Viel Werbung, keine News und kaum Dialog
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Aktualisiert: vor 4 Tagen
Am Dienstag, 18. August, fand ein viel beachtetes Podium des Vereins Dialog Hofdere zum Thema Südi statt. Dank Flyer in alle Haushalte und der ungewöhnlichen Unterstützung der Gemeinde war der Anlass gut besucht. Versprochen wurden unterschiedliche Perspektiven, der Anlass verkam aber leider zu einer Solodarstellung und reinen Werbeveranstaltung.

Bis zum Beginn der Veranstaltung in der Braui wusste man lediglich, dass Städtebauer Simon Kretz zu Beginn ein Fachinput präsentieren würde und Gemeinderat Reto Anderhub, "Vorsitzender der Projektsteuerung der Entwicklung Südiareal", am Podium teilnehmen würde. Dies wusste man notabene nicht durch eine Info des Veranstalters, also dem Verein Dialog Hofdere, sondern durch eine Newslettermitteilung der Gemeinde Hochdorf, die mächtig Werbung machte für den Anlass, was zumindest Zweifel aufkommen liess über die Unabhängigkeit der Veranstaltung. Immerhin versprach die Gemeinde, nicht der Verein, dass dem Referat "unterschiedliche Perspektiven aus Gemeinde, Gewerbe und Bevölkerung über Chancen, Kritikpunkte, Herausforderungen und offene Fragen rund um die Entwicklung des Südiareals" diskutieren. Wer diese "Kritikpunkte, Herausforderungen und offenen Fragen" im Podium vertreten würde, darüber schwieg die Gemeinde wie auch der Veranstalter, für Podien ein sehr ungewöhnliches Vorgehen. Zumindest durfte man also gespannt sein, ob tatsächlich "unterschiedliche Perspektiven" im Podium vertreten waren.
Das Geheimnis wurde erst nach dem erfrischenden Input von Simon Kretz gelüftet. Dieser erklärte, worum es bei der Abstimmung im September geht, nämlich einem Zwischenschritt und erzählte von vergleichbaren Projekten, zum Beispiel in Oerlikon. Kretz betonte, wie wichtig ein Miteinander sei, ein gemeinsames Lernen, auch der Planung und betonte zum Schluss, das es eine Kultur des Planens brauche. Auf eine Nachfrage des Moderators Raphael Prinz sagte Kretz, dass er nicht der Meinung sei, dass es in Hochdorf ungewöhnlich viele laute Stimmen oder Kritik gebe. "Ich wäre eher skeptisch, wenn niemand sich melden und einbringen würde", betonte er.

Schliesslich präsentierte der Moderator die Podiumsteilnehmenden: Cornelia Steiner, Präsidentin Gwärb Hochdorf; Hanspeter Egli, Vorstand Pro Infirmis und Präsident Seetaltixi; Svenja Bauer, Co-Präsidentin JUSO Luzern und Reto Anderhub, der als Unternehmer in der Kommunikationsbranche sowie Gemeinderat vorgestellt wurde. Warum die kritischen Stimmen nicht im Podium vertreten waren, war denn auch ein Thema während der Diskussion. Hier kann man dem Verein Dialog Hofdere definitiv keinen Vorwurf machen, bemühte sich dieser doch durch viele Anfragen genau darum. Dennoch war zu diesem Zeitpunkt klar, dass diese Podiumsbesetzung kaum kritische Punkte oder gar andere Perspektiven erarbeiten würde, was wirklich schade war. In dem Zusammenhang muss sich der Verein Dialog Hofdere die Frage gefallen lassen, ob ein solches Podium überhaupt Sinn ergab. Schliesslich sprach vor allem der Unternehmer und Gemeinderat, der ja eigentlich eher als Projektleiter der Südi sowie Leiter des Ressorts Finanzen & Wirtschaft hätte vorgestellt werden müssen. Kritische Nachfragen hatte er kaum zu befürchten und auch der Moderator, der sich zwar Mühe gab, hakte kaum nach und bereitete so mit seinen Fragen eine wunderbare Plattform für Reto Anderhub, der unkommentiert sagen konnte, was er wollte.
Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Im Zusammenhang mit der "IG Unser Hochdorf - unsere Zukunft", die übrigens immer nur als "IG" bezeichnet wurde, als ob es nur eine IG in Hochdorf gäbe, wurde Reto Anderhub auf den Vorwurf angesprochen, Rückmeldungen der Mitwirkungen seien nicht ernst genommen worden. Diesen Vorwurf könne er nicht stehen lassen, sagte Reto Anderhub, der dann betonte, dass fünf Jahre lang die Planung immer wieder präsentiert und die Bevölkerung so mit einbezogen worden sei. Was er nicht sagte, weil auch niemand nachfragte, ist, dass bei der letzten Mitwirkung erstmals die umfangreichen Dokumente wie Reglemente, Detailpläne und mehr vorlagen und dass Fachleute erst dann wirklich die Details studieren konnten. Anderhub sagte auch nicht, dass die Gemeinde für das Studium der umfangreichen Dokumente, wie die Gemeinde damals selber zugab, wenig Zeit gab. Er erwähnte auch nicht, dass die "IG Unser Hochdorf - unsere Zukunft" über 90 Seiten eingereicht und keine Antwort darauf erhalten hatte und auch nicht, dass Fachleute an den Rückmeldungen mitgearbeitet hatten. Der Moderator fragte nicht nach und so liess er die Aussage von Reto Anderhub einfach unkommentiert stehen, ohne Zusammenhang. Eine andere Perspektive als jene von Reto Anderhub gab es nicht. Das war kein Dialog, sondern ein Monolog.
Hanspeter Egli und Svenja Bauer brachten vor allem das Anliegen ein, dass im Zusammenhang mit der Südi Junge, Familien sowie Seniorinnen und Senioren nicht vergessen werden dürften. Egli sprach von Inklusion und erklärte, dass damit nicht nur Menschen mit einer Beeinträchtigung, sondern alle Gesellschaftsschichten gemeint seien. Svenja Bauer ihrerseits hoffte, dass Hochdorf attraktiv werde auch für die junge Generation, was Egli unterstützte. Anerhub betonte und wiederholte in diesem Zusammenhang, dass Heterogenität im Projekt ein wichtiger Ansatz sei. Cornelia Steiner brachte sich für das Gwerbe ein, sprach Parkplätze an, brachte Punkte der "IG Unser Hochdorf - unsere Zukunft" ein und erwähnte auch den Einbezug der regionalen Unternehmen sowie Baugenossenschaften ein. Das Publikum seinerseits konnte sich beteiligen und Fragen mittels einer APP einbringen. Diese wurden sortiert und teilweise eingebracht. Die Frage nach dem Einbezug regionaler Unternehmen und Baugenosschenschaften beschäftige einige. Hier redete sich Reto Anderhub erstmals um Kopf und Kragen und widersprach sich auch. Zunächst betonte er, das sei in Bezug auf Baugenossenschaften aus wirtschaftlichen Aspekten kaum möglich, dann erklärte er, dass er als Finanzminister das grösste Interesse habe, dass lokale Unternehmen zum Zuge kämen, weil so die Steuergelder zurückfliessen würden um dann zu behaupten, dass bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand natürlich vor allem der Preis entscheidend sei. Letzteres stimmt nun eindeutig nicht, wie HochdorfR bereits in einem Artikel ausgeführt hat. Damals (siehe Artikel) schrieb die Gemeinde auf Anfrage: "Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen ist nicht ausschliesslich der Preis entscheidend. Gemäss den Bestimmungen der IVöB wird das wirtschaftlich vorteilhafteste Angebot berücksichtigt." Sie verwies dabei auf Zuschlagskriterien wie "Qualität des Angebots, die Vollständigkeit der Unterlagen, die Fachkompetenz, die Terminsicherheit, Nachhaltigkeitsaspekte, partnerschaftliches Verhalten und die Zuverlässigkeit des Anbieters sowie weitere auftragsspezifische Kriterien." Im HochdorfR-Artikel kommt auch René Küchler, Präsident der Vereinigung für das öffentliche Beschaffungswesen zu Wort: "Jetzt geht es nicht mehr bloss um den Preis, sondern auch um Qualität und Nachhaltigkeit." Er meinte damit das neue Beschaffungsrecht für die Ausschreibungen der öffentlichen Hand, welches seit dem 1. Januar 2023 im Kanton Luzern gilt.

Mit dem Ansprechen des Projekts Bushof Ost und der Situation der Firma Gisler AG erreichte der Abend schliesslich einen Tiefpunkt in Sachen respektvoller Dialog. Bereits der Moderator sprach lediglich von "Gisler", also nicht von Herrn Gisler oder der Firma Gisler AG, auch nicht davon, dass eigentlich der Jungunternehmer Manuel Eggenberger die Firma besitzt sowie führt und erlaubte sich zum Einstieg sogar einen Scherz, das Thema sei bis zu ihm nach Kriens gelangt, worüber viele im Publikum und auch Reto Anderhub herzhaft lachen konnten. Dass hier eine Firma um ihre Existenz kämpft, scheint für einige keine Rolle zu spielen. An dieser Stelle konnte Reto Anderhub wieder einmal ausholen, betonen, wie viel die Gemeinde getan hat, dass man vieles für "Gisler" verändert und angepasst habe. Er liess dabei einen Plan einblenden, betonte, dass die reservierte Fläche für die Firma 13 Meter lang sei, obwohl es gemäss Informationen und Pläne nur deren 12 sind und erwähnte, dass mit den anschliessenden Parkplätzen sogar Sattelschlepper vorfahren könnten, was fraglich ist, weil ein Dachvorsprung im Weg steht und die Parkplätze abgewinkelt zur reservierten Fläche stehen. Auch zeigte er nicht, dass gemäss aktuellen Plänen, die der Firma Gisler AG vorliegen, eine Einfahrt für ein Parkhaus bei der LANDI eingeplant wird, was einen Einfluss auf die Anzahl Parkplätze haben kann. Es gab keine Nachfragen des Moderators, Anderhub konnte seine Sichtweise einbringen und als einzige Wahrheit verkaufen, zum Beispiel, dass die Gemeinde Einbussen "zu gunsten Hindernissfreiheit" gemacht habe, eine Behauptung die er nicht erklärte noch belegte. Dass es hier um die Existenz einer Traditionsfirma geht, dass einiges nach wie vor nicht klar ist und die Firma bis heute keine schriftlichen Zusagen erhalten hat, darüber kein Wort. Auch hier galt nur eine Perspektive. Der Moderator hätte zumindest nachfragen können, ja müssen, wie wichtig denn ein solches Tradtionsunternehmen, welches seit 70 Jahren Steuern zahle, regional verankert sei und Arbeitsplätze sichere, für die Gemeinde sei, um einmal auch etwas Positives über die Firma Gisler AG einzubringen. Immerhin brachte Cornelia Steiner ein, dass sich ein Unternehmen auch wehren und anpassen müsste und erklärte dies aufgrund ihrer eigenen, international tätigen Firma und dem Herrn Trump.
Über 50 Fragen wurden durch das Publikum eingereicht, durchaus auch kritische, ein Zweierteam sortierte diese und brachte sie dann zusammenfassend ein. Die Auswahl war natürlich nicht einfach, aber viele kritische Fragen wurden nicht verlesen, so auch nicht die Frage, ob es Sinn mache, wenn der Finanzminister gleichzeitig auch das teuerste Projekt leite. Eine Frage aber brachte das Auswahlkomitee ein und die brachte Reto Anderhub so richtig in Bedrängnis. Bei der Frage nämlich, wie viel das Projekt bisher gekostet hat, bröckelte die Fassade des sonst souverän wirkenden Gemeinderates, ja sie fiel regelrecht in sich zusammen. Anstatt einer klaren Antwort, stammelte er irgendwelche Zahlen und Jahre, brachte keine Zahl zusammen und sagte wörtlich: "Jetzt könnt ihr selber überschlagen, ich bin nicht so gut im rechnen". Das löste Gelächter, Staunen, Verwirrung und mehr aus, denn wenn ein Finanzchef dies sagt, vermittelt dies nicht unbedingt Sicherheit. Auch nicht, dass er als Projektleiter nicht sagen konnte, oder vielleicht auch nicht sagen wollte, wie viel dieses Jahrhundertprojekt bisher gekostet hat und dies so begründete: "Es wäre jetzt nicht professionell, eine Zahl zu nennen." Vielleicht aber wäre genau dies professionell gewesen. Die Zahl, nach der gefragt worden war, würde sich zusammensetzen aus dem Kaufpreis Südi und "Mare", weil das gemäss Gemeinde wegen der Südi gekauft worden war, den angelaufenen und laufenden Kreditzinsen, alle Ausgaben für Events, Personal, Werbung, Planer, Berater usw. und zwar seit dem Kauf. Nach wie vor also kennt niemand diese Zahl, nur Versprechungen, dass die Südi ein finanzieller "Game Changer" sei, wie Anderhub es formulierte. Das kann man aber nicht einordnen, wenn man die laufenden und bisher angehäuften Kosten nicht kennt und man muss an dieser Stelle feststhalten: Der zuständige Projektleiter, Gemeinderat und Finanzchef konnte oder wollte diese Zahl sogar an einem öffentlichen Anlass nicht nennen und eine Nachfrage gab es auch hier nicht.
Fazit:
Ob es Sinn macht, ein Podium so zu veranstalten, diese Frage muss der Verein Dialog Hofdere sich stellen, denn wenn alle Kritiker, die zwar so bezeichnet wurden, aber oft gar keine sind, sondern im Falle der "IG Unser Hochdorf - unsere Zukunft" Fachleute, die Fragen stellten und Ideen einbrachten, nicht am Podium teilnehmen, muss man andere Wege finden, um kritische Fragen oder Anliegen sowie andere Perspektive einzubringen. Das ist nicht gelungen und der Moderator, der andere Perspektiven quasi stellvertretend hätte einbringen können, tat das nicht. Die Frage ist also: Wie viel Neues hat man an diesem Anlass erfahren? Welche anderen Perspektiven hat man kennengelernt? Diese Frage muss das Publikum beantworten. Aus journalistischer Sicht ist die Antwort aber einfach: Nichts und keine! Alles konnte man in den unzähligen Newslettern, Events, Versammlungen und den umfangreichen Südi-News entnehmen, nur der Input von Simon Kretz brachte etwas frischen Wind in die Sache. Es war eine offene Bühne für die Sichtweise der Gemeinde, des Gemeinderates, eine Werbeveranstaltung für das Projekt Südi, für ein JA bei der anstehenden Abstimmung und für die Projektleitung. Und so wurde auch folgende Frage aus dem Publikum nicht beantwortet: "Alle reden von Chancen, was sind die Risiken, insbesondere aus Sicht Steuerzahler?" Eine gute Frage.
| HochdorfR
Offenlegung
Der Autor dieser Zeilen unterstützt die Firma Gisler AG in Kommunikationsfragen. Dies hatte für diesen Artikel den Vorteil, dass er die Aussagen über diese Firma einordnen konnte. Der entsprechende Abschnitt über die Firma Gisler AG gibt das Geschehene sowie Gesagte wieder.





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