In eigener Sache: Ausreden auf Kosten der Steuerzahler
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Am 29. April hat der Berufsverband der Journalisten zum ersten Mal bei der Gemeinde Hochdorf nachgefragt, warum diese Fragen von HochdorfR nicht beantwortet. Zunächst hiess es, der Umfang und die Frequenz der Anfragen von HochdorfR würde deutlich darüber hinausgehen, "was im Rahmen üblicher und verhältnismässiger Medienanfragen zu erwarten ist." Dann schrieb die Gemeinde: "Wie wir Herrn Brentini bereits mitgeteilt haben, prüfen wir derzeit mit externer Unterstützung, wie wir mit den umfangreichen Fragenkatalogen umgehen wollen."

Konkret sahen bis zum 6. Mai 2026 die Anfragen von HochdorfR folgendermassen aus:
Eine Anfrage bezüglich Schulhausprovisorium am 10.4. Dazu schrieb die Gemeinde zuerst am14.4.: "Die Antworten werden von den zuständigen Gemeinderäten Mario Bucher und Stefan Kaeslin aufbereitet." Dann am 15.4. zur gleichen Anfrage: "Die Gemeinde Hochdorf erteilt keine umfassenden inhaltlichen Auskünfte zur direkten Verwendung in privaten externen Publikationen."
Am 17.4. wurde Reto Anderhub bezüglich dem Mare angeschrieben.
Am 24.4. wurde Mario Bucher bezüglich Kompost angeschrieben.
Am 24.4. wurde Karin Jung-Riedeweg bezüglich Tischlein Deck Dich angeschrieben.
Am 27.4. wurde Reto Anderhub bezüglich der neuen Parkplätze angeschrieben.
Am 30.4. wurde Mario Bucher bezüglich der geplanten 20er-Zone angeschrieben.
Am 1. Mai Thomas Bühlmann bezüglich der neuen Padelhalle.
Heisst zusammengefasst: Zwei Mails an Thomas Bühlmann / zwei Mails an Reto Anderhub / zwei Mails an Mario Bucher und eine Mail an Karin Jung Riedweg – und dies innerhalb von 15 Arbeitstagen – gemäss Gemeinderat eine regelrechte Bombardierung.
Dann aber war plötzlich nicht mehr die Menge an Anfagen das Thema, sondern die Person hinter HochdorfR. Die Gemeinde schrieb dem Berufsverband der Journalisten: "Bis wir die rechtliche Situation sowie unsere Haltung abschliessend geklärt haben, werden wir keine weiteren Fragen von Herrn Brentini beantworten. Wie Sie dem bisherigen Schriftverkehr entnehmen können, betrifft die Prüfung zudem die Klärung der Rolle von Herrn Brentini als Interessenvertreter Dritter." Wer dies klärt und wie genau, keine Angaben. Für die Presse ist nämlich der Presserat zuständig. Auch keine Angaben, ob der Beschuldigte angehört wird. Die Gemeinde spielt sich als Gericht, Ankläger und Henker auf.
Am 7. Mai schrieb dann der Gemeindeschreiber: "Wie erwähnt werden wir unsere Praxis im Umgang mit Anfragen in Konstellationen, in denen unterschiedliche Rollen und Interessenlagen zusammentreffen, überprüfen lassen. Ziel ist es, eine klare, rechtlich abgestützte und für alle gleichermassen nachvollziehbare Kommunikationspraxis festzulegen. Entsprechende rechtliche Abklärungen sind im Gange. Sobald diese vorliegen, melden wir uns." Interessant in dem Zusammenhang: Der Luzerner Zeitung gab die Gemeinde innerhalb eines Tages Antwort, so viel zum Thema "für alle gleichermassen nachvollziehbare Kommunikationspraxis."
Der Berufsverband verlangte dann von der Gemeinde, die sogenannten Interessenvertretung zu belegen sowie ein Datum zu nennen, bis wann die rechtlichen Abklärungen dauern. Zur Erinnerung: Diese wurde erstmals am 6. Mai 2026 erwähnt, dauern also schon einen Monat.
Die vorläufig letzte Antwort der Gemeinde vom 1. Juni 2026 an den Berufsverband: "Wir haben rechtliche Abklärungen (extern) in Auftrag gegeben. Sobald wir diese Rückmeldung haben, melden wir uns unverzüglich. Wir möchten die Angelegenheit ebenfalls raschmöglichst klären." Dies obwohl der Berufsverband klargestellt hat: "Gleichzeitig darf einem Journalisten seitens der Gemeinde kein Informationsboykott auferlegt werden. Ein solches Vorgehen stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Informationsfreiheit dar."
Übrigens hat die Gemeinde zudem ein Gesprächsangebot seitens HochdorfR abgelehnt, so viel zum Dialog, und Reto Anderhub hat das Angebot, ein Interview zu geben zum Thema Südi, ebenfalls abgelehnt.
HochdorfR hat nicht die Gemeinde bombardiert, sondern immer sauber und korrekt allen Beteiligten die Chance gegeben, sich zu äussern. Da die Gemeinde weder ein Datum nennt, noch das Vorgehen erklärt, noch die Beschuldigte Person anhört, muss HochdorfR ab sofort die Gemeinde, sprich die Gemeinderäte sowie die Gemeinderätin nicht mehr mit einbeziehen. In der nächsten Zeit werden also mehrere brisante Artikel erscheinen, ohne dass die Gemeinde angefragt wird für eine Stellungnahme, was eigentlich nicht der Haltung von HochdorfR entspricht. Die Gemeinde verpasst die Chance, glaubwürdig zu argumentieren. Ob dies einer guten Kommunikationsstrategie entspricht, muss stark angezweifelt werden. Die Gemeinde hat aber wie schon erwähnt am 1. Juni 2026 klargestellt: "Wir haben rechtliche Abklärungen (extern) in Auftrag gegeben. Sobald wir diese Rückmeldung haben, melden wir uns unverzüglich. Wir möchten die Angelegenheit ebenfalls raschmöglichst klären."
Wir dürfen also gespannt sein, wer was und wie rechtlich abgeklärt hat und wie die Begründung der Gemeinde ausfallen wird, einen ausgewiesenen Journalisten zu boykottieren. Es ist ein Trauerspiel. Mit viel weniger Aufwand hätte man alle Fragen beantworten können. Lieber aber verursacht man Kosten für externe rechtliche Abklärungen. Aber auch hier: Die Gemeinderäte müssen das halt nicht bezahlen. Eine unnötige, rechtliche Abklärung, die Kosten erzeugt, spielt also keine Rolle. Zumindest für diesen Gemeinderat nicht. Ein Punkt unterschätzt dieser Rat aber: Die Beachtung dieser Onlineplattform. Die Zahlen der Besucherinnen und Besucher von HochdorfR übertrifft alle Erwartungen. Damit wächst die Sichtbarkeit von HochdorfR. Irgendwann wird auch diese Gemeinde das nicht mehr ignorieren können. So geht vierte Gewalt.
Claudio Brentini | HochdorfR





Kommentare