"Wir Eltern sind enttäuscht"
- 8. Mai
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In der aktuellen Ausgabe des Seetaler Bote wird eine Durchmischung von Primarschulklassen thematisiert. Die betroffenen Eltern kamen dabei aber nicht zu Wort, was HochdorfR nun nachholt. Wir haben mit Claudia Joller, Mutter einer betroffenen 2.-Klässlerin sowie selber Lehrperson auf Sekundarstufe gesprochen und gefragt, was Eltern von dieser Neudurchmischung der zukünftigen 3. Klassen in zwei Schulhäusern halten.

HochdorfR: Wann haben Sie und die anderen Eltern das erste Mal von der geplanten Klassendurchmischung erfahren?
Claudia Joller: Das war am 23. März mit einer Mitteilung in der Schul-App KLAPP. Dort wurde uns mitgeteilt, dass alle aktuellen 2. Primarklassen der Schulhäuser Peter Halter und Weid neu zusammengestellt werden und wir erhielten gleichzeitig die Listen der neu zusammengestellten Klassen.
Was dachten Sie, als Sie das lasen?
Wir alle waren total überrascht und auch überrumpelt. Nicht lange vor dieser Mitteilung hiess es noch in Elterngesprächen, alles sei gut, die Klassen würden gut funktionieren und dann eine solche Entscheidung, für uns aus heiterem Himmel.
Welche Gründe wurden Ihnen für diese Massnahme genannt?
Sehr widersprüchliche. Es gäbe vereinzelt Probleme, die Massnahmen würden aber greifen, dann redete man von Chancengleichheit und stabilen Beziehungen. Die Realität sieht aber so aus, dass die meisten der betroffenen Klassen gar keine Probleme haben, oder Schwierigkeiten bereiten. Wobei man hierzu auch betonen muss, dass es fragwürdig ist, ob man mit einer neuen Durchmischung solche überhaupt lösen kann oder nicht sogar neue kreiert.
Wie reagierten die Kinder auf diese Nachricht?
Sie waren schockiert, traurig, wütend. Sie verstanden und verstehen nicht, dass sie von ihren Freundinnen und Freunden getrennt werden und auch nicht warum. Aber nicht nur die Kinder verstehen das nicht.
Sondern?
Wir Eltern natürlich und unseres Wissens auch einige der Lehrpersonen. Bei einem Treffen mit uns Eltern hat der Rektor zwar gesagt, dass die Klassenlehrpersonen mitgenommen wurden, er stellte dann aber auch fest, dass die Schule nicht verbieten könne, wenn Lehrpersonen den Entscheid nicht stützen und dies äussern würden. Er bestätigte damit also, dass es solche Lehrpersonen gibt.
Das tönt nicht nach Einigkeit und einer von allen getragenen Entscheidung.
Absolut. Wir kennen Lehrpersonen, die klar sagen, ihre Klasse funktioniere bestens und müsse eigentlich zusammenbleiben.
So wie es auf der Homepage der Schule steht.
Genau. Dort kann man lesen, dass die Lernenden in der Regel ihre gesamte Primarschulzeit in der gleichen Klassenzusammensetzung durchlaufen. Uns ist natürlich klar, dass vereinzelt auch Wechsel sinnvoll sein können. Aber alle Klassen neu zu mischen, ist schon ein grosses Risiko.
Wie meinen Sie das?
Die Kinder befinden sich in einem wichtigen Alter, auf der Schwelle zur Pubertät. Neue Schulthemen kommen hinzu, alles wird herausfordernder. Wenn man in einer solchen Phase die Gruppendynamik wieder auf Null stellt und die Klassen von vorne anfangen müssen, was die Beziehungen und Rollen angeht, kann das neue Probleme schaffen bei neuen Konstellationen. Es ist etwas naiv zu glauben, Klassen zu durchmischen würde alle Probleme lösen.
Gibt es denn solche? Also Probleme?
Ich kenne das ja selber aus meinem Unterricht, Herausforderungen gibt es immer, meist aber mit Einzelfällen, und wir wissen von einer eher schwierigen Klasse in einem der Schulhäuser, aber eben auch, dass die meisten sehr gut funktionieren. Wegen einer Klasse alle neu zu mischen ist absolut unverhältnismässig.
Haben Sie das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht?
Wir haben eine Beschwerde eingereicht und wurden zu einem Austausch eingeladen, welcher am 29. April stattgefunden hat. Anwesend waren neben dem Rektor und der Schulleiterinnen der beiden Schulhäuser sieben Eltern. Ein Vater brachte es dabei auf den Punkt. Er sagte, der Sinn sei nicht erkennbar, ein stabiles Klassengefüge auseinanderzunehmen mit dem Ziel, ein stabiles Klassengefüge zu erreichen. Eine der Schulleiterin stellte aber bald klar, dass die Durchmischung, wie sie es formulierte, entschieden sei und der Rektor der Schule Hochdorf betonte in der Folge, dass der Entscheid in der Kompetenz der Schule liege und nicht anfechtbar sei.
Das tönt nicht nach Gesprächsbereitschaft.
Eine Bereitschaft, auch nur einen kleinen Schritt auf uns Eltern zuzugehen, haben wir tastsächlich nicht gespürt und auch nicht gesehen. Man hat nur eher schwammige Erklärungen präsentiert sowie diese mehrfach wiederholt. Eine schlüssige Erklärung gab es in unseren Augen aber nicht. Sowieso nicht aus pädagogischer Sicht.

Wie sehen Sie das mit dem Argument der Chancengleichheit, welches der Rektor gemäss Protokoll des Treffens mit den Eltern eingebracht hat?
Welche Chancen bekommen die Kinder, die in gut funktionierenden, stabilen Klassen sind, wenn sie einfach wegen eines Entscheides von oben nun ihre Freundinnen und Freunde verlieren? Es tut mir leid, das ist ein Argument, dass nicht nachvollziehbar ist.
Gemäss Protokoll hat der Rektor auch gesagt, Zitat: „Entscheidungsträger verbringen
mehrere Stunden mit Kindern und kennen sie sehr gut.“ Was halten Sie von dieser Aussage?
Die anwesenden Eltern haben klargestellt, dass das nicht stimmt. Ich denke nicht, dass der Rektor unsere Kinder kennt. Wir Eltern kennen sie gut und auch die zuständigen Lehrpersonen. Aber hier geht es eben um das Wort Entscheidungsträger und wir gehen davon aus, das waren die Schulleitungen sowie der Rektor. Letzterer hat denn auch bei besagtem Treffen klargestellt, dass der Entscheid in seiner Kompetenz liege.
Wie gehen Sie nun weiter vor?
Unsere Möglichkeiten sind ausgeschöpft und es stimmt ja, was uns gegenüber unmissverständlich klargestellt wurde: Der Entscheid ist nicht anfechtbar. Wir haben zwar der Schulaufsicht der Dienststelle Volksschulbildung eine Beschwerde zugestellt, die Behörde ist aber darauf nicht eigegangen mit dem Verweis, das sei Sache der Bildungskommission.
Können Sie das nachvollziehen?
Nein. Wir wollten ja, dass der Entscheid überprüft und bis zu einem Entscheid sistiert wird. Zudem sollte uns transparent dargelegt werden, auf welcher pädagogischen Grundlage der Entscheid getroffen wurde und weshalb mildere Massnahmen nicht als ausreichend beurteilt wurden. Die Reaktion der Behörde passt aber zum ganzen Rest: Es fand auch hier keine eigentliche Diskussion statt.
Also wird die „Durchmischung“ stattfinden, gegen Ihren Willen?
Und auch gegen den Willen der Kinder sowie einiger Lehrpersonen. Wir Eltern sind sehr enttäuscht, dass die Entscheidungsträger, wie sie sich nennen, nicht einmal einen kleinen Schritt auf uns zugegangen sind. Die Beschwerde wurde immerhin von 59 Eltern unterschrieben, ich denke, das sollte schon Gewicht haben.
Und die Kinder?
Wir müssen sie nun unterstützen und helfen, die Situation so gut wie möglich zu handhaben. Für mich als Mutter und Lehrperson bleibt schon die Frage, was wir ihnen damit beibringen. Was lernen sie? Wie gesagt, es ist eine mehr als fragwürdige Vorgehensweise und in dieser Art nicht zu rechtfertigen. Hier werden Beziehungen zerstört ohne Sinn, ohne Grund. Die Leidtragenden sind die Kinder, welche man übrigens auch nie gefragt hat. Pädagogik sieht für mich anders aus.
| HochdorfR





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