und mein Amt abzugeben", so Edith Theiler-Zemp rückblickend. Erst vor Kurzem, also diesen März, habe sie ein Telefonanruf der Gemeinde erhalten, dass dem Verein ein Raum in Pfarreiheim der Katholischen Kirchgemeinde zur Verfügung gestellt werde. "Das war eine grosse Erleichterung und wir sind der Kirchgemeinde sehr dankbar." Der Verein habe schnell nach der Kündigung im 2024 mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen, so Theiler-Zemp weiter, "diese war aber der Meinung, das sei Sache der Kirche." Es folgte ein Hin und Her ohne klare Zuständigkeiten. Für einen Raum im Südiareal habe die Gemeinde schliesslich Miete verlangen wollen, "wir haben aber keine Einnahmen. Der Frankenbeitrag der Bezügerinnen und Bezüger geht an die Dachorganisation "Tischlein deck Dich" für die Organisation, die Verteilzentren und mehr. Wir sind also auf eine kostenlose Lösung wie bisher angewiesen." Darum hätten auch andere Angebote von Vermietern nicht berücksichtigt werden können.
Ein Thema für die Gemeinde war, so die Präsidentin des Vereins Selea, dass nicht alle Bezügerinnen und Bezüger aus Hochdorf stammen. "Wenn aber Hochdorf eine Zentrumsgemeinde ist und dies auch immer wieder betont, ist doch klar, dass solche Angebote regional zu verstehen sind." Es gebe durchaus Bezügerinnen und Bezüger aus Hochdorf, zudem wohnen fast alle Ehrenamtlichen, die sich für die Sache engagieren, in Hochdorf. "Es ist ein Hochdorfer Verein, der gemeinnützige Arbeit leistet und viele Menschen, zum Beispiel auch Pensionäre, die darauf angewiesen sind, unterstützt. Da kann man doch nicht Gemeindegrenzen ziehen und Menschen ausschliessen."

HochdorfR wollte von der zuständigen Gemeinderätin wissen, wie die Gemeinde das Engagement der Freiwilligen vom Angebot Tischlein deck Dich in Hochdorf sehe. Die Gemeinderätin Ressort Soziales, Gesundheit, Sicherheit und Sport, Karin Jung-Riedweg, schrieb dazu: "Das Engagement der Freiwilligen vom Angebot Selea / Tischlein deck dich wird geschätzt. Es ist sehr wertvoll, dass das Angebot in Hochdorf weiterhin in Hochdorf bestehen bleibt. Mit dem Verein Selea sind wir während der Raumsuche in gutem Austausch gewesen und haben gemeinsam mit einer weiteren Institution eine sehr gute Raumlösung gefunden."
Mit der Lösung im Pfarreiheim sind Edith Theiler-Zemp und ihre Helferinnen sowie Helfer mehr als zufrieden. Damit können sie weiterhin Menschen unterstützen, die mit diesem Angebot ein Teil Lebensqualität dank Lebensmitteln erhalten. Armut ist schliesslich auch in der Schweiz ein Thema, laut Bundesamt für Statistik ist jede sechste Person armutsgefährdet und Altersarmut ist leider eine wachsende Realität. Demgegenüber stehen gemäss Bundesamt für Umwelt rund 2.8 Millionen Tonnen Lebensmittelverluste, also Lebensmittel, die intakt sind aber im Müll landen. Vermeidbare Verluste also. "Tischlein deck Dich" sammelt so viel wie möglich davon ein, auch dank regionaler Unterstützung von Firmen wie die Bäckerei Koch in Hochdorf, und gibt sie an Bedürftige weiter. Ein wichtiges und sinnvolles Angebot welches jede Unterstützung und Dankbarkeit für das grosse Engagement der Freiwilligen verdient.
| HochdorfR





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