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Kommentar: Konkurrenz für das Zentrum

  • 11. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Der 9. Mai war ein Tag mit einer sicherlich nicht gewollten Symbolik. Im Zentrum, also im Lunapark, unmittelbar hinter dem Brauiplatz, der für viel Geld umgebaut und zu einem neuen Treffpunkt werden soll, fand der reduzierte, aber doch beliebte Frühlingsmarkt statt. Reduziert deshalb, weil viele sich noch erinnern, dass für diesen Markt wie im Herbst die Hauptstrasse gesperrt wurde. Heute ist es eher ein Mini-Markt, dennoch ein Treffpunkt, auch um sich zu verpflegen. Gleichzeit fand in der Südi das, wie es die Gemeinde bezeichnet hat, Eröffnungsevent Südiareal, statt. Ausgerechnet am selben Datum. Eine zumindest interessante Wahl. Wollte die Gemeinde damit ein Zeichen setzen, wo in Zukunft das Zentrum sein soll?



Die Südi ist ein Dauerthema in der Gemeinde. Wie viel Geld bereits ausgegeben wurde, weiss ausser den Verantwortlichen niemand. Eines ist sicher: Viel Geld floss und fliesst in dieses Projekt, viele Anstellungsprozente werden dafür eingesetzt und auch die Zwischennutzungen werden nur einen Tropfen auf dem heissen Stein sein. Ausgerechnet also dann, wann im Zentrum, im Lunapark, der Markt stattfindet, muss die Gemeinde ein Eröffnungsfest in der Südi anbieten und so den Markt direkt konkurrenzieren. Sie hat damit ein Zeichen gesetzt, was wichtiger ist.


Entscheidend ist aber, die Südi ist ein Quartier, mehr nicht. Dieser Meinung ist, oder zumindest war, auch der zuständige Gemeinderat Reto Anderhub, welcher die Südi in einem Medienartikel ebenfalls als Quartier bezeichnet hat. Die Südi ist also nicht eine neue Gemeinde, es entsteht kein neues Zentrum, es ist nur ein Quartier, eines von vielen. Und auch wenn man es als Jahrhundertprojekt bezeichnet, die Geschichte von Hochdorf hat schon mehr erlebt und gesehen: Theatersäle, Kinos, ein Casino, imposante Bauten, eine florierende Wirtschaft, Milch- und Schokoladenverarbeiter, eine Hochblüte, die mittlerweile vergangen und verblasst ist. Die Spuren sieht man aber überall, in der Architektur, auf alten Fotos. Die Südi ist dabei in der Tat ein Stück bewegte Geschichte, heute aber höchstens ein Industriedenkmal, eine Hülle. Aber, und das ist entscheidend, viel bebaubares Land, welches Hochdorf massiv verändern wird.



Die Frage ist nur: Was geschieht eigentlich mit dem Rest der Gemeinde? Mit der Infrastruktur, mit dringend benötigten Projekten wie Turnhallen, mit sanierungsbedürftigen Häusern, welche der Gemeinde gehören? Und was geschieht mit dem eigentlichen Zentrum, das ja zurzeit mit dem Brauiplatz umgebaut wird? Im März 2024 schrieb die Gemeinde: "Mit dem Ziel, aus dem Brauiplatz einen attraktiven Aufenthaltsraum und neuen Lieblingsort im historischen Zentrum Hochdorfs zu schaffen, sind jetzt Pläne zur Umgestaltung des Platzes entstanden." Der Brauiplatz soll also ein neuer Lieblingsort werden, im historischen Zentrum. Es wird also zukünftig ein "historisches" Zentrum geben und wohl ein neues in der Südi, denn dort wird "das Hochdorf von morgen geplant", wie die Gemeinde in der selben Mitteilung auf ihrer Homepage schreibt. Interessant dabei ist auch, was man weiter in dieser Mitteilung lesen kann: Die Pläne zum neuen Brauiplatz "stammen von Anja Bandorf, BNP Landschaftsarchitekten aus Zürich", koordiniert durch Silvia Bucher, PL Raum & Mobilität und Projektkoordinatorin Entwicklung Südiareal, und in Zusammenarbeit mit Kulturzentrum und Werkdienst. Sogar hier redet das Süditeam also mit, wie beim Bushof Ost, der definitiv nicht auf dem Südigelände stehen wird und vom Thema her zu einem anderen Ressort gehört.


Klar ist, die Bevölkerung hat Ja gesagt zum Kauf der Südi, deutlich, das ist Fakt. Klar ist aber auch, es gibt nicht nur die Südi und die Gemeinde täte gut daran, den Rest nicht zu vergessen. Parkplätze sind nicht ein Südithema, sondern eines der ganzen Gemeinde, ebenso öffentlicher Verkehr und mehr. Die Südiverantwortlichen sollen sich auf die Südi konzentrieren und den Rest dem jeweiligen Ressort überlassen, denn es darf nicht sein, dass die Südi nun nun alles dominiert und beeinflusst. Wie gesagt: Es ist nur ein neues Quartier innerhalb einer bestehenden Gemeinde.



So gesehen war das zumindest sehr ungeschickt, den Markt im "historischen" Zentrum mit einem Eröffnungsanlass Südi zu konkurrenzieren, wobei dort überhaupt nicht klar war, was da genau eröffnet wurde. Das Zentrum indes gibt es noch, wird zurzeit sogar umgebaut, auch gibt es noch Geschäfte an der Hauptstrasse, noch und im besagten und verlinkten Meidenartikel kann man nachlesen: ""«Wir müssen in die Qualität des Zentrums investieren», zeigt sich Gemeinderat Reto Anderhub, der für die kommunalen Liegenschaften im Finanzvermögen zuständig ist, überzeugt." (Seetaler Bote vom 25.10.2024).


Es ist gut, sich auf die Südi zu konzentrieren, aber nicht nur. Wir leben nämlich in der Gegenwart und in der gibt es noch kein neues Südiquartier, keine neue Bauten, welche die Gemeinde sogar selber bauen möchte, keine Hoch- oder Wohnhäuser und auch kein Parkhaus. Das Morgen wird kommen, klar, wird aber in der Gegenwart ermöglicht von Menschen und Organisationen, die auch in der Vergangenheit schon sehr viel für diese Gemeinde geleistet haben, wie zum Beispiel die Baugenossenschaften. Das sollte die Gemeinde vielleicht nicht vergessen und das regionale Gewerbe unterstützen, auch, oder vor allem, wenn es um die Südi geht.


Claudio Brentini | Herausgeber HochdorfR



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