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"Wir möchten einfach nur weiterarbeiten"

  • vor 16 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Die Firma Gisler AG war ein wichtiges Thema beim Anlass vom 18. August in der Braui zum Thema Südi. Der zuständige Gemeinderat konnte dabei seine Sicht, wie er betonte «dezidiert» äussern, ohne Gegenfragen. HochdorfR bietet nun Albin Gisler die Möglichkeit, sich dazu zu äussern und hat ihn zur Situation der Firma, aber auch generell zum Thema Südi befragt.


Albin Gisler in den Verkaufsräumen der Gisler AG. Foto cb
Albin Gisler in den Verkaufsräumen der Gisler AG. Foto cb

Albin Gisler, zuerst zur Klärung. Sie sind nicht mehr Inhaber und Geschäftsführer der Firma Gisler AG? Nein, ich habe das Geschäft 2021 an Manuel Eggenberger verkauft. Er hat bei uns die Lehre absolviert und nach einer umfassenden Weiterbildung den Schritt zum Jungunternehmer gewagt. Ich bin aber weiterhin im Verwaltungsrat.


Wie lief es nach der Übergabe? Sehr gut. Die Kredite sind abbezahlt, alles lief perfekt. Dann kam diese Hiobsbotschaft, welche alles auf den Kopf stellte.


Sie meinen den Bushof Ost? Ja. Wir waren völlig überrumpelt. Der Gemeinderat hat uns erst nach der öffentlichen Präsentation in der Braui informiert, das heisst er hat uns ganz einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Was wir für einen Weiterbetrieb benötigten, stand nie zur Diskussion.


Das stellt die Gemeinde anders dar. Und sie betont, sie habe viele Zugeständnisse gemacht. Hat sie das? Wir warten immer noch auf eine schriftliche, rechtlich verbindliche abgesicherte Zusage des Gemeinderats, die unsere Existenz am jetzigen Standort für die Zukunft sicherstellt. Immer wieder werden neue Zahlen und Details genannt. Auf dem Plan steht zum Beispiel 12 Meter für die Anlieferfläche, Reto Anderhub hat am Podium in der Braui 13 Meter genannt. Was letztendlich stimmt, weiss ich nicht.


Aus Ihrer Sicht eh zu klein für Sattelschlepper oder LKWs mit Anhänger, oder? Das haben wir der Gemeinde gesagt und auch Fotos gezeigt. Das hat sie aber nicht interessiert. Nun hat Reto Anderhub am Podium verkündet, die Sattelschlepper könnten zu den reservierten Parkplätzen vorfahren. Diese liegen aber abgewinkelt zur Anlieferfläche und es gibt ein Vordach. Überprüfen können wir das nun nicht, weil wir ja nichts Schriftliches haben, ausser Protokolle und Pläne, die sich wieder ändern und nichts garantieren. Und was passiert während der Bauphase? Sind Anlieferungen dann überhaupt möglich?


Eines der vielen Fotos, welches die Firma Gisler AG der Gemeinde gezeigt hat. Auf dem Bild ist zu sehen, wie viel Platz viele der Fahrzeuge, die Ware anliefern oder abholen, benötigen. Ob der Lastwagen rechts weiter vorfahren kann, wie der zuständige Gemeinderat am Podium behauptet hat, konnte bisher nicht überprüft werden, ist aber wegen dem Vordach und dem Winkel gemäss der FIrma Gisler AG eher zu bezweifeln. Foto Gisler AG zvg
Eines der vielen Fotos, welches die Firma Gisler AG der Gemeinde gezeigt hat. Auf dem Bild ist zu sehen, wie viel Platz viele der Fahrzeuge, die Ware anliefern oder abholen, benötigen. Ob der Lastwagen rechts weiter vorfahren kann, wie der zuständige Gemeinderat am Podium behauptet hat, konnte bisher nicht überprüft werden, ist aber wegen dem Vordach und dem Winkel gemäss der FIrma Gisler AG eher zu bezweifeln. Foto Gisler AG zvg

Die Gemeinde hat in letzter Zeit das Thema oft an die Öffentlichkeit getragen. Ärgert Sie das? Wir haben weder die finanziellen Mittel noch die Zeit, um gegen diese gigantische Werbelawine des Gemeinderats etwas auszurichten. Es ist uns nicht möglich, jeder Behauptung zu widersprechen die nicht den Fakten entspricht. Ich will nicht daran denken, dass ich die ganze Südiareal- und Bushof-Ost Kampagne mit meinen Steuern mitfinanziere.

 

Sie könnten sich aber dennoch weiterhin wehren. Wer sich für seine Interessen wehrt und in Opposition zum Gemeinderat steht, wird dafür umgehend bestraft. In unserem Fall wurden die neuen Schliess-Systeme im Schulhaus Zentral und im Feuerwehrlokal an auswärtige Unternehmen vergeben, obwohl die Preisdifferenz minimal war. Vor ein paar Jahren hat man in einem solchen Fall miteinander geredet, heute bekommt man einfach eine Absage. Auf die Frage nach den Gründen des Entscheids beziffert Kurt Zermp lapidar, wie viele Aufträge wir in den letzten sechs Jahren von der Gemeinde erhalten hätten, ohne eine weitere Begründung. Am Podium in der Braui sagte dann der Finanzminister, es sei die beste Lösung lokale Unternehmen zu berücksichtigen, weil dann wieder Steuergelder zurückfliessen würden. Sagen kann er viel, danach handeln wäre um einiges glaubwürdiger.

Wie sieht es nun eigentlich beim Thema Parkplätze aus? In einem Leserbrief stand, dass nicht jedes Geschäft Anrecht auf einen Parkplatz vor der Ladentüre habe. Der Verfasser verkennt dabei die Tatsache, dass bei unserer Petition vom August 2025 von den 2'350 Unterschriften 70 Prozent aus der Region stammten. Diese Menschen aus Hohenrain, Ballwil, Eschenbach Abtwil, Hitzkirch, Gelfingen Römerswil usw. kommen nicht mit dem Velo nach Hochdorf, um ihre Einkäufe zu machen oder zum Zahnarzt zu gehen. Und wenn Hochdorf mehr als ein Zentrum sein will, braucht es Parkplätze und zwar im Zentrum. Denn ohne Regionalität kann in Hochdorf keine Firma überleben.

Und es geht ja auch um Menschen, welche auf das Auto angewiesen sind. Für mich persönlich ein sehr wichtiger Aspekt. Es geht nicht nur um den Einkauf bei uns, sondern generell Menschen Mobilität zu ermöglichen und dazu benötigt man eben auch Parkplätze. Nicht alle Seniorinnen und Senioren können sich mit dem Velo durch den Verkehr schlängeln und manchmal ist der Weg vom Rosenhügel oder Junkerstrasse ins Zentrum zu Fuss einfach zu beschwerlich, weil die Arthrose im Knie schmerzt. Das Auto ist nun mal wichtig für die Mobilität, für die Inklusion und eine selbstbestimmte Lebensweise älterer Menschen.


Die aktuelle Situation an der Bahnhofstrasse. Foto cb
Die aktuelle Situation an der Bahnhofstrasse. Foto cb

Was bedeutet dies für das jetzige Zentrum, für das Unterdorf, wenn der Coop in die Südi zieht? Reto Anderhub verkündete den Umzug von Coop ins Südiareal. Für ihn mag das eine Erfolgsmeldung sein, die aber schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen wird. Viele Hochdorferinnen und Hochdorfer verlieren die Möglichkeit ihre täglichen Einkäufe in Gehdistanz zu machen. Das betrifft auch ältere Menschen und solche mit einer Beeinträchtigung, die auf nahe Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sind. Und wer künftig mit dem Velo im Coop einkaufen möchte, muss über den Kreisel fahren, der auch ohne Realisierung des Südi-Areals stark befahren ist. Zusätzlich bedroht der Wegzug von Coop auch die Existenz der Geschäfte im Unterdorf massiv. So werden bestehende und bewährte Strukturen im bestehenden Zentrum rücksichtslos zerstört. Ob das im Sinne der Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist, wage ich zu bezweifeln.

Und Coop erhält seine Parkplätze, auch in der Südi. Für Coop wird der rote Teppich ausgerollt. Genügend Parkplätze werden realisiert, während man dieselben für die bestehenden Geschäfte im Zentrum vernichtet, siehe Brauiplatz, Lunapark und Parkebene Post. So schneidet der Gemeinderat den noch bestehenden Geschäften die Luft ab. Dabei ist die Südi nur ein Quartier am Rande von Hochdorf, mehr nicht. Jetzt tut man alles für Menschen, die dort vielleicht irgendwann wohnen und vergisst jene, die bereits hier wohnen und das alles mitfinanzieren. Das ist ganz einfach nicht zu verantworten.

Ende September stehen wichtige Abstimmungen an. Wie wird es aus Ihrer Sicht laufen und weitergehen? Ich bezweifle, dass im September die Vorlagen betreffend Südiareal und Sonderkredit Bushof Ost abgelehnt werden. Zu massiv ist die Beeinflussung durch den Gemeinderat. Dieser beschwört ein finanzielles Desaster bei einer allfälligen Ablehnung der Vorlagen, weigert sich jedoch die bisherigen Kosten des Projekts offenzulegen. Wahrscheinlich ist bis jetzt schon viel zu viel Geld nach Zürich, Basel und Bern geflossen. Aber wenn es um die Südi geht, sind Kosten egal. Die „Südi News“, die an alle Haushalte im Seetal verteilt wurden, zeigen dies deutlich. Dem Projektverantwortlichen kann das egal sein, denn letztlich bezahlen wir Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sowieso die Zeche.


| HochdorfR

 

Offenlegung: Der Herausgeber von HochdorfR unterstützt die Firma Gisler AG in Kommunikationsfragen. Deswegen wurde für diesen Artikel die Interviewform gewählt. Die Antworten hat Albin Gisler formuliert, gegengelesen und auch redigiert. HochdorfR hat nur die Fragen formuliert und sonst alle Antworten wörtlich übernommen. Interviews wurden in der Vergangenheit auch Parteien sowie einzelnen Gemeinderäten angeboten. Die meisten haben dieses Angebot bisher abgelehnt. HochdorfR wird es dennoch weiter versuchen. Bei einem Interview haben die Personen, die befragt werden, das Recht, das Interview gegenzulesen sowie zu redigieren. Sie haben damit die absolute Kontrolle über ihren eigenen Text.

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