"Es gibt Wichtigeres, als staubfreie Autos"
- 12. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Aug.
Verschwendet die Gemeinde Wasser, während sie von der Bevölkerung erwartet, den Wasserverbrauch einzuschränken? Sogar der BLICK hat nachgefragt. Zeit also, den zuständigen Gemeinderat Mario Bucher direkt zu fragen.

Mario Bucher, wie sieht die Situation mit dem Grundwasser aktuell aus? Müssen bald Verbote ausgesprochen werden? Wir stehen im ständigen Austausch mit dem Wasserversorger WWZ und die sagen, der Grundwasserspiegel sei zurzeit stabil. Sorgen bereitet uns aber, wenn ein regenarmer Herbst und ein milder Winter ohne Schnee oder Niederschläge folgt. Das könnte dann nächstes Jahr sich äusserst negativ auswirken.
Zurzeit hat die Gemeinde, wie viele andere auch, Empfehlungen für einen sorgsamen Umgang mit Wasser herausgegeben. Hat das Wirkung gezeigt? Nur minimal, aber jeder gesparter Liter lohnt sich, da wir ja nicht wissen, wie lange diese Trockenphase noch andauert. Es ist aber leider so, dass nach wie vor Autos gewaschen und Pools gefüllt oder auch Pflanzen getränkt werden, die das eigentlich nicht nötig hätten.
Wie zum Beispiel Lorbeer-Hecken und Räsen? Ja genau. Natürlich wünscht man sich grüne Rasenflächen, aber der Rasen erholt sich meist wieder.
A propos Rasen. Viele stören sich daran, dass der Fussballrasen in der Arena ziemlich exzessiv getränkt wird. Ist das nötig? Zunächst muss man sich bewusst sein, dass ein Sportrasen vollkommen anders aufgebaut ist als ein normaler Hausrasen. Der Arenarasen wurde erst kürzlich für viel Geld neu aufgebaut. Wenn wir diesen nun eingehen lassen, wird das die Steuerzahler wieder viel Geld kosten und das kann kaum sinnvoll sein, daher wird dieser nun bewässert. Aber auch hier schauen wir, dass wir nur das Notwendige tun. Der Sportplatz bei der Badi Baldegg wird zum Beispiel nur noch zwei Mal pro Woche bewässert und weist nun auch einige kahle sowie braune Stellen auf. Laut Experten wird sich das aber wieder geben bei Regen. Zudem sind die Sportrasenplätze gesperrt, um den Rasen zusätzlich zu schonen.

Dennoch sind einige der Meinung, dass die Gemeinde zurzeit Wasser verschwendet. Tut sie das? Das kann ich klar mit Nein beantworten und dazu stehe ich voll und ganz. Wir schauen genau hin, was, wie oft gewässert werden muss und befassen uns mit diesem Thema. Bei uns arbeiten einige Gärtner, die nun mitansehen müssen, wie Pflanzen auch eingehen, was für sie nicht ganz einfach ist. Aber es geht uns wohl allen so.
Die Gemeinde empfiehlt, frühmorgens oder abends zu wässern. Das tut sie selber aber nicht. Das ist in der Tat etwas, das wir nächstes Jahr verbessern müssen. Dennoch kann ich nicht von den Mitarbeitenden verlangen, immer abends zu arbeiten. Mit neuen Plänen aber können wir hier in Zukunft die Bewässerungszeiten optimieren.

Das Thema beschäftigt viele, wie auch ein BLICK-Artikel, in dem Hochdorf erwähnt worden ist, aufzeigte. Melden sich zurzeit viele Einwohnerinnen und Einwohner? Jeden Tag Dutzende. Die meisten melden Nachbarn, die wässern. Was mich erstaunt, ist, dass diese Personen nicht mit ihren Nachbarn ins Gespräch kommen, sondern erwarten, dass wir aktiv werden. Wir haben aber nur Empfehlungen ausgesprochen, es wäre also gut, wenn man auch über dieses Thema sich einfach austauschen würde. Denn für Jungpflanzen macht es natürlich schon Sinn, diese zu wässern.
Ein Blick auf die Waschanlagen in Hochdorf zeigt aber, dass immer noch fleissig Autos gewaschen werden. Das sind natürlich industrielle Betriebe, daran hängen auch Arbeitsplätze. Aber es ist schon so, dass es Wichtigeres gibt also staubfreie Autos zurzeit. Jeder Liter zählt, könnte man sagen.


Wie steht es mit dem Thema Regenwasser? Das könnte man ja nutzen, um Pflanzen zu giessen. Ein wichtiges Thema, definitiv. Wir nutzen das Regenwasser, welches bei der Braui gesammelt wird, aber es gibt noch viel Potential. Zurzeit wird das Regenwasser zum Teil auch direkt in die Kanalisation geleitet, was wirklich unsinnig ist. In Zukunft muss das getrennt werden und auch im Boden versickern können, um den Grundwasserspiegel zu stabilisieren.
Die Gemeinde hat eine Zeit lang die Anschaffung von Wassertanks gefördert. Gingen viele Anfragen ein? Keine einzige. Darum haben wir das aus dem Programm genommen, werden es aber wieder aufnehmen, weil Wassertanks, die Regenwasser sammeln, für Privatgärten immer wichtiger und auch nützlicher werden.
Wie steht es eigentlich mit der Badi Baldegg? Also bezüglich Rasen und dem Pool? Der Pool ist definitiv ein Thema. Das Gesetz schreibt vor, wie viel Wasser pro Eintritt umgesetzt werden muss, um die hygienischen Vorgaben einhalten zu können. Wird die Trockenphase anhalten, kann der Pool klar zu einem Thema werden, obwohl man auch für die Schule darauf angewiesen ist. Beim Rasen ist es so, dass wir diesen zwei Mal pro Woche tränken.
Mit Seewasser? Das würden wir gerne, aber der Kanton hat uns das verboten. Seit Juni dürfen wir leider kein Seewasser mehr verwenden. Aus ökologischen und Naturschutzgründen.

Ihr Fazit zum Thema Wasserverwendung oder Wasserverschwendung? Das Thema geht uns alle an, eigentlich immer, nicht nur während Trockenphasen. Die Lage ist angespannt, daher müssen wir alle auf einen sinnvollen Umgang mit Trinkwasser achten. Als Gemeinde überprüfen wir laufend, was wir beitragen und wie wir Wasser einsparen können, müssen aber auch auf den Kosten-Nutzen schauen, solange dies überhaupt möglich ist. Und wenn man jemanden sieht, der intensiv wässert oder aus eigener Sicht zu viel wässert, wäre ein Gespräch sinnvoll. Gewisse Pflanzen benötigen nun mal Wasser, andere nicht und vielleicht ist das für die Zukunft ein wichtiger Ansatz.
Nämlich? Das man für Privat- und öffentliche Gärten Pflanzen aussucht, die mit Hitze und Trockenheit klarkommen und keine zusätzliche Bewässerung benötigen. Das wäre ein kleiner, aber sicherlich wichtiger Schritt für die längerfristige Zukunft.
| HochdorfR





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