Kommentar: Viele Fragen, aber kein Dialog
- 22. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Kürzlich erschien hier auf dieser Plattform ein Interview zum Thema Südi. Joe Kündig und Martin Scherer sprachen darin von Enttäuschung, über Sorgen, über die Mitwirkung und eine regionale Beteiligung am Südiprojekt. Natürlich hat HochdorfR in der Folge auch dem zuständigen Gemeinderat Reto Anderhub ein Interview angeboten, sogar zwei Mal um genau zu sein, um die eigene Sichtweise einbringen zu können. Dieser lehnte nun das Angebot ab. Das ist in mehrfacher Hinsicht schade.

Fakt ist: Die Südi beschäftigt viele und beherrscht zuweilen sogar die Gespräche in Hochdorf. Schliesslich geht es um viel. Es ist ein Grossprojekt, welches uns noch sehr viele Jahre beschäftigen wird. Gemeinderat Reto Anderhub hat das Interview abgelehnt unter anderem mit der Begründung, dass aufmerksame Leserinnen und Leser in den zurzeit öffentlich aufgelegten Unterlagen Antworten finden würden, zum Beispiel zu den bestehenden Gebäuden, welche im Interview mit Kündig und Scherer angesprochen wurden. Doch man muss schon sehr aufmerksam lesen und vor allem die vielen Unterlagen verstehen können, um hier wirklich Antworten zu finden. Mit Sicherheit versteht ein Grossteil der Bevölkerung, der Autor dieser Zeilen inklusive, kaum etwas davon, kann kaum die relevanten Inhalte aus den vielen Seiten Texte und Pläne, sowie Tabellen herausfiltern. Umso wichtiger wäre, wenn der zuständige Gemeinderat Auskunft geben würde. Schliesslich betont die Gemeinde immer wieder ihre transparente Informationspolitik und Reto Anderhub hat bereits 2022 gegenüber dem Seetaler Bote (Ausgabe 9 vom 3. Mörz 2022) betont: "Ganz wichtig wird der Partizipationsprozess sein, bei dem die Bevölkerung mitwirkt." Nun, zu einem solchen Prozess gehört, dass man auf Fragen Antworten bekommt.
Es gibt viele berechtigte Fragen zum Thema Südi. Zum Beispiel, wie viel dieses Projekt bisher gekostet hat, neben dem beachtlichen Kaufpreis und wie viel das noch kosten wird. Sehr wichtig ist auch die Frage, wer genau von diesem Projekt letztendlich profitieren wird. Fakt ist nämlich auch, dass die Steuerzahlenden den Kauf sowie die bisherhigen Kosten getragen haben. Macht es da nicht Sinn, dass Baugenossenschaften, Architekturbüros, Planer, Bauunternehmen, Malergeschäfte, Eisenwarenhandel und mehr aus Hochdorf beteiligt werden, oder zumindest Aufträge erhalten? Sie alle haben mit ihren Steuern dieses Prokjekt mit-ermöglicht. Grund zur Sorge besteht durchaus, haben doch bisher vor allem städtische Büros, unter anderem aus Zürich, die Pläne erstellt. Und auch die relativ einfachen Unterlagen für die Baueingabe des Schulhausprovisosiums in der Südi (HochdorfR hat darüber berichtet) hat ein Zürcher Büro erstellt, obwohl es mehrere lokale Unternehmen gibt, die das problemlos hätten umsetzen können. Macht es zudem Sinn, dass die Gemeindeverwaltung, selber Unternehmer spielt und Architekten einstellt, Wohnungen selber baut und mehr? Die Gemeindeverwaltung ist nämlich genau dies, eine Verwaltung. Mehr nicht. Sie verwaltet Geld, das ihr nicht gehört, Grundstücke und Liegenschaften, die ihr nicht gehören, so wie eben die Südi. Sie verwaltet. Gemeinderätinnen und Gemeinderäte kommen und gehen, sie sind Verwalter auf Zeit.
Es wird sich lohnen, nach der Umzonung genau hinzuschauen, wer hier investieren wird und kann sowie wer profiteren wird und kann. Wenn alle Geschäfte und Gewerbebetriebe aus Hochdorf hier fehlen, dann ist was enorm schiefgelaufen bei diesem Projekt. Und wenn die Gemeindeverwaltung tatsächlich selber baut, also Unternehmer spielt und nicht verwaltet, dann konkurrenziert sie just jene, die Steuern zahlen, also auch die Löhne jener, die eine Beteiligung lokaler Unternehmer verhindert haben. Und sie verursacht durch hohen Personalaufwand unnötige Mehrkosten, die dann bei den Verkaufseinnahmen fehlen. Wenn dem so ist, falls dem so ist, muss die Bevölkerung Korrekturen verlangen, einfordern. Die Südi gehört nicht einzelnen, sowieso nicht Volksvertretern und auch nicht einer Verwaltung, sie gehört uns allen, die hier wohnen und Steuern bezahlen. Profitieren sollen in erster Linie also jene, die hier wirken, arbeiten, das Projekt erst ermöglichen. Wie die Gemeindeverwaltung zu diesem Thema steht, erfahren wir zurzeit nicht, leider. Das müsste allerdings hellhörig machen. Alles andere als ein klares Statement für die lokalen Unternehmen und Investoren wäre ein problematisches Zeichen, denn die Verwaltung arbeitet im Auftrag aller Steuerzahlenden - und nicht umgekehrt.
Claudio Brentini | HochdorfR





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