Vive la Pétanque – ein Spiel erobert (auch) Hochdorf
- 17. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Pétanque, das Spiel mit den Stahlkugeln, hat in den vergangenen Jahren einen wahren Siegeszug durch die Schweiz und somit auch durch das Seetal angetreten. Immer mehr Begeisterte jagen das Schweinchen, so nennt man die kleine Zielkugel aus Holz. Viele Gemeinden haben darum reagiert und eine Bahn gebaut. In Hochdorf setzt man auf den umgestalteten Brauiplatz – oder findet eigene Lösungen.

Um Pétanque zu spielen braucht es nicht viel. Menschen, Kugeln, ein Schweinchen (Cochonet) als Zielkugel, nicht unbedingt, aber praktisch noch Ringe für die Abspielposition und das wars. Was aber beim Pétanque vor allem wichtig ist, es ist ein Lebensstil, es vermittelt einen mediteranen Flair und verbindet Menschen, auf der ganzen Welt. Im Seetal sind in den vergangenen Jahren viele Plätze entstanden, auf Privatgrundstücken, aber auch auf öffentlichem Grund von Gemeinden. Einer der ersten Plätze entstand in Altwis, wo mittlerweile 19 Teams um die Jahresmeisterschaft spielen. Der Platz beim Schulhaus hat sich zu einem wahren Treffpunkt entwickelt, wird gepflegt und gehegt von einem Verein, der auch die Belegung organisiert. Vergangenes Jahr baute Hitzkirch einen wunderschönen Platz hinter dem Haus der Musikschule und ausserhalb vom Seetal fiel zum Beispiel Buttisholz auf. Dort hat der Boule Club einen grossen Platz hinter dem Wohnzentrum Primavera bauen dürfen, mit ganzen sechs Bahnen für Meisterschaften. Buttisholz hat übrigens zurzeit ganze 3'550 Einwohnerinnen und Einwohner. Übrigens gibt es in Malters auch eine Halle in der das Boulespiel gepflegt wird und in Sursee werden regelmässig Meisterschaften gespielt.

Neben den Kugeln, die es in unterschiedlichen Ausführungen und Preisklassen gibt, braucht ein Pétanquespiel einen geeigneten Untergrund, der genügend hart sein muss und bedeckt ist mit einer Schicht nicht zu groben Splitts. Profis spielen zwar auf allen Untergründen, bei Laien ist aber eine geeignete Bahn, sprich ein geeigneter Untergrund äusserst wichtig. Der Splitt verteilt sich beim Spielen durch den Aufprall der Kugeln in alle Richtungen, weshalb eine Bande von grossem Vorteil ist, zudem muss man den Splitt vor den Spielen auch mit einem Rechen gleichmässig verteilen, sonst bilden sich regelrechte Hügel, welche das Spielen schwierig gestalten. Möchte man ein regelkonformes Spiel durchführen, braucht es mindestens eine Länge von 12 Metern und eine Breite von drei Metern.
In Luzern wird seit vielen Jahren beim National-Quai gespielt. Wenn eine Kugel abgeschossen werden soll, verteilen sich die Spieler zur Sicherheit, damit die Kugeln die Passanten und Zuschauenden nicht treffen, was auch schon vorgekommen ist. Bei Stahlkugeln eine schmerzhafte Erfahrung. Bei Meisterschaften werden dann Banden aufgebaut und so die Spielbahnen abgetrennt und gesichert.

2023 interessierten sich mehrere Gruppen und Personen auch für eine oder mehrere Pétanquebahnen in Hochdorf. Anfragen bei der Gemeinde ergaben, dass eine Bahn, oder eine Möglichkeit, das Boulespiel zu spielen, auf dem neuen Brauiplatz entstehen soll. Dabei gab es von den Spielenden selber auch Sicherheitsbedenken, ist es doch so, dass eine Technik, das Schiessen, wenn sie gelingt, Kugeln mitunter weit fliegen lassen. Daher besitzen Bahnen wie in Altwis Banden aus Holz, um diese Kugeln zu stoppen, was aber auch nicht immer gelingt, so gross kann die Wucht sein. Scheinbar soll nun auf dem Brauiplatz unter den neuen Bäumen gespielt werden, ohne Bahn, ohne Banden (siehe Visualisierung). So oder so, viel Platz hat es dort wie es aussieht nicht und ob die Masse für ein reguläres Spiel eingehalten werden können sowie der Untergrund bespielbar sein wird, wird sich zeigen. Mittlerweile spielen zum Beispiel allein schon beim Angebot des Vereins 60+ bereits bis zu 15 Personen gleichzeitig, das wird mit Sicherheit nicht gehen auf dem umgebauten Brauiplatz. Zudem würden soviel Spielende anderen Personen, die sich dort aufhalten in die Quere kommen oder diese sogar gefährden und es ist anzunehmen, dass auch das Brauirestaurant ein Interesse hat, den Platz zu benützen, was ja auch Sinn ergibt.

Pétanque ist relativ einfach, verbindet Menschen, das ist das Besondere an diesem Spiel und daher ist es so beliebt. Das spürt auch die Gruppe des Vereins 60+. Zunächst fanden die Spielenden eine Heimat auf der Pétanquebahn des Tennisclubs Hochdorf, wo sie Gastrecht erhielten. Nun aber wird auf der Kugelstossanlage in der Arena Hochdorf gespielt. Diese ist seit Jahren ein kleiner Geheimtipp unter Spielenden. Solche gibt es auch in Hochdorf einige und es werden immer mehr, was nur als positive Entwicklung angesehen werden kann. Der soziale Aspekt dieses Spiel sollte nämlich nicht unterschätzt werden. Wohin sich das Ganze in Hochdorf entwickelt ist indes unklar. Wenn man bedenkt, dass in Buttisholz auf sechs Bahnen gespielt werden kann, müsste die Frage berechtigt sein, warum Hochdorf mit über 10'000 Einwohnern nicht auch einen Platz mit mehreren Bahnen bauen, oder zumindest zur Verfügung stellen kann. Der Brauiplatz wird hoffentlich zu dem, was sich die Gemeinde verspricht, zu einem Freiraum und Begegenungszentrum. Viel Platz für das Pétanquespiel wird es indes nicht geben, so viel steht jetzt schon fest. Ein Blick auf den sozialen Aspekt dieses Spiels lohnt sich auch für eine Gemeinde. Pétanque ist nämlich eine günstige und sehr effektive Möglichkeit, Menschen zu verbinden. Dass diese dabei auch etwas für die Konzentration tun, sich bewegen, sich an der frischen Luft aufhalten, unterstützt das Anliegen, dieses Spiel zu fördern.
Vorerst aber haben die Spielenden in Hochdorf, mit viel Eigeninitiative, mit der Arena-Kugelstossanlage, die selten als solche in Gebrauch ist, einen wunderschönen Platz gefunden, der sich vielleicht sogar zu einem neuen Pétanquezentrum entwickeln kann. Ob dann auch auf dem umgestalteten Brauiplatz gespielt wird, gespielt werden kann, wird sich zeigen. Glücklicher- und zufälligerweise besitzt die Gemeinde aber schon eine idyllische "Place de la Pétanque", die sich wirklich sehen lässt und genügend gross ist, so dass auf mehreren "Bahnen" gleichzeitig gespielt werden kann. Bleibt zu hoffen, dass die Spielenden weiterhin dort das Gastrecht erhalten und so ihr Spiel geniessen dürfen. In dem Sinne: Vive la Pétanque.

Anhang: Geschichte Pétanque
Pétanque wurde in Südfrankreich entwickelt, genauer in der Hafenstadt La Ciotat. Hier gehen die Erzählungen etwas auseinander, einig sind sich aber alle, dass ein gewisser Jules Le Noir das bewegungsreiche und körperlich anspruchsvolle Jeu Provençal wegen seines Rheumas nicht mehr spielen konnte. Also entwickelte er, oder je nach Quelle sein Freund Ernest Pitiot, ein Spiel mit kürzerer Distanz und ohne Anlauf. Das war im Jahr 1907. Und weil «Geschlossene Füsse« auf Französisch «pieds tanqués» und auf Provenzalisch «ped tanco» heisst, ergaben die beiden Wörter den Namen für die neue Sportart: Pétanque. Dieses ist nach wie vor nur eine Variante des Boule-Spiels, aber eine, die weniger Platz benötigt, was zu seinem Erfolg sicher beiträgt. Nach wie vor werden in Südfrankreich aber viele Boules-Varianten gespielt, auch in Spielhallen, die so gross sind wie Mehrfachturnhallen, und Plätze gibt es zuhauf, meist an bester Lage mit Meersicht.






Kommentare