Ist das der neue "Lieblingsort" im "historischen Zentrum"?
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Am 24. November 2024 sagten die Stimmberechtigten Ja zur Umgestaltung des Brauiplatzes, notabene für 2.05 Millionen Franken. 1475 Personen stimmten zu, 1356 lehnten den Sonderkredit ab. Lediglich 119 Stimmen machten den Unterschied. Im August soll der Platz nun eröffnet werden, er gibt aber jetzt schon zu reden. Grund genug für einen Augenschein vor Ort.

Die Gemeinde schreibt auf ihrer Homepage, das Ziel der Umgestaltung sei, "aus dem Brauiplatz einen attraktiven Aufenthaltsraum und neuen Lieblingsort im historischen Zentrum Hochdorfs zu schaffen." Die Bauarbeiten neigen sich nun dem Ende zu, was eine erste Begutachtung des neuen Platzes erlaubt.

Als erstes fällt auf, dass auf der Seite LUKB sieben Bäume entfernt wurden, obwohl dort nun keine Parkplätze mehr vorhanden sind. Sechs wurden nun gepflanzt, macht minus ein Baum. Die neuen Bäume spenden kaum Schatten, auf der Visualisierung der Gemeinde stehen unter diesen ein paar einzelne Stühle herum. Ob dies reichen wird, sich dort während der Sommersonne aufzuhalten, wird sich zeigen. Zudem ist fraglich, ob die neuen Bäume sich entwickeln, sprich wachsen können. HochdorfR wurde von einer Fachperson im Gartenbau darauf aufmerksam gemacht, dass die Bäume viel zu wenig Platz für die Wurzeln bekommen haben. Faustregel hier: Die grösse der Krone des Baumes muss dem Platz für die Wurzel entsprechen. Dabei wird aber oft der tatsächliche Platzbedarf unterschätzt. Neben der Erde wurde in diesem Projekt Schaumglasschotter verwendet (siehe Foto oben), ein mineralischer Recycling-Dämmstoff. Bei der Kombination mit Baumwurzeln wirkt er als dauerhafte Barriere, die das Wachstum verhindert, indem er Nährstoffe entzieht und gleichzeitig als Drainage Belüftung gewährleistet. Da der Schotter zudem zu 100 Prozent aus aufgeschäumtem Altglas besteht, bietet er keinerlei organische Nährstoffe oder Wasser für Wurzeln. Ohne der Zugabe von Nährstoffen, werden sich die Wurzeln in dieser für sie feindlichen Umgebung nicht entwickeln. Ohne Entwicklung, sprich Wachstum, werden die Bäume aber nicht den gewünschten Schatten liefern können.

Ebenso soll auf dem neuen Kiesplatz unter den Bäumen Pétanque gespielt werden können (HochdorfR berichtete). Der Platz wird aber nach nur einem Spiel mit Stahlkugeln nicht mehr so aussehen, zudem besteht ein erhebliches Sicherheitsrisiko bei diesem Spiel, wenn ohne Banden die Kugeln "abgeschossen" werden. Die Kugeln, immerhin rund 700 Gramm schwer, können, wenn sie von einer anderen Kugel getroffen werden, weit und mit grosser Wucht fliegen. Auf dieses Risiko wurde der zuständige Gemeinderat Reto Anderhub aufmerksam gemacht, man wird nun sehen, ob und wie lange sich auf dem Brauiplatz ein Treffpunkt für das Pétanquespiel etablieren wird. Sicher ist: Es ist nicht empfehlenswert, in der Nähe zu sitzen, wenn gespielt wird.

Zu Reden gibt eine Rinne, die auf der Seite des Hotels und des Gesundheitszentrums verläuft. An einem Treffen der Vereinspräsidien wurde der Gemeinderat auf die Gefährlichkeit dieser mehrere Zentimeter tiefen Rinne aufmerksam gemacht. Es habe dort bereits Zwischenfälle gegeben mit Menschen mit Rollatoren sowie Gehbeinträchtigungen. Tatsächlich ist diese Rille eine reine Stolperfalle. Der zuständige Gemeinderat habe an dem erwähnten Treffen gesagt, die Rinne werde ausgegossen. Man darf aber auf das erste starke Gewitter gespannt sein und dem Verlauf der Wassermassen, die sich über das neue Pflaster ergiessen werden. Beim Augenschein am 13. Juni 2026 war die Rinne noch vorhanden und auch nicht gesichert, trotz Zwischenfälle.

Ebenfalls für Gespräche und Rückmeldungen sorgt die sogenannte "Nebelwolke", die kühlendes Wasser an die Umgebung spenden soll. Die Frage ist hier, was man unter Umgebung versteht. Kühlung verspürt man nämlich nur in unmittelbarer Nähe, wenn der Nebel zusätzlich in die eigene Richtung geweht wird. Der Wind sorgt aber dafür, dass sich der Nebel mitunter auflöst oder Richtung Monvia-Gebäude geweht wird. Wie lange die Bewohnenden dies akzeptieren, wird sich zeigen. Feuchtigkeit ist bekanntlich nicht nur vorteilhaft. Spannend wäre, wie teuer diese Spielerei war, HochdorfR hat aber auf eine Anfrage verzichtet. Die Gemeinde klärt seit April ab, ob diese Plattform Antworten erhalten wird (siehe Klarstellung am Ende dieses Artikels).
"Wir müssen in die Qualität des Zentrums investieren», sagte der Gemeinderat Reto Anderhub gegenüber dem Seetaler Bote (25.10.24). Nicht nur das dereinst zu überbauende Südiareal solle ein wichtiges Quartier der Gemeinde werden, betonte er damals, der historisch gewachsene, ältere Dorfteil dürfe nicht vernachlässigt werden. Ob nun der Brauiplatz zu diesem beliebten Treffpunkt werden wird, ob ein paar Bäume, Kies und mehr Platz reichen, wird sich zeigen. Das wird auch davon abhängen, ob und welche Nachfolgelösung für das Brauirestaurant gefunden wird. Sicher ist aber: Ein paar junge Bäume, ein Kiesplatz mit wenigen Stühlen, Holzbänken an der prallen Sonne sowie eine Nebelwolke, die macht was sie will, werden nicht reichen, um aus dem Millionenteuren Platz einen "Lieblingsort" der Bevölkerung zu machen.
|HochdorfR
Klarstellung: Die Gemeinde hat gegenüber dem Berufsverband der Journalisten und auch an der Orientierungsversammlung vom 1. Juni 2026 klargestellt, dass (seit April!) rechtliche Abklärungen laufen und daher keine Fragen von HochdorfR beantwortet werden. HochdorfR hat vor diesem Hintergrund auf Fragen an den Gemeinderat verzichtet.





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