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Kommentar: Gemeinde boykottiert HochdorfR

  • 6. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Die Gemeinderäte betonen gerne und auch gerne öffentlich, wie dialogbereit sie doch sind und Fragen willkommen seien. Nicht aber Fragen, die hinterfragen, die nachboren, die hinter eine Fassade schauen, die man aufrechterhalten möchte, wie jene also, von dieser Plattform. Nein, jounalistische Fragen sind nicht willkommen, obwohl diese zurzeit leider besonders nötig sind, wie sich zeigt.



Zwei Mails hat HochdorfR an zwei Gemeinderäte gesandt, mit mehreren Tagen Zeit diese zu beantworten. Die Frist lief am Mittwoch 6. Mai, 12 Uhr ab, ohne Antworten. Zwar schrieb der Gemeindeschreiber rund zwei Stunden vor Ablauf der Frist: "Zu deinen Anfragen werden wir zu gegebener Zeit, im dafür vorgesehenen Kontext und in koordinierter Form Stellung nehmen." Was aber eine "gegebene Zeit" ist, darüber steht nichts in der Antwort. Die Gemeinde werde zudem, so der Gemeindeschreiber weiter, "ihre Praxis im Umgang mit Anfragen in Konstellationen, in denen unterschiedliche Rollen und Interessenlagen zusammentreffen, überprüfen lassen. Ziel ist es, eine klare, rechtlich abgestützte und für alle gleichermassen nachvollziehbare Kommunikationspraxis festzulegen. Entsprechende rechtliche Abklärungen sind im Gange." Erstaunlicherweise gilt dies aber nur für HochdorfR und nicht, wie die Gemeinde schreibt, "für alle". Die Luzerner Zeitung hat nämlich innerhalb eines Tages Antwort vom zuständigen Gemeinderat erhalten, zu einem Thema, welches HochdorfR eingebracht und dazu keine Antwort erhalten hat notabene. Damit wäre bewiesen: Die Gemeinde boykottiert HochdorfR.


Dialogbereitschaft sieht anders aus und keine Antworten sind auch Antworten, oder zumindest Informationen, zum Beispiel über den Kommunikationsstil der Verantwortlichen und deren Haltung gegenüber kritischen Fragen. Es ist ein Armutszeugnis, anders kann man dies nicht bezeichnen. Denn wenn eine Gemeinde nichts zu verstecken hat, wird sie auch offen und ehrlich antworten, antworten können und auch wollen. Was also bedeutet es, wenn sie nicht antwortet? Honi soit, qui mal y pense.


Damit das klar ist: "Die Verantwortlichkeit der Journalistinnen und Journalisten gegenüber der Öffentlichkeit hat den Vorrang vor jeder anderen, insbesondere vor ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihren Arbeitgebern und gegenüber staatlichen Organen." So steht es im Dokument "Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten" des Schweizer Presserates. Diese Gemeinde tritt die Pressefreiheit und das Recht auf Antworten mit Füssen und betreibt, man kann es nicht anders sagen, Zensur. HochdorfR bleibt also nichts anderes übrig, als alle Fragen, die gestellt wurden aufzuführen und euch liebe Leserinnen und Leser aufzufordern, diese Fragen per Mail selber zu stellen. Mal schauen, was dann geschieht.


In der Zwischenzeit wird HochdorfR weiter berichten. Einseitig, weil die Gemeinde den Dialog verweigert und damit beweist, wie viel all ihre Aussagen im Hochdorfer Mail und an OV's wirklich wert sind. Trotz Boykott wird HochdorfR bei jedem Thema die Gemeinde, falls diese betroffen ist, dennoch immer kontaktieren und Fragen stellen und ihr damit die Möglichkeit geben, Stellung zu beziehen, also genau das, was der Schweizer Presserat empfiehlt. Kein Boykott also von dieser Seite.


Dennoch: Die Strategie, HochdorfR mundtot zu machen, könnte tatsächlich aufgehen. Schliesslich machen so Artikel meist wenig Sinn, und die Öffentlichkeit informieren ist auch für HochdorfR das wichtigste Anliegen. Die vierte Gewalt ist nicht tot, obwohl viele sich genau dies wünschen, aber die vierte Gewalt braucht professionelle Gegenspieler, die nicht einfach schweigen und sich damit verstecken. Das Recht auf Informationen und die Pflicht gegenüber der Öffentlichkeit sind klar auf Seiten der Journalisten. Diese Pflicht beinhaltet aber eben solide, gut recherchierte Informationen. In diesem Fall schweigt die Gemeinde einfach. Aber langfristig macht HochdorfR so keinen Sinn, auch wenn transparent alle Fragen aufgeführt werden. Es ist zwar also eine fragwürdige Strategie, aber sie könnte wie gesagt aufgehen. Immerhin würde bei einem Aus dieser Plattform mangels Antworten der Gemeinde zweierlei geschehen: Einerseits würde HochdorfR sämtliche Themen, die noch offen sind, auflisten, und das sind einige, in der Hoffnung, andere Medien übernehmen. Andererseits müssten die gewählten Volksvertreter nie mehr über Dialogbereitschaft reden. Was wirklich damit gemeint ist, wäre spätestens dann allen klar.


Claudio Brentini

Herausgeber HochdorfR


PS: Ich habe 10 Jahre beim Seetaler Bote gearbeitet. In der Zeit wurden auch heikle Themen besprochen, wie die Scherermatte. Einen solchen Umgang habe ich in 10 Jahren nie erlebt. Damals aber waren andere Gemeinderäte im Amt. Es gab nie eine Frage, die nicht beantwortet wurde. In 10 Jahren nicht.

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